Wirtschaft

Informatiker suchte Lesestoff Mit diesem Buch begann die Amazon-Ära

Mit einer simplen Handlung ging ein Informatiker in die Geschichte von Amazon ein – er kaufte vor 25 Jahren ein Buch mit einem sperrigen Titel. Das Besondere daran: Er war der erste, der so etwas tat.

Kennen Sie eigentlich John Wainwright? Er ist ein Computer-Experte und Entwickler von zwei Computersprachen, von denen er eine sogar an Apple verkauft hat. Außerdem ist er der erste Mensch, der bei Amazon online ein Buch erwarb. Es war nicht etwa ein Werk Hemingways, Shakespeares oder Mark Twains, nein, kein Buch eines großen Literaten. Als Computer-Experte kaufte er das Werk eines anderen Wissenschaftlers, ganz pragmatisch. Es war das Fachbuch "Fluid Concepts and Creative Analogies" von Douglas Hofstadter - der deutsche Titel lautet "Analogie und Kreativität".

Seinen richtungsweisenden Klick auf den "Buy-Botton" einer damals völlig unbekannten Internetseite machte er 3. April 1995. Wainwright hatte den Link im Rahmen einer Testphase erhalten, mit der Amazon-Gründer Jeff Bezos die Website ausprobieren ließ.

Offiziell jedoch datiert Amazon den Verkauf auf den 16. Juli, den Tag an dem das Unternehmen seinen Online-Buchhandel offiziell eröffnete. Der Rest ist Geschichte. Amazon ist heute an der Börse rund 1,5 Billionen Dollar schwer und verkauft mittlerweile fast alles, was es legal zu erwerben gibt. Bezos gilt als der reichste Mensch, "Forbes" schätzt sein Vermögen auf rund 178 Milliarden Dollar.

Gebäude nach Wainwright benannt

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Bezos hat den Konzern mit Online-Handel groß gemacht, doch Amazon ist auch in anderen Bereichen aktiv. So ist Amazon mit AWS zum Marktführer im Cloudgeschäft aufgestiegen. Das Unternehmen stellt hier Rechenkapazitäten auf externen Servern bereit und bietet Kunden damit eine Plattform, über die diese ihre IT abwickeln können.

Der Konzern bietet seinen Prime-Mitgliedern, die ein monatliches Abonnement haben, zudem nicht nur kostenlose Lieferungen an, sondern produziert für den gleichnamigen Streaming-TV-Dienst auch eigene Inhalte. Zugleich hat Amazon neben den Kindle-Lesegeräten auch den Sprachassistenten Alexa entwickelt, der beispielsweise in die vernetzbaren Echo-Lautsprecher eingebaut ist. Auch durch den Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods ist Amazon breiter aufgestellt.

Als Dank an seinen ersten Buchkunden hat Bezos auf dem Amazon-Gelände ein Gebäude nach Wainwright benannt. Doch warum startet er gerade mit Büchern? In einer Rede zu Beginn der 2000er-Jahre erklärte Bezos seine Idee. Er habe eine Liste von 20 Produkten gemacht, die man online verkaufen könnte. Schließlich habe er sich für Bücher entschieden, weil es von ihnen mehr als von irgendwelchen anderen Produkten gäbe. So viele, dass man sie weder alle in einem einzigen Buchladen unterbringen könnte, noch einen gedruckten Katalog herausgeben könnte, der alle Bücher auflistet. Das konnte nur das Internet.

Übrigens: "Fluid Concepts and Creative Analogies" gibt es noch immer bei Amazon zu kaufen - als gebundenes Buch und in den USA natürlich auch als Kindle-Version.

Quelle: ntv.de, mit dpa