Wirtschaft
Freitag, 13. März 2015

Brand in pakistanischer Textilfabrik: Kik wird in Deutschland verklagt

Müssen deutsche Firmen hierzulande mit Klagen rechnen, wenn in den Fabriken ihrer Lieferanten in Niedriglohnländern Menschen zu Tode kommen? Vier Pakistaner fordern jetzt in Dortmund Geld von Textildiscounter Kik.

Textilfabrik in Karachi nach dem Brand (Archivbild).
Textilfabrik in Karachi nach dem Brand (Archivbild).(Foto: dpa)

Opfer des verheerenden Brandes in einer pakistanischen Textilfabrik haben den Textildiscounter Kik in Deutschland auf Schadenersatz verklagt. Vier Pakistaner fordern je 30.000 Euro Schmerzensgeld. Durch das Feuer in einer Fabrik, die für Kik produzierte, waren im September 2012 in Karachi waren 260 Menschen ums Leben gekommen, 32 wurden verletzt.

Ein Berliner Anwalt reichte die Klage im Namen von drei Hinterbliebenen und einem gesundheitlich beeinträchtigten früheren Arbeiter der Fabrik beim Landgericht Dortmund ein. Es ist die erste zivilrechtliche Klage dieser Art in Deutschland. Der Fall könnte möglicherweise Signalwirkung auch für andere Firmen haben, die ihre Produkte in Billiglohnländern herstellen lassen. Die Kläger werden in dem Verfahren von der juristischen Hilfsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) sowie medico international unterstützt.

"Wie in vielen Ländern Südasiens haben die Arbeiterinnen und Arbeiter in Karachi mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben für die Kleidung von KiK gezahlt", sagt ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck. Das Verfahren gegen Kik soll klar machen: Transnationale Unternehmen seien auch für die Arbeitsbedingungen in ihren Tochter- und Zulieferbetrieben im Ausland verantwortlich. "Kik hat versucht, die Überlebenden mit Almosen zum Schweigen zu bringen. Dagegen wehren sich die Betroffenen und setzten mit ihrer Klage ein Signal gegen die Politik der Straflosigkeit", sagt Thomas Seibert, Südasienkoordinator von medico international.

Eine Kik-Sprecherin erklärte, das Unternehmen habe schon eine Million US-Dollar bereitgestellt und sei zu weiteren Hilfszahlungen bereit. Man fühle zwar eine "moralische Verantwortung", weil in der Fabrik zum Zeitpunkt des Unglücks Kleidung für Kik produziert worden sei. "Eine ursächliche Mitverantwortung für die Brandkatastrophe wird hingegen zurückgewiesen", hieß es in einer Stellungnahme.

Vergitterte Fenster

Eine Gruppe von Überlebenden und Hinterbliebenen hatte ein Angebot des Unternehmens aus Bönen bei Dortmund im vergangenen Jahr als nicht ausreichend abgelehnt. In der Klageschrift heißt es nun, Kik sei für die "katastrophalen Brandschutzvorkehrungen" in dem Fabrikgebäude mit verantwortlich. Unter anderem hätte Vertretern von Kik, die das Gebäude besucht hätten, auffallen müssen, dass dort Notausgänge fehlten und zahlreiche Fenster mit Eisen vergittert gewesen seien.

Entwicklungsminister Gerd Müller hatte unter dem Eindruck mehrerer Brandkatastrophen in asiatischen Textilfabriken 2014 ein "Textilbündnis" für Mindeststandards bei ausländischen Lieferanten deutscher Textilhersteller ins Leben gerufen. Diesem Bündnis haben sich die meisten großen Hersteller bislang nicht angeschlossen.

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Quelle: n-tv.de