Wirtschaft

Verdacht des Betrugs Diesel-Skandal - Razzien bei Audi

Bei Audi gibt es wegen des Abgas-Skandals Razzien. Die Zentrale der VW-Tochter in Ingolstadt sowie weitere Audi-Standorte werden am Morgen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Abgasskandal trifft nun auch die VW-Tochter Audi mit voller Wucht: Wenige Stunden vor Präsentation der Jahreszahlen des Autobauers rückten Ermittler zu Razzien an den Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm sowie an sieben weiteren Orten an. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung. Auch am Volkswagen-Konzernsitz in Wolfsburg gab es eine Durchsuchung. Über Einzelheiten wollte ein VW-Sprecher nicht reden.

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Audi 814,00

Die Staatsanwaltschaft München habe am Morgen Büroräume in Ingolstadt und Neckarsulm sowie an sieben weiteren Orten durchsucht, bestätigte ein Unternehmenssprecher, nannte aber keine Details. "Wir kooperieren vollumfänglich." Laut "Süddeutsche Zeitung" und ARD wurden auch Privatwohnungen durchsucht. Insgesamt seien etwa 80 Staatsanwälte und Polizisten im Einsatz gewesen, hieß es weiter. Audi hatte im November 2015 den Einsatz von Schummel-Software in großen Dieselmotoren eingeräumt. Die bayerische Justiz hatte daraufhin ein Prüfverfahren eingeleitet.

Laut der Staatsanwaltschaft geht es bei den Ermittlungen um 80.000 Audi-Wagen, die zwischen 2009 und 2015 in den USA verkauft wurden. Diese Autos sind mit V6-Drei-Liter-Dieselmotoren ausgestattet. "Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die US-amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden."

Polizeieinsatz während der Jahrespräsentation

Die Durchsuchungen überschatteten die Audi-Jahrespräsentation in Ingolstadt. "Trotz der Tagesaktualität würde ich mir wünschen, dass wir uns auf das abgeschlossene Geschäftsjahr konzentrieren", sagte Audi-Chef Rupert Stadler zu Beginn. Gleichzeitig betonte er, Audi habe größtes Interesse an der Aufklärung. "Der Weg des Aufarbeitens ist noch lange nicht abgeschossen." Und er versicherte: "Wir bleiben dran." Das ganze Unternehmen leide darunter, "wie uns das Thema Diesel in Misskredit gebracht hat". Stadler konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob die Ermittler auch ihm einen Hausbesuch abgestattet haben: "Jetzt ist es 11.30 Uhr. Ich habe noch keinen Besuch gesehen. Ich bin aber auch seit 7.30 Uhr hier, und meine Frau hat noch nicht angerufen."

Der "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Informationen aus Justizkreisen, die Ermittler hätten erst Anfang der Woche von dem Termin der Jahrespressekonferenz erfahren. Zu diesem Zeitpunkt seien die Vorbereitungen für die Durchsuchungen an neun Orten in drei Bundesländern aber schon abgeschlossen gewesen. Eine Verlegung der Aktionen sei nicht mehr möglich gewesen.

Keine Ermittlungen zu Markt in Europa

Absatzgeschäfte auf dem europäischen Markt seien nicht Gegenstand der Ermittlungen, da nach den bislang vorliegenden Auskünften des Kraftfahrt-Bundesamtes insoweit eine unzulässige Beeinflussung von Abgaswerten nicht festgestellt werden könne. Mit den Durchsuchungen solle insbesondere geklärt werden, wer "an der Verwendung der maßgeblichen Technik" und gegebenenfalls "an unrichtigen Angaben gegenüber Dritten beteiligt" gewesen sei, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Für den Mutterkonzern Volkswagen erreicht der Abgasskandal somit eine neue Dimension. Seit September 2015 hat die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen VW erheblich zugesetzt. VW muss in den USA Schadenersatz und Strafen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar zahlen. Die Konzerntochter Audi war allerdings bisher weitgehend verschont geblieben, sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch in strafrechtlicher Hinsicht.

Razzien überschatten Audis operativen Gewinn

Die Durchsuchungen überschatteten die Präsentation der Jahreszahlen von Audi. Nach Sondereinflüssen in Zusammenhang mit dem Diesel-Skandals und möglicherweise fehlerhaften Airbags erwirtschaftete Audi im vergangenen Geschäftsjahr ein operatives Ergebnis von 3,1 Milliarden Euro. Die Sondereinflüsse schlugen mit 1,8 Milliarden Euro zu Buche.

Für das Gesamtjahr stellte Audi-Finanzvorstand Axel Strobek einen neuen Bestwert bei den Auslieferungen in Aussicht. Dazu soll auch die Markteinführung des neuen Flaggschiffs A8 beitragen. Der Umsatz soll leicht steigen, die Umsatzrendite über 8 Prozent bleiben.

Quelle: n-tv.de, hul/rts/DJ/dpa

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