Wirtschaft

Mieten statt kaufen Media Markt trickst Amazon aus

RTSDT3M.jpg

Elektronikriese Media Markt: Produkte sollen auch hierzulande bald gemietet werden können.

(Foto: REUTERS)

Mit einem neuen Konzept beweist Media Markt deutlich mehr Innovationskraft als Amazon. Denn es könnte ein Milliarden-Problem in den Griff bekommen.

Für 20 Franken im Monat das iPhone 7 – nicht etwa ein Finanzierungsmodell, sondern eine Mietgebühr. Denn bei Media Markt in der Schweiz kann man seit vergangenem Jahr Produkte mieten. Mindestlaufzeit: drei Monate. Wer das Ding kaputt macht oder es gestohlen bekommt, ist auf der sicheren Seite, denn eine Versicherung ist inklusive.

Nun kündigt Media Markt an, dass dieses Modell auch hierzulande schon in Kürze eingeführt werden soll. Damit wird ausgerechnet der oft gescholtene stationäre Handel zum Vorreiter für E-Commerce-Giganten wie Amazon und Co. Denn Media Markt findet die richtige Antwort für ein teures Problem: Wardrobing.

Immer häufiger bekommen Online-Shops benutzte Sachen zurückgeschickt – dies betrifft vor allem Kleidungsstücke, die an einem Abend getragen wurden. Eben diesen Umtauschbetrug nennt der Experte Wardrobing. 18 Prozent der Befragten gaben zuletzt in einer Studie an, einen online bestellten Artikel schon einmal in einem verschlechterten Zustand zurückgeschickt zu haben.

"Aufarbeitungskosten" bis zu 50 Euro hoch

Wardrobing ist aber längst nicht mehr nur ein Problem von Mode-Anbietern. Auch kleine Elektrogeräte und sogar Möbel geraten immer mehr ins Visier von Wardrobern. Im Netz bestellen, einmal benutzen und dann zurückschicken, weil es doch nicht gefällt: Das ist ein Modell, das immer mehr auch außerhalb der Mode vorkommt. "Dass sich der Umtauschbetrug über alle Produktkategorien hinweg massenhaft ausbreitet, ist zwar noch nicht zu erkennen", sagt Sebastian Schulz vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland zu n-tv.de. Allerdings sind dem Experten durchaus Fälle aus dem Bereich Elektronik bekannt: "Beispielsweise die Kamera, die nach dem zweiwöchigen Urlaub wieder zurückgeschickt wird."

Problem dabei: Die Abnutzung macht es für viele Online-Händler quasi unmöglich, die Produkte ohne saftige Rabatte weiterzuverkaufen. Und selbst dann kosten sie, denn jeder zurückgeschickte Artikel muss händisch überprüft und gegebenenfalls auch nachgebessert werden. Bei Kleidung wird oft Reinigungsspray drüber gesprüht, und die Sachen werden gebügelt – Kosten laut Handelsforschungsinstitut EHI rund zehn Euro. Bei Haushaltsgeräten könnten aber schon mal leicht 50 Euro "Aufarbeitungskosten" anfallen.

Kosten sollen in die Milliarden gehen

Die Online-Shops sehen oft keine andere Wahl, als in den sauren Apfel zu beißen und diese Retouren zähneknirschend zurückzunehmen. Schließlich sagen 90 Prozent einer Studie der Marktforscher ECC zufolge, reibungslose Retouren sind der Hauptgrund, bei einem Shop zu klicken oder eben nicht. "Getrieben von der Angst, eine schlechte Bewertung zu bekommen, übernehmen die Online-Händler meist die Kosten", so Sabrina Mertens vom E-Commerce-Center in Köln.

Vermutlich auch aus Scham halten sich die Online-Händler hierzulande bei den Gesamtkosten von Wardrobing bedeckt. Die National Retail Federationen ermittelte für 2013 einen dadurch verursachten Schaden weltweit von 8,8 Milliarden Dollar – Experten schätzen die Kosten im abgelaufenen Jahr auf 15 Milliarden Dollar. In Deutschland soll es um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen.

Gerade das Miet-Modell von Media Markt könnte laut E-Commerce-Experten aber dazu führen, dass die Kosten fürs Herrichten verringert werden. Denn die Erfahrungen in der Schweiz zeigen: Wer ein Produkt nur mietet, geht oft sorgsamer damit um. Die Überholung der vermieteten Smartphones ist somit meist nicht so teuer, wie ein getragenes Hochzeitskleid mit Tortenflecken für den Weiterverkauf herzurichten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen