Wirtschaft

Angetrieben vom Online-Handel HDE rechnet mit Rekord-Weihnachtsgeschäft

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Einer HDE-Umfrage unter 450 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Standorte zeigt, dass 45 Prozent der Händler Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr erwarten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hohe Sparguthaben und eine gute Verbraucherstimmung deuten laut dem Handelsverband Deutschland auf einen versöhnlichen Jahresausklang hin. Für das anstehende Weihnachtsgeschäft ist demnach ein Umsatzplus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr möglich - trotz diverser Lieferengpässe.

Corona-Krise, Lieferprobleme, hohe Inflation - trotz dieser Risiken rechnen die deutschen Einzelhändler mit einem Rekordumsatz im laufenden Weihnachtsgeschäft. Die Einnahmen dürften im November und Dezember um zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf knapp 112 Milliarden Euro steigen, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) voraussagte. "Die hohen Sparguthaben und die gute Verbraucherstimmung stellen die Weichen für einen versöhnlichen Jahresausklang nach einem für viele Händler mit den Lockdowns existenzbedrohendem ersten Halbjahr", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin.

Angetrieben wird das Weihnachtsgeschäft vom Online-Handel, der um 17,3 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro zulegen soll. Der Verband sieht aber auch Gefahren für einen erfolgreichen Jahresendspurt. "Alles hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen ab", sagte Genth. Der Handel werde seine erprobten Hygienekonzepte anwenden, die Maskenpflicht beibehalten und versuchen, mehr Menschen von einer Corona-Impfung zu überzeugen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Positiv-Tests ist aktuell erstmals über die Schwelle von 200 gestiegen. Genth warnt trotz dieser Rekordzahl vor einem Lockdown mit erneuten Zwangsschließungen von Geschäften. "Das kann sich keiner mehr erlauben", sagte er. "Die Auswirkungen wären gravierend." Sicheres Einkaufen in der Pandemie sei möglich. Die Läden seien keine Corona-Hotspots.

Die meisten deutschen Einzelhändler erwarten wegen Lieferengpässen bei Mikrochips und anderen Produkten negative Folgen für ihr Weihnachtsgeschäft. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen berichten von Lieferengpässen, die auf die Umsätze durchschlagen könnten, so der HDE. Demnach geht jeder fünfte Händler davon aus, dass sich die Materialengpässe "in erheblichem Maße" auf ihren Umsatz auswirken dürften. Etwa 57 Prozent erwarten, dass es "in geringem Maße" zu Einbußen kommen werde. Rund 24 Prozent sehen keine negativen Folgen. Besonders die Händler von Unterhaltungselektronik und elektrischen Haushaltsgeräten befürchten, dass der Mangel auf ihr Weihnachtsgeschäft durchschlagen könnte.

Auch bei Sportartikeln, Möbeln und Spielwaren erwarten überdurchschnittlich viele Geschäfte deutliche Bremsspuren. "Das wird nicht dazu führen, dass wir leere Regale bekommen", sagte Genth und warnte damit vor Panikmache. Einzelne Produkte wie bestimmte Spielekonsolen könnten zwar betroffen sein. "Ja, da gibt es Engpässe", räumte Genth ein. "Einzelne Lücken sind da." Das habe es aber bei besonders gefragten oder neuen Produkten schon früher hier und da gegeben. "Das hatten wir auch in den Vorjahren immer wieder", sagte Genth.

Deutsche wollen 273 Euro für Geschenke ausgeben

Mangel gibt es derzeit etwa bei Halbleitern, die in vielen Produkten zum Einsatz kommen und weltweit derzeit Mangelware sind. Der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo etwa musste gerade erst wegen des Engpasses an Chips und Elektronikbauteilen sein Produktionsziel für die Switch-Spielekonsole herunterschrauben.

Auch die hohe Inflation könnte die Lust der deutschen Verbraucher auf den Weihnachtseinkauf dämpfen. Aktuell liegt die Inflationsrate mit 4,5 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht mehr, weil vor allem für Energie mehr bezahlt werden muss. "Die letzten beiden Monate sind nach den Corona-Lockdowns im ersten Halbjahr für viele Händler wichtiger als je zuvor", sagte Genth. "Traditionell machen klassische Geschenke-Branchen wie der Spielwarenhandel mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes im November und Dezember."

Einer HDE-Umfrage unter 450 Unternehmen aller Branchen, Größenklassen und Standorte zeige, dass 45 Prozent der Händler Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr erwarten. Ein Drittel kalkuliert mit stabilen Umsätzen. Die Kunden wollen demnach mit durchschnittlich 273 Euro pro Kopf ihre Ausgaben für Weihnachtsgeschenke im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern. Geschenkgutscheine bleiben das beliebteste Geschenk. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet der HDE mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent auf rund 586 Milliarden Euro. Dabei soll das Online-Geschäft um fast ein Fünftel auf gut 87 Milliarden Euro wachsen.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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