Wirtschaft

"US-Wirtschaft verkraftet das" Fed-Chefin hält Zinsschritt für möglich

An den weltweiten Aktienmärkten zermartern sich die Anleger die Köpfe darüber, wann die US-Notenbank die Zinswende einläutet. In Jackson Hole wird diskutiert. Die Meinungen gehen auseinander.

Die US-Wirtschaft kann trotz der jüngsten Marktverwerfungen einen baldigen Zinsschritt verkraften. Dieser Meinung ist Loretta Mester, Präsidentin der Federal Reserve Bank von Cleveland. Die US-Wirtschaft, größte Ökonomie der Welt, wachse solide, sagte sie dem "Wall Street Journal". "Ich möchte die Zeit von jetzt bis September dazu nutzen, alle verfügbaren wirtschaftlichen Daten zu bewerten, darunter auch Informationen zur jüngsten Volatilität an den Märkten und die Gründe dafür", führte sie aus. "Bislang haben diese Informationen aber nicht dazu geführt, dass ich meine grundlegende Einschätzung ändern müsste, dass die US-Wirtschaft solide ist und einen Zinsschritt verkraften könnte."

Mester sprach am Rande eines Kongresses der Kansas-Fed in Jackson Hole, Wyoming, wo sich am Wochenende führende Notenbanker der Welt zu ihrem jährlichen Gedankenaustausch treffen. Schon im Juni hatte Mester die Ansicht vertreten, die US-Wirtschaft könne einen Zinsschritt durchaus verkraften. Ihre Aussagen deuten darauf hin, dass sie bei der Sitzung Mitte September für eine Zinserhöhung stimmen dürfte.

Die US-Notenbank bereitet sich derzeit auf die nächste Sitzung am 16. und 17. September vor. Allgemein wird damit gerechnet, dass die Fed noch in diesem Jahr erstmals seit dem Ende der Finanzkrise die Kurzfristzinsen erhöhen und damit die Zinswende einläuten wird. Zuletzt hatte sich wegen der konjunkturellen Abschwächung in China und den Auswirkungen daraus auf die Weltkonjunktur und die internationalen Finanzmärkte die Einschätzung durchgesetzt, die Fed könnte mit der Zinswende eventuell noch bis zur Sitzung im Dezember warten.

"Fed sollte nicht überreagieren"

Charles Plosser, der frühere Präsident der Federal Reserve Bank von Philadelphia, rät seinen ehemaligen Kollegen dazu, sich nicht zu stark von Marktschwankungen beeinflussen zu lassen. "Ich glaube, die Fed muss vorsichtig sein und sollte nicht überreagieren auf kurzfristige Ereignisse", sagte Plosser, der in diesem Jahr in Ruhestand gegangen ist und der ultraleichten Geldpolitik der Fed sehr skeptisch gegenübersteht. Der Offenmarktausschuss der Fed sollte "den Fokus auf die langfristigen Entwicklungen gerichtet halten", sagte Plosser vor dem Treffen in Jackson Hole.

Fed-Chefin Janet Yellen wird Mitte September auf unterschiedliche Meinungen in ihrem Beratungsgremium stoßen. Von daher ist es schwer vorauszusagen, ob die Fed tatsächlich schon in wenigen Wochen oder doch erst im Dezember die Zinsen erhöhen wird. Diese Woche sagte der New Yorker Fed-Präsident William Dudley, der als einer der engsten Berater von Yellen gilt, dass eine Zinserhöhung im September weniger zwingend geworden sei. Allerdings haben sich seither die Aktienmärkte wieder erholt und das Wachstum der US-Wirtschaft wurde nach jüngsten Zahlen deutlich nach oben revidiert - beides Faktoren, die die "Falken" und die Argumentation für einen frühen Zinsschritt stützen könnten.

"Ziemlich solides Momentum"

Fed-Präsidentin Mester sagte dem "Wall Street Journal", dass es durch die Marktschwankungen der Woche und die größeren Zweifel an der aktuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Chinas mehr Abwärtsrisiken für ihr ökonomisches Szenario gebe. Auch werde der niedrige Ölpreis dafür sorgen, dass das Fed-Inflationsziel von 2 Prozent wohl erst später erreicht werde.

Dennoch hielt sie an ihrer grundsätzlichen Einschätzung zur US-Wirtschaft fest: Auch die jüngsten wirtschaftlichen Daten, darunter Zahlen zur Produktion, zum Auftragseingang, zu den Ausgaben privater Haushalte und dem Konsumentenvertrauen, deuteten darauf hin, dass die Wirtschaft ein "ziemlich solides Momentum" aufweise. "Ja, es gibt sicherlich mehr Abwärtsrisiken für mein wirtschaftliches Szenario, aber meine grundsätzliche Bewertung hat sich nicht weit genug geändert, um meine Einschätzung zur Geldpolitik zu verändern."

Quelle: ntv.de, Jon Hilsenrath und Klaus Brune, DJ

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