Wirtschaft

Gabriel reist in den Iran Deutsche Wirtschaft steht bereit

Die politische Lösung im Atomstreit mit dem Iran ruft die deutschen Manager auf den Plan. Die Firmen wittern nun das große Geschäft. Bundeswirtschaftsminister Gabriel reagiert umgehend und reist in ein paar Tagen nach Teheran.

Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran hofft die deutsche Wirtschaft auf Milliardengeschäfte in dem ölreichen Staat. Der Außenwirtschaftschef des Spitzenverbandes DIHK, Volker Treier, der in Teheran weilte, sagte: "Wenn alles gut läuft, könnten wir in drei, vier Jahren die 10-Milliarden-Marke beim Export knacken."

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will kurzfristig in den Iran reisen. Nach dpa-Informationen beabsichtigt der SPD-Chef, von Sonntag bis Dienstag nach Teheran und Isfahan zu fliegen. Neben Gesprächen mit hochrangigen Vertretern der iranischen Führung will Gabriel vor allem Wirtschaftskontakte pflegen. Gabriel hat mehrere hochrangige Wirtschaftsvertreter eingeladen, ihn zu begleiten.

Im vergangenen Jahr hatten deutsche Firmen Waren und Dienstleistungen für 2,39 Milliarden Euro in den Iran geliefert - viele Geschäfte kamen wegen der westlichen Sanktionen aber nicht zustande. Bereits in zwei Jahren könnten sich die Ausfuhren auf gut fünf Milliarden Euro mehr als verdoppeln, schätzt Treier.

"Das Land hat einen Riesennachholbedarf. Es gibt eine potenziell große Nachfrage nach deutschen Produkten, etwa bei der Erdöl- und Erdgas-Exploration, Chemie, Konsumgüter, Textil und Nahrungsmitteln." Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sind im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kommen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Auch die deutschen Maschinenbauer begrüßten die Einigung im Atomstreit mit dem Iran. "Diese politische Entscheidung ist ein Meilenstein internationaler Außenpolitik", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thilo Brodtmann.

Es gebe aber noch viele ungeklärte Fragen. Um wirtschaftlich relevant zu werden, müsse die Einigung "erst rechtlich umgesetzt werden - und das wird wohl noch etwas dauern", erklärte Brodtmann. Da die Sanktionen schrittweise abgebaut werden sollten, bleibe das Embargorecht für das Geschäft mit dem Iran weiter relevant. Dies könne für den deutschen Maschinenbau "im Detail viele Hemmnisse bedeuten".

Appell an die Banken

Eine entscheidende Hürde im Geschäft mit dem Iran seien aber die Schwierigkeiten der Finanzierung, erklärte der Verband weiter. Deshalb müssten die Banken jetzt schnell handeln. "Die Industrie benötigt eine deutliche Verbesserung im Zahlungsverkehr mit dem Iran, und zwar zügig", forderte Ulrich Ackermann, beim VDMA zuständig für Außenwirtschaft. Iranische Kunden erwarteten zu Recht, "dass der deutsche Maschinenbau bereits jetzt legale Lieferungen auch wieder tätigen kann", erklärte er. Die Finanzinstitute müssten nach dem Politikwechsel ihre Geschäftspolitik anpassen, sonst "lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen", warnte Ackermann.

Dem Verband zufolge beliefen sich die internationalen Maschinenexporte in den Iran im vergangenen Jahr auf gut fünf Milliarden Euro. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland. Mittelfristig könnten sich die internationalen Maschinenexporte laut VDMA auf bis zu acht Milliarden Euro belaufen.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/AFP

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