Wirtschaft

Doch noch Diesel-Fahrverbote? Gipfelbeschlüsse wirken sich kaum aus

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Unweltorganisationen wie Greenpeace fordern seit Längerem Fahrverbote für Diesel in den Innenstädten.

(Foto: picture alliance / Lino Marcel M)

Auf dem Dieselgipfel verständigen sich Politik und Autobranche auf Software-Updates und Prämien für Neuwagen - doch Berechnungen des Umweltbundesamts legen nahe: Diese Maßnahmen werden nicht ausreichen. In vielen Städten drohen nach wie vor Fahrverbote.

Die Luft in fast 70 deutschen Städten bleibt nach Einschätzung des Umweltministeriums wohl auch nach Umsetzung der beim Dieselgipfel beschlossenen Schritte schmutziger als erlaubt. Software-Updates für eine bessere Abgasreinigung und Umtauschprämien für ältere Diesel senken nach Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickoxid um bis zu sechs Prozent.

Das reiche aber nur in etwa 20 betroffenen Städten, um die Stickoxid-Werte unter die Marke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel zu drücken, teilte das Ministerium mit. Damit drohen weiterhin Diesel-Fahrverbote. Bei seinen Berechnungen ging das UBA davon aus, dass zwischen 3,5 und 5 Millionen Besitzer neuerer Diesel der Abgasnormen Euro 5 und 6 das freiwillige Update an der Motorsoftware vornehmen lassen.

Die Experten rechneten mit einer Minderung des Stickoxid-Ausstoßes zwischen 15 und 25 Prozent durch die Updates. Die Wirkung der Umtauschprämien für Besitzer älterer Diesel, die sich neue Modelle zulegen, schätzen die Experten auf null bis zwei Prozent. "Deutlich höher wäre die Wirkung, wenn die Prämie nur für den Kauf sehr sauberer Fahrzeuge eingesetzt würde", hieß es in der Mitteilung. Prämien gibt es derzeit auch für neue Euro-6-Diesel, die im Alltagsgebrauch deutlich schmutziger sind als im Labor.

Hardware-Nachrüstung gefordert

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte zuvor kritisiert, dass sich die Prämien wahrscheinlich nicht sehr stark auf die Stickoxid-Belastung in den Städten auswirken würden. "Das wirkt überhaupt nur richtig, wenn emissionsarme Fahrzeuge angeschafft werden, am besten natürlich emissionsfreie Fahrzeuge", sagte Hendricks in der ARD. Sie forderte von der Automobilindustrie einmal mehr eine Nachbesserung der Motoren-Hardware.

Die deutschen Autobauer hatten beim Dieselgipfel Anfang August zugesagt, insgesamt fünf Millionen Dieselwagen der Euronormen 5 und 6 mit einem Software-Update nachzurüsten, um den Schadstoffausstoß dieser Fahrzeuge zu senken. Zudem führten die Autobauer Umstiegsprämien für Besitzer älterer Dieselautos ein.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP/dpa

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