Wirtschaft

Griechenlands Wirtschaft gelähmt Experte hält Grexit-Debatte für schädlich

imago_st_0105_17130004_59131788.jpg1818304242839860056.jpg

"Politische Ansteckungsgefahr ist größer."

(Foto: imago stock&people)

Ein Euro-Austritt Griechenlands ist wenig wahrscheinlich, aber die Debatte zeigt Wirkung. Der leichte Wirtschaftsaufschwung werde abgewürgt, warnt Finanzexperte Boysen-Hogrefe.

Allein die Debatte über einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands belastet nach Expertenansicht schon jetzt die Wirtschaft des Landes. "Zurzeit werden Investoren kaum nach Griechenland gehen, obwohl sich dort vieles deutlich gebessert hat und die Löhne gesunken sind", sagte der Ökonom Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Sie fragen sich vielmehr, ob die Griechen in zwei Jahren noch in Euro zahlen und welche ökonomische Situation sie dann dort vorfinden werden." Das wirke schon jetzt lähmend, sagte Boysen-Hogrefe. "Dies würgt den Aufschwung ab, der in Griechenland gerade etwas Fuß fasst."

Zu Wochenbeginn hatte die Nachricht, die deutsche Bundesregierung halte bei einem Sieg des Linksbündnisses Syriza von Alexis Tsipras bei der Parlamentswahl am 25. Januar einen Euro-Austritt Griechenlands für verkraftbar, die Anleger massiv verunsichert. Der Dax war um fast 3 Prozent abgesackt und hatte damit den größten Tagesverlust seit Anfang März 2014 erlebt. Am Dienstag schoben die Anleger dagegen die Sorge vor einem etwaigen griechischen Ausstieg aus der Währungsunion beiseite.

Auf Europa und den Euro als Gemeinschaftswährung hätte ein Euro-Austritt Athens Boysen-Hogrefe zufolge zunächst rein wirtschaftlich nur geringen Einfluss. "Die direkten ökonomischen Ansteckungsgefahren sind deutlich geringer als 2010 oder 2012." Politisch könnte die Ansteckungsgefahr größer sein, warnte der Experte aber. "Wenn über einen eventuellen Euro-Austritt Griechenlands die politische Einigkeit der übrigen Euro-Länder zerbrechen oder in größeren Ländern extrem euroskeptische Kräfte die Oberhand gewinnen sollten, könnte es sehr problematisch werden."

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, forderte eine internationale Schuldenkonferenz zu Griechenland. Das Land müsse wieder wettbewerbsfähig werden. "Das erfordert eine Abwertung seiner Währung, also einen zeitweisen Euro-Austritt, was wiederum einen Schuldenschnitt bedingt", sagte Sinn in München. Dies müsse alles zusammen international beschlossen und koordiniert werden. Nach den Worten Sinns kann Griechenland seine Schulden ohnehin niemals zurückzahlen.

Quelle: ntv.de, wne/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.