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MS Deutschland auf dem Trockenen Insolvenzverwalter übernimmt die Brücke

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(Foto: picture alliance / dpa)

Traumschiff im Fernsehen - Alptraum-Schiff für Investoren: Nun verliert der Eigentümer das Kommando und muss einem Insolvenzverwalter Platz machen. Der zeigt sich optimistisch. Zunächst gibt es aber einen Werfttermin.

Das Insolvenzverfahren bei dem als "Traumschiff" aus der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie bekannten Kreuzfahrtschiff MS Deutschland wird anders als zunächst geplant von einem externen Insolvenzverwalter abgewickelt. Es wird damit nicht in Eigenverwaltung erfolgen, wie es die MS "Deutschland" Beteiligungsgesellschaft mbH mit dem in der vergangenen Woche eingereichten Antrag beim Amtsgericht Eutin angestrebt hatte. Stattdessen ist der Kieler Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden.

Die Besatzung des Schiffs war am Wochenende auf einer Betriebsversammlung an Bord über die aktuelle Situation informiert worden. Ihre Löhne und Gehälter sind bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld gesichert.

Eigentlich wollte Mehrheitsgesellschafter Callista Private Equity mit der Ernennung von Wolfram Günther als Sanierungsgeschäftsführer das Insolvenzverfahren durchlaufen. Mit dem externen Insolvenzverwalter solle nun aber der "Komplexität des Verfahrens Rechnung getragen werden", sagte Schmid-Sperber. Zugleich soll es für die Gläubiger transparenter werden.

Für Anleger der MS-Deutschland-Anleihe hat sich das Investment zum finanziellen Alptraum entwickelt: Die 60-Millionen-Euro-Emission notiert aktuell bei knapp unter 22 Prozent. Sie war Mitte Dezember 2012 mit fünf Jahren Laufzeit und einem Kupon von 6,875 Prozent ausgegeben worden - zu 100 Prozent. Der angesichts der finanziellen Schwierigkeiten bereits seit längerem gedrückte Kurs war nach der Ankündigung des Insolvenzverfahrens am 29. Oktober von gut 28 in Richtung 22 Prozent gefallen.

Schiff sticht in See - bis auf Weiteres

Callista Private Equity steht seit Januar diesen Jahres auf der Kommandobrücke. Die Münchener hatten die Mehrheitsbeteiligung an der MS Deutschland Holding und damit an der MS 'Deutschland' Beteiligungsgesellschaft mbH, zu der sowohl die Reederei Peter Deilmann als auch das Kreuzfahrtschiff gehören, von der Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius übernommen. Der Käufer bezeichnet sich selbst als Spezialist für die "nachhaltige Sanierung defizitärer Unternehmen". Nach eigenen Angaben umfasst das Portfolio neben dem Schiff derzeit nur noch die Aluminiumgießerei MWK Renningen.

Insolvenzverwalter Schmid-Sperber will jetzt "mit voller Kraft an der Sanierung" und einem Finanzierungskonzept arbeiten. Nach ersten Verhandlungen mit Investoren sei er optimistisch. Die geplanten Reisen des Kreuzfahrtschiffes sollen "bis auf weiteres" durchgeführt werden. Option bleibe aber weiter der Verkauf von Schiff und Unternehmen. Zunächst wird der Kreuzfahrer aber zur Überholung in die Werft fahren, ehe ab 7. Dezember von Cadiz aus neue Touren geplant sind.

Am 12. November kommen die Gläubiger in München unter Vorsitz des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günter Beckstein zusammen, um über das weitere Schicksal der MS «Deutschland» zu entscheiden.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/dpa

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