Wirtschaft

Jährlich 385.000 Wohnungen bis 2020 IW: Neubau reicht nicht aus

ARCHIV - Baukräne drehen sich am 20.01.2017 über Baustellen für Wohngebäude in der Hafencity in Hamburg. Das Institut der deutschen Wirtschaft stellt am 07.02.2017 eine Studie zum Wohnraumbedarf in Großstädten vor. Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Baukräne in Hamburg: "Wir bauen am Bedarf vorbei", so der IW.

(Foto: dpa)

Noch immer wird in Deutschland zu wenig gebaut. Dies betrifft vor allem die Metropolen und treibt dort die Preise. Eine neue Studie stellt eine klare Forderung an die Politik.

Ein starker Zuzug und ein Mangel passender Wohnungen verschärfen einer Studie zufolge die Wohnungsnot in deutschen Großstädten. Es würde weiter nicht nur zu wenig gebaut, sondern auch am Bedarf vorbei, heißt es in einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und dem Immobilienspezialisten Deutsche Invest Immobilien.

"Mehr als 88.000 neue Wohnungen jährlich müssten bis 2020 allein in den sieben Großstädten entstehen", heißt es in der Analyse. Weitere 85.600 Wohnungen würden bis dahin in begehrten Städten mit über 100.000 Einwohnern gebraucht. Bundesweit müssten jährlich 385.000 Wohnungen bis 2020 errichtet werden.

Doch bisher deckt der Neubau den Angaben zufolge bei weitem nicht die Nachfrage. Zwischen 2011 und 2015 seien nur 32 Prozent der benötigten Wohnungen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt und München gebaut worden. Bundesweit liegt der Wert deutlich höher bei 53 Prozent.

Ein besonders großer Mangel herrscht demnach in Berlin und Stuttgart, wo in dem Zeitraum nur 25 beziehungsweise 27 Prozent der benötigten Wohnungen errichtet wurden. In Frankfurt wurde der Bedarf zu 45 Prozent gedeckt. Die Engpässe sorgten für stark steigende Immobilienpreise und Mieten, heißt es.

Gerade an Zwei- bis drei Zimmerwohnungen fehlt es

Grund sei aber nicht nur der starke Zuzug in die Metropolen, der 2015 wegen der Zuwanderung von Flüchtlingen besonders kräftig war. Da es gerade jüngere Menschen in Großstädte ziehe, fehlten besonders Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern, heißt es in der Studie.

Auch wegen der Überalterung der Gesellschaft würden mehr kleinere Wohnungen für ältere Menschen gebraucht. Bei Einheiten mit fünf und mehr Zimmern - in der Regel Ein- und Zweifamilienhäuser - sei der Mangel hingegen am geringsten. "Errichtet werden vor allem große Wohnungen", sagte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am IW. "Wir bauen am Bedarf vorbei."

Um gegenzusteuern, dürften in der Nähe von Metropolen nicht zu viele Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut werden. "Vielmehr müssten mehr Geschosswohnungen entstehen", sagte Frank Wojtalewicz, Geschäftsführer der Deutsche Invest Immobilien. Zudem sollten baurechtliche Vorgaben gelockert werden, um Wohnungen leichter aufzuteilen oder Dachgeschosse aufzustocken. In stark wachsenden Städten müssten zudem komplette Viertel neu geschaffen werden.

Etwas Erleichterung für den Immobilienmarkt könnten die zuletzt stark gestiegene Zahl der Baugenehmigungen bringen. So wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts von Januar bis November 2016 rund 340.000 neue Wohnungen bewilligt - der höchste Stand in diesem Zeitraum seit 1999. Experten erwarten, dass 2017 die Schwelle von 300.000 fertig gestellten Wohnungen überschritten wird.

Quelle: ntv.de, cas/dpa

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