Wirtschaft

Experte zu JDE-Peet's-Börsengang "Es ist ein sehr sicheres Geschäft"

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Kaffee wird auch in der Corona-Krise getrunken - das gilt als eine der Stärken von JDE Peet's.

(Foto: imago/Westend61)

Der geplante Börsengang des Kaffee-Giganten JDE Peet's ist der größte des Jahres in Europa. Ist er auch etwas für Kleinanleger? Kaffee wird schließlich immer getrunken. Was dafür und dagegen spricht, sagt Oliver Roth von der Oddo Seydler Bank.

Der geplante Börsengang des Kaffee-Giganten JDE Peet's ist der Größte des Jahres in Europa. Ist er auch etwas für Kleinanleger? Kaffee wird schließlich immer getrunken. Was dafür und dagegen spricht, sagt der Kapitalmarktstratege der Oddo Seydler Bank, Oliver Roth.

ntv: JDE Peet's geht morgen in Amsterdam an die Börse. Was ist von dem Börsengang zu erwarten?

Oliver Roth: Offensichtlich wird es ein erfolgreicher Börsengang. Es ist ja einer der größten dieses Jahr in Europa. Der IPO-Markt war natürlich aufgrund der Corona-Krise eingeschlafen und jetzt kommt vielleicht wieder ein bisschen Leben in die Bude. Wobei natürlich die internationalen Börsen gerade auch in Amerika relativ viele IPOs haben, während das in Deutschland auf jeden Fall ein Sorgenkind ist.

Wächst der weltweite Kaffeemarkt überhaupt noch?

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Oliver Roth hält JDE Peet's für ein grundsolides Unternehmen, aber für große Kurssprünge fehlt ihm die Fantasie.

Oliver Roth: Der Kaffeemarkt ist international gesehen natürlich schon sehr, sehr stark fragmentiert, sprich, es ist schon stark verteilt. Dennoch: Jedes Jahr trinken Milliarden von Menschen Kaffee. Und die Gewinnmargen innerhalb dieser Lieferkette sind enorm. Deshalb ist es auf der einen Seite sicherlich ein konservatives Geschäft, denn die Zuwachsraten werden jetzt nicht gigantisch sein. Aber es ist ein sehr sicheres Geschäft, sehr gewinnträchtig mit großen Margen und deshalb durchaus interessant als Geschäftsmodell und möglicherweise auch für Investoren.

Jetzt mitten in der Corona-Krise an die Börse zu gehen - ist das ratsam?

Oliver Roth: Es gibt sicherlich bessere Zeiten, um an die Börse zu gehen, als kurz nach der oder während der Corona-Krise . Solche Börsengänge werden aber in der Regel mit viel Arbeit ein bis zwei Jahre lang vorbereitet und sind auch mit vielen Kosten verbunden. Da überlegen sich viele Investoren dann schon zweimal, ob sie dann tatsächlich so einen Börsengang absagen wollen. Und hier an dieser Stelle sieht man ja, dass Börsengänge durchaus auch derzeit erfolgreich durchgeführt werden können.

Wer ist denn die Konkurrenz von JDE Peet's und wie wird sie den Börsengang zu spüren bekommen?

Die größte Konkurrenz von JDE ist natürlich Nestlé. Die sind nun mal schon seit vielen, vielen Jahren an der Börse und bekommen demzufolge jetzt mit diesem Börsengang mehr oder weniger einen kapitalkräftigen Konkurrenten auf dem Markt. Aber der Kaffeemarkt, der ist eigentlich schon aufgeteilt: einerseits Nestlé und andererseits eben JDE. Und das wird auch weiterhin so bleiben .

Ist der JDE-Börsengang etwas für Kleinanleger?

Oliver Roth: Also ich denke, der Börsengang ist sicherlich mit Vorsicht zu genießen, denn auf der einen Seite geht es ja hier darum, dass Kasse gemacht wird . Also Altaktionäre geben ihre Aktien zu einem deutlich erhöhten Preis an Neuaktionäre weiter. Und damit will unter anderem die Besitzerfamilie Reimann ja auch den Reibach machen, um unter anderem Geld in andere Unternehmen zu investieren. Also: Es geht hier nicht darum, dass man das Unternehmen an sich stärken will, sondern dass die Altaktionäre Kasse machen. Und eventuell muss man dann an dieser Stelle schon ein bisschen kritisch hinterfragen, ob es für Neuinvestoren derzeit ratsam ist, in dieses Unternehmen zu investieren. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass es ein gestandenes Unternehmen ist, mit gestandenen Umsätzen und Gewinnen. Demzufolge kann man hier nicht groß reinfallen. Aber ob die große Fantasie dahintersteckt, dass lasse ich mal an dieser Stelle offen.

Was bedeutet der Börsengang für das Reimann-Imperium?

Der Börsengang bedeutet für das Reimann-Imperium natürlich fette Kasse. Bis zu 700 Millionen Gewinn werden erwartet. Der ganze Börsengang soll ja über zwei Milliarden schwer sein. Damit kann man natürlich schon ein bisschen was anfangen. Und es wird gemunkelt, dass die Familie Reimann das Geld eben nicht in den Kaffee direkt investieren will, sondern in andere Unternehmungen der Familie umschichten möchte.

Was sollten Anleger über Das Unternehmen JDE Peet's noch wissen?

Oliver Roth: Für Anleger ist dieses Unternehmen grundsätzlich interessant, weil das Geschäftsmodell gestanden ist. Es gibt hier keine Riesenüberraschung. Man hat ein Riesen- Marktanteil, man hat feste Umsätze und Gewinne in Milliardenhöhe. Dass hier die große Fantasie ausbricht, ist an dieser Stelle nicht zu erwarten. Aber man sieht, dass der eine oder andere Großinvestor, zum Beispiel George Soros, anscheinend Interesse hat an diesem Unternehmen. Und das zeigt, dass es sich um ein konservatives Engagement handelt mit wahrscheinlich guten Dividenden, aber überschaubaren Gewinnsprüngen.

JDE Peet's konnte wegen der Corona-Krise nicht auf Werbetour gehen. Wird das morgen beim Börsengang zu spüren sein?

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Oliver Roth: Natürlich ist es gerade für kleinere und mittlere Unternehmen sicherlich ein Nachteil , wenn man innerhalb der Corona-Krise nicht groß auf Brautschau gehen und sich persönlich vorstellen darf, sondern alles über Videokonferenz machen muss . Das ist bei JDE aber, bei so einem großen Konzern , der ja aus der Nummer zwei und der Nummer drei der Kaffeebranche entstanden ist, nicht so das große Thema. Denn die Investoren, die großen Investoren, die hier natürlich auch interessiert sind, die wissen , was sie sich hier einkaufen. Die kennen das Unternehmen in-und auswendig. Da sind nicht so viele Überraschungen da. Und demzufolge ist es auch nicht unbedingt notwendig und Nachteil , dass man hier innerhalb der Corona-Krise sich nicht einmal persönlich vorstellen konnte , sondern das über Videokonferenz macht. Da sprechen die Zahlen für sich.

Das Interview führte Daniel Heyd aus der ntv-Wirtschaftsredaktion.

Quelle: ntv.de