Wirtschaft

Social-Networks außer Rand und Band "Farmville" neun Mrd. Dollar wert

Farmville.JPG

Die Leidenschaft für "Farmville" hat schon so manche Facebook-Freundschaft beendet.

Investoren reißen sich um Anteile an Sozialen Online-Netzwerken. Denn Millionen Nutzer versprechen hohe Werbeeinnahmen. Die Werte der meist jungen Internetfirmen schießen in den Himmel. Neuester Fall: Zynga, Anbieter des Facebook-Spiel "Farmville".

Virtuelle Kürbisse und Kartoffeln können ein Vermögen wert sein. Der erst drei Jahre alte Spiele-Anbieter Zynga - bekannt für sein Facebook-Spiel "Farmville" - wird nach Informationen des "Wall Street Journal" mittlerweile auf 7 bis 9 Mrd. Dollar taxiert. Die Summe kursiert demnach bei Verhandlungen des Senkrechtstarters mit Investoren, die frisches Geld für weiteres Wachstum zuschießen sollen. Das Unternehmen selbst kommentierte den Bericht nicht.

Die Zynga-Spiele sind kostenlos, zahlen müssen Nutzer nur für virtuelle Extras, bei "Farmville" etwa bessere Landmaschinen oder besonderes Saatgut. Damit habe das Unternehmen im vergangenen Jahr 400 Mio. Dollar verdient - bei einem Umsatz von 850 Mio., schrieb die Zeitung. Zynga wolle nun in einer neuen Finanzierungsrunde um die 250 Mio. Dollar einsammeln - die Frage ist dabei, welchen Anteil die Investoren im Gegenzug bekommen. Das lässt Rückschlüsse auf den Gesamtwert des Unternehmens zu.

"Internet-Blase 2.0"

In der Internet-Branche wachsen die Unternehmens-Bewertungen derzeit in den Himmel. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook wurde jüngst mit 50 Mrd. Dollar bewertet und soll bereits die Marke von 60 Mrd. anstreben. Die Schnäppchen-Website Groupon wird auf 15 Mrd. Dollar taxiert, der Kurzmeldungsdienst Twitter auf 8 bis 10 Mrd. Dollar.

Nach US-Medienberichten will die US-Großbank JPMorgan Chase einen neuen Fonds auflegen, über den wohlhabende Kunden in derartige Internetfirmen investieren können. Von einem Volumen zwischen 500 und 750 Mio. Dollar ist die Rede. Die Investmentbank Goldman Sachs hat gerade erst einen Fonds über 1 Milliarde Dollar aufgelegt und war von begeisterten Anlegern überrannt worden - das Geld ging komplett an Facebook.

Skeptiker warnen bereits vor einer "Internet-Blase 2.0". Die erste Internet-Blase war zum Jahr 2001 geplatzt, weil sich die überhöhten Geschäftserwartungen bei vielen Unternehmen nicht erfüllten. Einige Aktionäre mussten damals Totalverluste hinnehmen; viele Kleinanleger auch in Deutschland zogen sich nach den bitteren Erfahrungen ganz von der Börse zurück.

In den vergangenen zehn Jahren ist das Internet aber deutlich gewachsen und damit auch für die Werbeindustrie viel interessanter geworden. Das ist die Basis für einen möglichen wirtschaftlichen Erfolg der Sozialen Netzwerke. Ihre Millionen Nutzer, die oft Stunden bei Facebook und Co. verbringen, sind eine ideale Zielgruppe für Anzeigen aller Art.

"Farmville" habe aktuell rund 51 Mio. Nutzer im Monat, das ähnlich angelegte "Cityville" rund 96 Millionen, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf den Statistik-Dienst AppData. Insgesamt komme Zynga auf 275 Mio. Spieler im Monat.

Bisher soll Zynga etwa 360 Mio. Dollar an Investorengeldern eingesammelt haben, plus eine Beteiligung von Google mit unbekanntem Wert. Immer wieder wird auch über einen möglichen Börsengang spekuliert. Mit dem frischen Geld könnte Zynga auf Einkaufstour gehen. Die Firma hat heute rund 1500 Mitarbeiter.

Quelle: n-tv.de, dpa

Mehr zum Thema