Wirtschaft

Erdogan hat ein Problem Inflation in der Türkei nimmt kräftig zu

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Will in der Türkei ein Präsidialsystem einführen: Recep Tayyip Erdogan.

(Foto: REUTERS)

In der Türkei steigen die Preise deutlich. Doch die Notenbank wird die Zinsen trotzdem wohl nicht erhöhen. Denn ein solcher Schritt könnte den mächtigen Präsidenten Erdogan verärgern.

Die türkischen Verbraucher bezahlen die Abwertung ihrer Landeswährung Lira mit deutlichen Kaufkraftverlusten: Die Inflationsrate in der Türkei kletterte im März mit 11,29 Prozent auf den höchsten Stand seit Oktober 2008, wie aus amtlichen Daten hervorgeht.

Bei Lebensmitteln, Alkohol und Verkehrskosten lag der Anstieg jeweils im zweistelligen Prozentbereich. Ursache für den drastischen Preisanstieg ist die chronische Schwäche der Lira, sie hat binnen eines Jahres um rund 30 Prozent zum Dollar abgewertet. Das verteuert die Importe des Landes - und treibt so die Inflation nach oben.

Die wichtigsten Gründe für die Lira-Schwäche: Anleger ziehen aus Sorge um den politischen Kurs Geld aus der Türkei ab. Die Verunsicherung nach dem gescheiterten Militärputsch und das harte Vorgehen von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen seine Gegner sorgen dafür, dass Investitionen in der Türkei weniger attraktiv erscheinen. Zudem drückt die Aussicht auf steigende US-Zinsen auf die türkische Währung, denn das macht das Anlegen im Dollarraum attraktiver.

Zudem sorgt der Kurs der türkischen Zentralbank - die eigentlich ihre Leitzinsen wegen der hohen Inflation deutlich anheben müsste - nicht gerade für Vertrauen bei den Anlegern. Sie steht unter dem Verdacht politischer Einflussnahme, seit sich Erdogan als "Feind" von Zinsen bezeichnet und die Kreditkosten in der Türkei als zu hoch bezeichnet hat. Der Leitzins - das ist der Zins, für den sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können - liegt in der Türkei derzeit bei 8 Prozent.

Höhere Zinsen wirken tendenziell preisdämpfend, weil sie Kredite verteuern. Zudem lohnt sich Sparen mehr. Das heißt: Unternehmen investieren weniger, Verbraucher konsumieren weniger. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Produkten - und das macht Preiserhöhungen schwieriger.

"Gegenmaßnahmen" angekündigt

Erdogan will dagegen die Zinsen niedrig halten, um mit günstigen Krediten die Konjunktur anzukurbeln. Deshalb hat er eine andere Erklärung für den Lira-Verfall: Die türkische Wirtschaft werde von außen angegriffen. Passenderweise bezeichnete Erdogans Berater Bülent Gedikli die hohe Inflation als vorübergehend. Ab dem zweiten Quartal würden Gegenmaßnahmen der Regierung Wirkung zeigen. Welche das konkret sein sollen, ließ er offen.

Für Erdogan kommen die kräftig steigenden Preise ungelegen, schüren sie doch Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Der Präsident will bei einem Referendum am 16. April eine Verfassungsänderung durchsetzen, die ihm noch mehr Macht geben würde.

Es gilt vor diesem Hintergrund als unwahrscheinlich, dass die Zentralbank die Zinsen kurzfristig anheben wird. "Die politische Atmosphäre ist angespannt", hatten Commerzbank-Analysten Mitte März geschrieben. Aufsehenerregende Zinserhöhungen würde die Erdogan-Partei AKP mit ziemlicher Sicherheit als einen Sabotageakt bewerten.

Quelle: ntv.de, jga/rts

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