Wirtschaft
Das Kapitol in Washington.
Das Kapitol in Washington.(Foto: AP)
Montag, 04. Dezember 2017

Deutschland unter Zugzwang?: Ifo-Chef: US-Steuerreform erhöht den Druck

Der größte Eingriff in das US-Steuersystem seit Jahrzehnten bleibt nicht ohne Folgen: Ifo-Chef Fuest rechnet mit massiven Auswirkungen für Europa. Die USA dürften Waren, Investitionen und Jobs absaugen. Ein ruinöser Wettlauf um niedrigere Steuersätze droht.

Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump Druck auf die Politik in Europa und insbesondere Deutschland erzeugen dürfte. "Die Reform wird Investitionen und Konsum in den USA erhöhen und den internationalen Steuerwettbewerb anheizen", sagte er der "Rheinischen Post".

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Das US-Leistungsbilanzdefizit werde sich dadurch ausweiten, fügte Fuest hinzu. Der Anstieg der US-Staatsschulden werde den Zinsanstieg beschleunigen und zu wachsenden Inflationserwartungen für den US-Dollar führen. Die Reform sieht massive Steuersenkungen für Unternehmen und bescheidenere Entlastungen für Privatpersonen in allen Einkommensklassen vor. Die Körperschaftsteuer etwa soll von derzeit 35 Prozent auf 20 Prozent sinken - und damit unter den Schnitt der Industriestaaten von 22,5 Prozent.

"Für Europa bedeutet diese Reform, dass die Exporte in die USA weiter ansteigen", sagte Fuest. Das werde auch die europäische Konjunktur beflügeln. "Gleichzeitig steigt der Druck, die Unternehmensbesteuerung zu senken, um eine Verlagerung von Investitionen und Jobs in die USA zu verhindern. Der Druck auf die EZB wird steigen, aus der expansiven Geldpolitik auszusteigen."

US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende einen wichtigen Etappensieg bei seinem bislang wichtigsten politischen Großvorhaben erzielt. Am Samstag billigte der US-Senat mit knapper Mehrheit eine Gesetzesvorlage zu der von Trump angekündigten Steuerreform, die Firmen deutliche Entlastungen bringen soll.

In trockenen Tüchern ist das Projekt - der umfangreichste steuerpolitische Eingriff seit der Reagan-Ära - damit noch nicht: In den kommenden Tagen dürften die Gespräche zwischen Senat und Repräsentantenhaus beginnen, das bereits einen eigenen Entwurf verabschiedet hat. Beide müssen ihre Vorlagen zur Deckung bringen, damit die Reform durch Trumps Unterschrift Gesetzeskraft erlangen kann.

Quelle: n-tv.de