Wirtschaft

Gemeinnütziger Football-Verein? Die Steuertricks der NFL

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Der Quarterback der New England Patriots, Tom Brady, hat auch an der Wall Street eine riesige Fangemeinde.

(Foto: imago/UPI Photo)

Die NFL ist die erfolgreichste Profi-Liga der Welt. Football-Fans bescheren ihr Rekordeinschaltquoten und Rekordeinnahmen. Und auch Washington ist so Football-begeistert, dass bei den Steuern ein Auge zugedrückt wird.

Star-struck an der Wall Street … nirgends in New York trifft man so viele Promis wie an der New York Stock Exchange. Aerosmith, Mötley Crüe und Fergie kamen zuletzt vorbei, und noch viel beliebter sind die Sportler: Shaq gab sich jüngst die Ehre, am Montag kamen die LA Lakers, und jetzt fragen sich die Trader: Wann kommt Tom Brady? Der Quarterback der New England Patriots hat mit seinem vierten Super Bowl gerade Geschichte geschrieben - irgendein Sponsor wird ihn wohl in den nächsten Wochen mal an die Börse bringen, um dort die Glocke zu läuten.

Die Trader auf dem Parkett sind fanatische Football-Fans. Die meisten - kein Wunder! - drücken den lokalen Teams die Daumen, und so gibt es auch an der Wall Street die üblichen Streitereien um Jets und Giants, um Yankees und Mets. Keines der New Yorker schaffte es in diesem Jahr auch nur in die Play-Offs, doch der allgemeinen Football-Begeisterung schadete das nicht. Im Gegenteil: An der Börse gibt es kaum jemanden, der den Super Bowl am vergangenen Wochenende nicht gesehen hat. Überhaupt gibt es in den ganzen USA wohl kaum jemanden, der das Spiel nicht verfolgt hat. Jedenfalls meldet NBC Rekordeinschaltquoten. Ein gewaltiger Erfolg ist das nicht nur für den Sender, sondern auch für die Liga: die NFL ist die erfolgreichste Profi-Liga der Welt.

Die Zahlen können sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr machte die National Football League einen Umsatz von neun Milliarden Dollar - selbst an der Wall Street ist das eine beeindruckende Zahl. Commissioner Roger Goodell will indes noch mehr: Der Chef der Liga strebt bis 2027 einen Umsatz von 27 Milliarden Dollar ein, will also eine glatte Verdreifachung der Geschäfte. Soviel Vision hat ihren Preis: Goodell hat im vergangenen Jahr ein Gehalt von 29 Millionen Dollar eingesackt. Insgesamt kassierten die fünf bestbezahlten Manager der Liga satte 60 Millionen Dollar.

Erfolgreich wie ein Hedgefonds und gemeinnützig

Das sind Zahlen, die man sonst nur aus dem Finanzsektor kennt. Umso erstaunlicher, als die NFL nicht einmal als Unternehmen zählt. Die trickreichen Lobbyisten der NFL schafften es bereits 1966, den Verband als gemeinnützige Organisation zu klassifizieren - seither ist man komplett steuerbefreit. Um den günstigen Status auch langfristig nicht zu verlieren, ließen die Hintermänner der Liga in Washington sogar Gesetze umformulieren: Hieß es einst, dass zu gemeinnützigen Organisationen "Wirtschaftsverbände, Handelskammern und Innungen" gehören, stehen da längst auch "professionelle Football-Ligen".

Das wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern, denn die NFL gibt Millionen für eine gezielte Lobbyarbeit in Washington aus. Man hat da leichtes Spiel: Politiker lassen sich nur allzu gerne ins Stadion einladen - nach dem VIP-Dinner und Häppchen mit dem Quarterback kommt wohl kein Volksvertreter auf die Idee, den spendablen Liga-Chefs den steuerbegünstigten Status abzusprechen.

An der Wall Street hat man mit all dem kein Problem. Im Gegenteil: Hier ist erfolgreich, wer satte Gewinne ausweist – und keine Steuern zu zahlen erhöht letztlich die Margen. Nicht nur die NFL weiß das. Zehn der größten amerikanischen Konzerne zahlen seit ewigen Zeiten keine Steuern. Zwei der erfolgreichsten Steuervermeider kommen aus dem Finanzsektor: Über eine intelligente Vernetzung verschiedener Firmensitze in Steuerparadiesen hat JP Morgan 4,3 Milliarden Dollar an Abgaben gespart, bei Citigroup sind es 11,5 Milliarden Dollar.

ExxonMobil hat allein zwischen 2010 und 2012 mit Ölproduktion vor der Küste Amerikas rund 46 Milliarden Dollar erwirtschaftet, auf die man keine Steuern zahlte - Steuergutschriften der Regierung streicht man hingegen gerne ein. Seit Jahren bezuschusst die US-Regierung Öl-Konzerne, weil man eine vor Urzeiten wegen des niedrigen Ölpreises gewährte Unterstützung auch dann nicht strich, als das schwarze Gold zwischenzeitlich über 100 Dollar kostete.

FedEx, General Electric, Honeywell, Merck, Microsoft, Pfizer, Verizon; die Liste der gewissermaßen steuerbefreiten Unternehmen ist lang. Der amerikanischen Staatskasse entgehen jedes Jahr Milliarden, die das Land dringend bräuchte. Doch Gesetze werden in Washington längst nicht von den Volksvertretern geschrieben, sondern von den Lobbyisten der Wirtschaft. Der Wall Street gefällt das mindestens so gut wie ein schöner Touchdown.

Quelle: ntv.de