Wirtschaft

Bank-Aktie im Dauer-Tiefflug Die Leiden der Commerzbank

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"Man darf bei der Restrukturierung so großer Konzerne nicht zu ungeduldig sein."

(Foto: Foto: Commerzbank AG)

Hier stimmt etwas nicht: Die zweitgrößte Bank der stärksten Wirtschaftsmacht Europas - ein Haus mit 1200 Filialen, 15 Millionen Privatkunden und einer Bilanzsumme von rund 700 Milliarden Euro - ist an der Börse so billig wie noch nie. Gibt es für Anleger gar keine Hoffnung?

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Hat nicht gerade den leichtesten Job: Martin Blessing.

(Foto: REUTERS)

Wer wissen will, was eine Durststrecke ist, braucht sich nur den Kurs der Commerzbank-Aktie anzusehen: Trotz harter Einschnitte, umfangreicher Bemühungen um eine Neuausrichtung und nicht zuletzt auch Milliardenhilfen aus dem bundesdeutschen Steuertopf dümpeln die Papiere des zweitgrößten Kreditinstitut Deutschlands noch immer weit unter Vorkrisenniveau. Ende März markierte die Coba-Aktie sogar ein neues Allzeittief bei 1,11 Euro - zum Leidwesen ihrer Anteilseigner.

Die Beteuerungen aus der Chefetage, sich mit dem Geldhaus und seinen Sparten auf dem Weg der Erholung zu befinden, zeigen an der Börse bislang keine Wirkung. Während Wettbewerber längst wieder solide Gewinne einfahren, bleibt den Aktionären der Commerzbank nur der schmerzlich Blick zurück auf die Jahre vor dem Ausbruch der großen Finanzkrise. Mit Milliardenzukäufen stärkte das Haus seine Kundenbasis. Die Übernahmen von Eurohypo und Dresdner Bank zeugten von ambitionierten Plänen. Die Commerzbank verfügte über starke Standbeine im Geschäft mit Gewerbeimmobilien, der Staatsfinanzierung und war ein echter "Global Player" im Markt für Schiffskredite.

In den Jahren ab 2003 schien es mit der Aktie nur noch in eine Richtung zu gehen: bergauf. Kräftige Kursgewinne nahezu ohne Atempause ließen die Rückschläge nach dem Zusammenbruch des "Neuen Markts" schnell vergessen. Der Coba-Kurs näherte sich mit Riesenschritten seinem alten Allzeithoch an, jener Marke bei umgerechnet 35,62 Euro, die das gerade auch unter Kleinanlegern viel beachtete Wertpapier am 10. März des Jahres 2000 erreicht hatte.

Seit der Finanzkrise ging es bergab

Für einen neuen Rekordstand reichte der Auftrieb damals nicht, im Gegenteil, es sollte ganz anders kommen: Als im Sommer 2007 die ersten Probleme im US-Immobilienmarkt sichtbar wurden, war für die Coba bei etwas mehr als 28 Euro plötzlich Schluss mit den Kursgewinnen. Im Frühjahr darauf fiel die US-Investmentbank Bear Stearns, im Herbst folgte Lehman Brothers. Mit dem Gesamtmarkt stürzte auch der Kurs der Commerzbank-Aktie ab. Plötzlich schien es an allen Ecken und Enden zu brennen. Im Dezember 2008 musste die Commerzbank den Staat um Hilfe bitten. Um das Haus und die deutsche Bankenbranche zu stabilisieren, stieg der Rettungsfonds Soffin schließlich in einer heiklen Notoperation als Teilhaber ein.

Seitdem kämpft die Commerzbank unter der Führung von Bankchef Martin Blessing um eine Rückkehr zur Normalität. Seit Juli 2011 krebst der Aktienkurs in den Bereichen unterhalb der 2-Euro-Marke herum. Trotz aller Einsparungen scheint die Masse der Anleger das Papier nicht mit der Kneifzange anfassen zu wollen - und das obwohl Analysten zum Teil deutliche Erholungsbewegungen für möglich halten.

Da hilft es bisher auch nicht, dass der Commerzbankvorstand Martin Zielke im laufenden Jahr erste Erfolge des Umbaus seines kriselnden Privatkundengeschäfts sieht. "Das Neugeschäft in der Baufinanzierung liegt in den ersten beiden Monaten 2013 um fast 50 Prozent über dem Vorjahreszeitraum", erklärte Zielke zuletzt dem "Handelsblatt". Das Wachstum bei Immobilienkrediten habe sich 2013 fortgesetzt. Insgesamt rechne er in diesem Jahr mit einem weiteren Zuwachs an Kunden.

Dennoch erwartet die Bank im Privatkundengeschäft, das schon in den vergangenen Jahren kein Geld verdient hatte, in diesem Jahr allenfalls eine schwarze Null. "Wir erwarten, dass unsere Maßnahmen im Privatkundengeschäft ab 2014 auf der Ergebnisseite zunehmend wirken", sagte Zielke. Aus Anlegersicht sind das nicht gerade ermutigende Signale.

