Wirtschaft

Dreistündiger Ausstand am Samstag Lokführer streiken erneut

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Erst zu Wochenbeginn hatten die Lokführer die Arbeit stundenweise ruhen lassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Reisen in Deutschland bleibt in diesen Tagen ein schwieriges Unterfangen. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ruft die Lokführergewerkschaft GDL ihre Mitglieder zum Streik auf. Erst wenige Stunden zuvor endet ein Streik der Lufthansa-Piloten.

Bahn-Reisende müssen sich am Wochenende erneut auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Die Lokführergewerkschaft GDL rief für Samstagmorgen ab 06.00 Uhr zu einem dreistündigen Warnstreik auf. Bundesweit sollen Lokführer, Rangierführer und Zugbegleitpersonal im Personen- und Güterverkehr die Arbeit niederlegen, sagte GDL-Chef Weselsky. Getroffen werden damit auch Reisende im Rückreiseverkehr zum Ferienende in mehreren Bundesländern. Für Freitagnachmittag haben bereits die Pilotengewerkschaft Cockpit bei der Lufthansa zum Ausstand aufgerufen.

Die Bahn verurteilte die Streikankündigung der GDL als "völlig irrational" verurteilt. "Niemand versteht den Sinn dieser Streiks, abgesehen von der Tatsache, dass eine Gewerkschaft das Spielfeld der anderen erobern will", sagte Personalvorstand Ulrich Weber. In der Sache bringe der Streik die Tarifparteien "kein Stück weiter". Ferner moniert das Unternehmen, die GDL habe erneut keine Informationen über die bestreikten Züge zur Verfügung gestellt. Die Fahrgäste der Bahn könnten daher erst nach Streikbeginn über Ausfälle und mögliche Ersatz- oder Alternativverkehre informiert werden. Eine kostenlose Servicenummer unter 08000-996633 sei am Samstag von 05.00 Uhr bis 12.00 Uhr geschaltet. Zusätzlich gebe es Auskünfte auch unter www.bahn.de/aktuell oder unter m.bahn.de.

Bahn: Können über alles verhandeln

Die Bahn erklärte sich erneut bereit, "über alles für unsere Lokführer zu verhandeln - über Löhne, über Arbeitsbedingungen und über neue Spielregeln für Tarifverhandlungen". Ziel des Unternehmens ist es dabei, eine Kooperationsabrede mit beiden Gewerkschaften zu vereinbaren, um konkurrierende Tarifverträge zu vermeiden. Für die GDL dagegen wäre eine Unterschrift unter eine Kooperationsvereinbarung "die Selbstaufgabe aller bisher mühsam erreichten Rechte", wie Weselsky jüngst betont hatte.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ringt mit der Bahn darum, eigenständig für das Zugpersonal Tarifverhandlungen führen zu können. Sie verlangt für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine verringerte Wochenarbeitszeit. Auf Arbeitgeberseite gebe es "keinerlei Bewegung", sagte Weselsky zur neuerlichen Streikankündigung. Zugleich warf er der Bahn vor, die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu schützen. In der kommenden Woche werde die GDL über weitere Schritte beraten, hieß es. "Als nächstes folgt die Urabstimmung über einen regulären Arbeitskampf", sagte Weselsky.

Erst zu Wochenbeginn hatte die GDL ihre Mitglieder zum Warnstreik aufgefordert. Diese legten daraufhin zwischen 18.00 und 21.00 Uhr die Arbeit nieder. Bundesweit kam es zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr. Im Fernverkehr seien bundesweit rund 150 Züge von Ausfällen und Verspätungen betroffen gewesen, im Güterverkehr habe es bei etwa 50 Zügen Beeinträchtigungen gegeben, hatte es geheißen.

DGB fordert Augenmaß

Neben den Lokführern belastet auch der Tarifkonflikt bei der Lufthansa den Reiseverkehr in Deutschland. Die Piloten haben erst für den heutigen Abend Warnstreiks am Frankfurter Flughafen angekündigt.

Derweil schaltet sich der Deutsche Gewerkschaftsbund in den Bahn-Tarifkonflikt ein. Dabei will DGB-Chef Reiner Hoffmann mäßigend auf die GDL einwirken. Allerdings wirft er ihr auch vor, dem Interesse an einer allen Beschäftigten dienenden Tarifpolitik zu schaden. Weselsky hielt er vor, Einzelinteressen zu verfolgen. Ein Tarifergebnis müsse für alle Beschäftigten gelten und dürfe nicht nur einer besonders mächtigen Berufsgruppe dienen. "Wir würden es begrüßen, wenn der Beamtenbund entsprechend auf seine Mitgliedorganisation einwirken würde", sagte Hoffmann.

Hoffmann sagte, der Grundsatz "ein Betrieb, ein Tarifvertrag", habe für die Gewerkschaften einen hohen Stellenwert. Er hob hervor, dass der von der Bundesregierung geplante Gesetzentwurf zur Tarifeinheit das Streikrecht nicht einschränken dürfe.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/rts/dpa

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