Wirtschaft

Lager füllen sich immer mehr Förderer bleiben auf Diamantenbergen sitzen

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Tüten mit Rohdiamanten von De Beers.

(Foto: REUTERS)

Der Lockdown ist in den meisten Ländern vorbei und die Wirtschaft nimmt langsam wieder Fahrt auf. Die Krise der Diamantenförderer verschärft sich allerdings weiter. Die Lager waren bereits vor der Krise voll. Das ist kein Luxusproblem, sondern könnte einige arme Länder hart treffen.

Die führenden Diamantenförderer sitzen auf einem immer weiter wachsenden Lagerbestand von Diamanten. Allein die Marktführer De Beers und der russische Konkurrent Alrosa lagern in ihren Tresoren derzeit Steine im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro. Angesichts ebenfalls hoher Lagerbestände bei Diamantenschleifern, Schmuckproduzenten und -händlern könnte der Berg an unverkauften Rohdiamanten bis Jahresende sogar auf einen Wert von 4,5 Milliarden Dollar anwachsen, berichtet Bloomberg unter Berufung auf die Branchenberatungsfirma Gemdax.

Obwohl Einzelhandelsgeschäfte und somit auch Juweliere in vielen Ländern wieder öffnen, können die Diamantenförderer ihre Milliardenbestände kaum abbauen, ohne einen Preiscrash zu riskieren und damit die Erholung der gesamten Branche zu gefährden. Bereits im vergangenen Jahr waren die Einnahmen der Branche eingebrochen. De Beers, der weltweitgrößte Förderer von Rohdiamanten, verbuchte einen Rückgang um fast 1,4 Milliarden Dollar und damit rund ein Viertel des Umsatzes. Dieses Jahr kam der Verkauf dann nahezu komplett zum Erliegen. Eines seiner Verkaufsevents für Rohdiamanten, die gewöhnlich zehnmal im Jahr stattfinden, musste De Beers im März ganz absagen. Das nächste im Mai brachte laut Bloomberg-Informationen nicht einmal ein Zehntel des gewohnten Umsatzes von mehreren Hundert Millionen Dollar.

Besserung ist nicht in Sicht. Zwar ist der Lockdown in den meisten Ländern wieder aufgehoben, und die Glieder der Wertschöpfungskette von den Einzelhändlern bis zu den Schleifzentren, die teils schließen mussten, können ihre Arbeit wieder aufnehmen. Doch Gemdax zufolge haben sich bei der gesamten Branche Lagerbestände aufgebaut, die noch für mehrere Monate reichen würden, selbst wenn die Nachfrage der Verbraucher wieder spürbar anzieht, was angesichts der Krise fraglich ist. Käufer für Rohdiamanten sind in jedem Fall kaum in Sicht.

Bislang räumen die großen Anbieter De Beers und Alrosa keine Preisnachlässe ein. Nur kleinere, unabhängige Förderer versuchen bislang, ihre Steine mit hohen Rabatten auf den Markt zu bringen. Alle Produzenten dürften ihre Förderung noch weit stärker drosseln als bislang angekündigt. Einige Minen, die im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen ihre Arbeit eingestellt hatten, werden wohl nicht wieder öffnen. Die Edelsteinkrise ist kein Luxusproblem großer Konzerne. Wie bei anderen Rohstoffen auch reißt der Absatzeinbruch bei den Diamanten große Löcher in die Etats der Förderländer vor allem im südlichen Afrika.

Quelle: ntv.de, mbo