Wirtschaft

Keine Notfallpläne für Griechenland EU pfeift Kommissar zurück

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Wie lange gibt es noch die Euromünze mit der Eule drauf?

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Seit Tagen wird über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone debattiert. Nun sagt erstmals ein EU-Kommissar, dass man sich in Brüssel und bei der EZB in Frankfurt auf einen etwaigen Ausstieg Athens vorbereitet. Die Kommission weist das allerdings zurück.

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Karel De Gucht

(Foto: picture alliance / dpa)

Verwirrung um ein Interview von EU-Handelskommissar Karel de Gucht. Der Belgier sagte der Zeitung "De Standaard", dass EZB und die EU-Kommission an Notfall-Szenarien für den Fall arbeiten, dass Griechenland aus der Eurozone austreten sollte. Damit sagte erstmals ein Mitglied der EU-Kommission öffentlich, dass es entsprechende Vorbereitungen gebe. Wegen der Keine Regierung für Griechenland wird derzeit an den Finanzmärkten über ein Ausscheiden des südeuropäischen Landes aus dem gemeinsamen Währungsraum spekuliert.

Ein Sprecher der EU-Kommission wies die Aussagen de Guchts aber zurück. "Die EU-Kommission bestreitet, dass sie an einem Austritts-Szenario für Griechenland arbeitet. Die EU-Kommission will, dass Griechenland im Euro-Raum bleibt", sagte er.

"Das Endspiel hat begonnen und ich weiß nicht, wie es ausgehen wird", hatte der ehemalige belgische Außenminister gesagt.  Zugleich machte De Gucht deutlich, dass der Austritt Athens nicht das Ende des Euro bedeute. "Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Domino-Effekts bestanden haben", sagte der Belgier und bezog sich dabei auf die Gefahr einer Ansteckung auf andere Schuldenstaaten wie Spanien und Italien.

Er warnte die Griechen zugleich vor den Folgen: "Im Fall eines solchen Austritts wäre das Chaos in Griechenland enorm." Der Staat werde weder Beamte noch Renten zahlen können, die Inflation werde in die Höhe schnellen. De Gucht wiederholte zudem die allgemeine Auffassung der EU-Kommission, dass Griechenland keine andere Wahl habe, als - im Gegenzug für die milliardenschweren internationalen Hilfsgelder - auf Sparkurs zu bleiben: "Griechenland muss die unterschriebenen Vereinbarungen umsetzen."

Einer der korruptesten Staaten Europas

Nach Auffassung des österreichischen Ökonomen Friedrich Schneider sind Korruption und die große Schattenwirtschaft die drängendsten Probleme Griechenlands. Nach seinen Studien wird allein der durch Bestechung angerichtete volkswirtschaftliche Schaden in dem Euro-Krisenland 2012 auf 27,3 Milliarden Euro wachsen.

Trotz eines leichten Abwärtstrends in den vergangenen Jahren stehe zudem die Schwarzarbeit in Griechenland für einen Gegenwert von hohen 24,3 Prozent des Bruttosozialprodukts, schreibt der Professor der Universität Linz. Zum Vergleich: In Deutschland wird die Wertschöpfung der Schattenwirtschaft auf 13,5 Prozent geschätzt.

Griechenland gehört nach Untersuchungen der Organisation Transparency International zu den korruptesten Staaten Europas und hat in den vergangenen zwei Jahren im Zeichen der Schuldenkrise einen dramatischen Abwärtstrend hinter sich.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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