Mit neuen Aktien "entstaatlichen"

Vor der anstehenden Kapitalerhöhung dürften sich die Aktien weiterhin schlechter als der Sektor entwickeln, schrieb Analyst Omar Keenan von Nomura Equity Research. Er hält ein Kursziel von 1,00 Euro weiterhin für angemessen. Sein Kollegen von der Credit Suisse sind da schon deutlich optimistischer, die Kapitalmaßnahme dürfte das Ergebnis je Aktie um rund 17 Prozent verwässern. Gleichzeitig sollte sich aber die Kapitalrendite verbessern. Damit scheine 2013 für das zweitgrößte deutsche Geldhaus ein Jahr der Bereinigung zu werden.

Zumindest der staatliche deutsche Bankenrettungsfonds Soffin hat mit der Commerzbank noch reichlich Geduld: Deutschlands oberster Bankenretter Christopher Pleister gibt die Hoffnung nicht auf, dass der SoFFin aus seinem Engagement bei der zweitgrößten Bank des Landes ohne Verlust herauskommt. Selbst ein Gewinn ist unter günstigen Umständen nicht völlig ausgeschlossen.

"Nicht zu ungeduldig sein"

"Das Management der Commerzbank hat eine ehrgeizige Strategie eingeschlagen. Geht sie auf, wird sich das auch auf den Kurs auswirken", bestätigte der Chef der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FSMA). Der Rettungsfonds lasse sich aber beim Ausstieg nicht unter Zeitdruck setzen. "Man darf bei der Restrukturierung so großer Konzerne nicht zu ungeduldig sein", sagte Pleister.

Der Soffin hatte in der Finanzkrise 18,2 Mrd. Euro in die Commerzbank gesteckt - zum größten Teil in Form Stiller Einlagen - und hält noch 25 Prozent an ihr. Doch die Aktien sind derzeit noch weniger als die Hälfte dessen wert, was der Soffin dafür gezahlt hat. Bank-Chef Martin Blessing will mit einer 2,5 Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung im Juni die restlichen Stillen Einlagen des Staates zurückzahlen, der Soffin lässt dabei seine Aktienbeteiligung erstmals auf weniger als 20 Prozent verwässern.

Mit den Stillen Einlagen hat der Soffin laut Pleister bislang bereits Gewinn gemacht, obwohl die Commerzbank nur für 2012 die Zinsen darauf bezahlt hatte. Mit zwei Einmalzahlungen über 1,09 Mrd. Euro seien "mehr als die Refinanzierungskosten für die bisherige Laufzeit abgedeckt", sagte Pleister.

2013 "kein einfaches Jahr"

In ihrem jüngsten Geschäftsbericht zeichnete die Commerzbank insgesamt ein eher düsteres Bild von ihren Aussichten für 2013. In allen Sparten rechnet die zweitgrößte deutsche Bank mit einem Gewinnrückgang, wie aus dem im März veröffentlichten Bericht hervorgeht.

"Auch das laufende Jahr wird mit Blick auf das erreichbare Ergebnis kein einfaches Jahr", bereitete Vorstandschef Martin Blessing die Aktionäre auf schlechte Zahlen vor. Selbst das Aushängeschild Mittelstandsbank werde Abstriche machen müssen. Im Privatkundengeschäft, wo die Bank schon in den vergangenen Jahr kein Geld verdient hatte, sei vor dem Umbau allenfalls eine schwarze Null drin. Und die Lage im Staats-, Schiffs- und Immobilien-Finanzierungsgeschäft, das abgebaut werden soll, habe sich noch einmal verschlechtert.

"In einem nach wie vor herausfordernden Konjunktur- und Kapitalmarktumfeld werden für 2013 im Vergleich zum Vorjahr der anhaltende Ertragsdruck, die steigende Risikovorsorge sowie der investitionsbedingte Kostenanstieg auf das operative Ergebnis wirksam", schreibt die Commerzbank. Dazu kommen gleich im ersten Quartal 500 Mio. Euro, die sie für den Abbau von 4000 bis 6000 Stellen zurückgestellt hat. Das werde das Ergebnis vor Steuern in diesem Jahr belasten. 2012 hatte die Commerzbank noch 1,2 Mrd. Euro verdient, netto blieben davon allerdings nur sechs Millionen Euro übrig.

Die größte Baustelle der Commerzbank bleibt die Abbaubank NCA, in der sie 151 Mrd. Euro an Krediten und Wertpapieren aus der Staats-, Schiffs- und Immobilienfinanzierung möglichst kapitalschonend loswerden will. Bis 2016 soll das Volumen auf 93 Mrd. Euro schrumpfen.

In diesem Jahr werde die NCA aber immer noch mehr Kapital durch Verluste aufzehren als der Abbau freisetze, hieß es. 24 Prozent des Volumens an Schiffskrediten - doppelt so viel wie ein Jahr zuvor - gelten als "leistungsgestört", weil Zins oder Tilgung nicht mehr gezahlt wurden, bei den Immobilien-Krediten sind es 14 (2011: 11) Prozent.

In der Mittelstandsbank rechnet die Commerzbank 2013 mit einem Gewinn leicht unter den 1,65 Mrd. Euro aus dem vergangenen Jahr. Die mittelständischen Unternehmen brauchten wohl weniger Kredite, und die Risikovorsorge dürfte steigen. Blessing macht den Anlegern Hoffnung für 2014: "Im Falle einer freundlicheren Konjunkturlage dürfte im Folgejahr 2014 eine zunehmende Kreditnachfrage die Ertragsaussichten im Segment wieder begünstigen."

Quelle: n-tv.de, mit rts

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