Wirtschaft

Dax rauf, Euro runter Draghi denkt über nächste Schritte nach

Der Einlagensatz für Banken liegt bei minus 0,2 Prozent. Laut EZB-Chef Draghi ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange. Auch bei den Anleihekäufen gibt es Diskussionsbedarf. Die Aussagen verfehlen ihre Wirkung nicht.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach den Worten von EZB-Präsident Mario Draghi eine Senkung seines Satzes für Bankeinlagen diskutiert. Draghi sagte nach der jüngsten, ein solcher Schritt gehöre zu den geldpolitischen Maßnahmen, die nun geprüft würden. Die zuständigen Gremien der EZB seien beauftragt worden, die Vor- und Nachteile der verfügbaren geldpolitischen Instrumente zu prüfen. "Das gehört zu den Instrumenten, die diskutiert wurden", sagte der EZB-Präsident.

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Euro / US-Dollar 1,08

Der Einlagensatz liegt bei minus 0,20 Prozent. Das bedeutet, dass Banken für Überschusseinlagen keine Zinsen erhalten, sondern welche zahlen müssen. Im Finanzsektor stößt diese Maßnahme auf große Kritik, vor allem in Deutschland. Bisher hatte Draghi stets betont, dass die Leitzinsen ihre Untergrenze erreicht hätten. Laut Draghi will der Rat im Dezember prüfen, ob seine Geldpolitik noch ausreichend akkommodierend ist. Der Rat sei willens und in der Lage, alle verfügbaren Instrumente zum Erreichen seines Inflationsziels einzusetzen. Das derzeit laufende Wertpapierankaufprogramm biete genügend Flexibilität. Zuvor hatte der EZB-Rat wie erwartet beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen.

Dax rauf, Euro runter

Die Aktienmärkte nahmen die Äußerungen positiv auf. Der Dax, der zuvor nur leicht im Plus lag, baute seine Gewinne deutlich aus. Der deutsche Leitindex legte in der Spitze rund 1,5 Prozent zu und übersprang sogar kurzzeitig die 10.400-Punkte-Marke.

Am Devisenmarkt löste diese Äußerung eine deutliche Reaktion aus. Der Euro fiel von 1,13 auf unter 1,12 Dollar. Draghi verwies darauf, dass der Rückgang der Inflation im September vor allem auf niedrigeren Ölpreisen beruht habe. Dagegen sei die Kerninflation stabil geblieben. Während die kurzfristigen Inflationserwartungen seit der September-Sitzung gesunken seien, lägen die mittel- bis langfristigen Erwartungen in etwa auf dem September-Niveau. "Das gilt sowohl für die markt- als auch für die umfragebasierten Erwartungen", sagte Draghi.

Die aus Swapsätzen ermittelte Inflationserwartung in fünf Jahren für die darauf folgenden fünf Jahre lag zuletzt bei 1,69 Prozent. Das ist weniger als die von der EZB mittelfristig anzustrebenden knapp 2 Prozent, aber mehr als die im Januar dieses Jahres verzeichneten 1,48 Prozent. Die EZB beobachtet die Inflationserwartungen genau, weil sie über Preissetzungsmechanismen Realität werden können.

Ob neben den offenbar ölpreisabhängigen Markterwartungen auch die Inflationserwartungen von Ökonomen gestiegen sind, wird die EZB am Freitag offiziell mitteilen. Draghis Äußerungen deuten aber darauf hin, dass sie stabil geblieben sein dürften. Um 10.00 Uhr veröffentlicht die EZB die Ergebnisse einer Umfrage unter regelmäßig befragten Volkswirten (professional forecasters). Im Juli hatten diese Ökonomen ihre langfristige Inflationsprognose von 1,8 auf 1,9 Prozent angehoben.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts