Wirtschaft

Container-Drehkreuz der Karibik Kuba eröffnet Jahrhundertprojekt

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Ein Tor zum Welthandel: Sieht so das neue Kuba aus?

(Foto: REUTERS)

Der sozialistisch regierte Inselstaat bringt sich für seine zukünftige Rolle als zentraler Handelsstützpunkt in Position. Gemeinsam mit Brasiliens Präsidentin Rousseff nimmt Staatschef Castro Ausbaustufe 1 des "Puerto del Mariel" in Betrieb.

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Der modernste Hafen Lateinamerikas: Raoúl Castro durchtrennt im Beisein von Präsidentin Dilma Rousseff das Eröffnungsband zur Ausbaustufe 1.

(Foto: REUTERS)

Mit einem feierlichen Akt hat Kubas Staatschef Raúl Castro unweit Havannas einen neuen Containerhafen in Betrieb genommen. Die neuen Kaianlagen bilden den Kern einer kürzlich eröffneten Sonderwirtschaftszone an der Bucht von Mariel rund 30 Kilometer westlich der kubanischen Hauptstadt.

Das Projekt "Puerto del Mariel" genießt auf politischer Führungsebene Kubas höchste Priorität und hat enorme Bedeutung für die wirtschaftlichen Perspektiven des sozialistischen Inselstaats vor der Haustür der USA.

An der offiziellen Eröffnungszeremonie in dem Ort Mariel nahm zu Wochenbeginn neben Staatschef Castro auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff teil. Das größte südamerikanische Land unterstützt Kuba bei dem ehrgeizigen Vorhaben zum Ausbau der Infrastruktur mit großzügigen Krediten. Die Baukosten liegen Berichten zufolge bei etwa rund 960 Millionen US-Dollar. Der überwiegende Teil der Finanzierung kommt aus Brasilien. Federführend beim Ausbau ist der brasilianische Mischkonzern Odebrecht - in Deutschland unter anderem durch seine Beteiligung am Stadionbau im Vorfeld der Fußball-WM 2014 bekannt.

Der neue Containerhafen in Mariel soll nach dem Willen der Erbauer ein neues Logistik-Drehkreuz für den Warenverkehr in der Karibik werden. Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht. Kuba liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur der weltgrößten Volkswirtschaft, den USA.

Die geografische Lage gilt als ideal: Mit seiner Nordwestküste beherrscht Kuba eine Seeregion, in der sich wichtige Schifffahrtsstraßen kreuzen. Hier, am Ausgang des Golfs von Mexiko und am Eingang zur Floridastraße, verlaufen nicht nur die Handelswege aus den Seehäfen an der Südküste der USA in Richtung Südamerika und Atlantik. Zugleich führen hier auch jene Frachtrouten entlang, die den gesamten Pazifikraum über den Panamakanal mit dem Nordatlantik verbinden.

Containerfrachter, die zum Beispiel in Singapur, Shanghai oder Tokio in Richtung US-Ostküste ablegen, queren nach der Kanalpassage die karibische See und damit die Gewässer vor Kuba. Aus der Sicht von Reedern und Logistikern wäre ein Zwischenstopp in Mariel kein großer Umweg - und als Frachtdrehkreuz geradezu ideal. Bislang schienen lediglich mangelnde Verladekapazitäten in den kubanischen Seehäfen und vor allem die politischen Rahmenbedingungen in Havanna einem Aufstieg Kubas als zentrale Handelsnation entgegenzustehen. Mit der finanziellen Hilfe Brasiliens könnte Kuba diese Hindernisse überwinden.

Die Sonderwirtschaftszone im Westen Havannas war im vergangenen November im Zuge marktwirtschaftlicher Reformen eröffnet worden. 1980 war der Ort Mariel schon einmal in den Schlagzeilen: Damals flüchteten rund 125.000 Kubaner von hier aus in die USA - ein Ereignis, dass als "Mariel-Bootskrise" in die Geschichtsbücher einging.

Starker Andrang im Panamakanal

Welches Potenzial der neue Hafen für die kubanische Wirtschaft erschließen könnte, lässt sich anhand der Verkehrszahlen des Panamakanals erahnen. An diesem Engpass des weltweiten Seeverkehrs treten die Auswirkungen einer zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung großer Handelsnationen offen zu Tage: Inmitten des laufenden Finanzstreits um den Ausbau des Panamakanals konnte die Betreibergesellschaft ACP jüngst einen neuen Rekord bei der Transportmenge bekanntgegeben.

Von Oktober bis Dezember 2013 seien 87,7 Millionen Panamakanal-Nettotonnen durch die Wasserstraße geschleust worden, teilte ACP vor wenigen Tagen mit. Das sei das beste ersten Quartal eines Geschäftsjahrs in der Geschichte des Kanals. Die Panamakanal-Nettotonne ist eine für die Gebührenberechnung entwickelte Volumeneinheit und entspricht 2,8 Kubikmetern.

Im gleichen Zeitraum wurden Gebühren in Höhe von 614,1 Millionen US-Dollar (453,3 Mio Euro) eingenommen, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Das waren 7,7 Prozent mehr als erwartet. Verantwortlich für die Steigerung seien die gute Getreideernte in den USA und deren Verschiffung nach Asien gewesen. Für die USA stellt die Passage durch den Panamakanal die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen den Wirtschaftszentren Kaliforniens und der US-Ostküste dar.

Der Nicaragua-Kanal kommt

Die wachsende Bedeutung des Seeverkehrs und der Schifffahrt machen den maritimen Sektor und seine Anforderungen an Land zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. In Panama zum Beispiel bilden die Gebühren aus der Kanalpassage seit Jahrzehnten die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle des Staatshaushalts.

Die Aussicht auf konstant fließende Geldströme locken längst auch Nachahmer an. In Nicaragua nähert sich ein aussichtsreiches Konkurrenzprojekt - der Nicaraguakanal - der Realisierungsphase an. Der Bau des umstrittenen Kanals zwischen Atlantik und Pazifik in Nicaragua soll im Dezember dieses Jahres beginnen. Das zumindest geht aus einem von Präsident Daniel Ortega und dem chinesischen Unternehmer Wang Jing unterzeichneten Dokument hervor, das Mitte Januar in regierungsnahen Medien veröffentlicht wurde.

Die Regierung in Managua rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren. Mit der neuen Wasserstraße will Nicaragua eine Alternative zum Panamakanal schaffen. Das rund 40 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Euro) teure Projekt ist umstritten, da die chinesische Firma HKND den Kanal bis zu 100 Jahre betreiben soll. Damit werde die Souveränität des Landes beschnitten, sagen Kritiker.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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