Wirtschaft

Energiepreise weiter im Keller Eurostat verzeichnet Deflation

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Experten gehen für den Euroraum von steigenden Inflationsraten ab dem Sommer aus.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Verbraucherpreise in der Eurozone bleiben niedrig: Im März fallen sie erneut um 0,1 Prozent zum Vorjahr - und befeuern so eine neue Deflationsdebatte. Doch bei genauem Hinsehen ist vor allem ein einzelner Faktor für das sinkende Preisniveau verantwortlich.

Die Verbraucherpreise in den Ländern der Eurozone sind - verglichen mit dem Vorjahr - im März um 0,1 Prozent gefallen. Zwischenzeitliche Hoffnungen auf deutlichere Preisanstiege haben sich damit nicht erfüllt. Vor allem die weiterhin niedrigen Energiepreise waren für die negative Preisentwicklung verantwortlich, wie aus Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Volkswirte rechnen damit, dass die Teuerung auch in den nächsten Monaten nahe der Null-Linie bleiben wird.

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Im Februar hatte die Rate bei minus 0,2 Prozent gelegen. "Die Gesamtinflationsrate bleibt erstmal unter null und steigt erst in der zweiten Jahreshälfte darüber", sagte Alexander Krüger, der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Nordea-Ökonom Holger Sandte geht davon aus, dass der Basiseffekt des Ölpreisrückgangs ab Juli schwindet, was für steigende Inflationsraten sorgen dürfte. "Sollten die Risiken für das Wirtschaftswachstum eintreten und die Produktionslücke größer werden, könnte die Kernteuerung weiter fallen und eine neue Deflationsdebatte auslösen", meinte Sandte.

Im März war die Kernteuerung - ohne Preise von Nahrungsmitteln, Energie, Alkohol und Tabak - auf 1,0 Prozent gestiegen, nachdem sie im Februar bei 0,8 Prozent gelegen hatte. Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen erwartet, dass die Kernteuerung vorerst bei einem Prozent bleiben wird. Selbst das, so meint er, werde den geldpolitischen Tauben im EZB-Rat Argumente für Forderungen nach weiteren Lockerungsmaßnahmen liefern.

Dienstleistungen deutlich teurer

Teuerungsdruck kam im März vor allem von unverarbeiteten Lebensmitteln und Dienstleistungen. Die Preise unverarbeiteter Lebensmittel stiegen mit einer Jahresrate von 1,1 (Vormonat: 0,6) Prozent. Verarbeitete Lebensmittel (einschließlich Alkohol und Tabak) kosteten dagegen nur 0,4 (0,6) Prozent mehr als im März 2015 und Energie sogar 8,7 (8,1) Prozent weniger. Die Dienstleistungspreise erhöhten sich dagegen mit einer Jahresrate von 1,3 (0,9) Prozent, die höchste Rate seit Oktober 2015. Industriegüter kosteten 0,5 (0,7) Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Nach Veröffentlichung überraschend fester Inflationsdaten aus Deutschland und Frankreich hatten Volkswirte einen deutlicheren Inflationsanstieg auch für die Eurozone für möglich gehalten. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch nicht. Die Europäische Zentralbank (EZB), die auf die mittelfristige Gewährleistung von knapp zwei Prozent Inflation verpflichtet ist, hat ihre Politik im März bereits weiter gelockert und ihre Inflationsprognose für 2016 auf 0,1 Prozent gesenkt.

Quelle: ntv.de, jug/AFP/DJ

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