Wirtschaft

Überwachte Konzern seine Gegner? Monsanto führt mehrere Kritiker-Listen

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In den letzten Tagen protestierten in mehreren Städten Menschen gegen Monsanto und Mutterkonzern Bayer.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Eine Namensaufstellung von Personen, die dem US-Saatgutkonzern kritisch gegenüberstehen, taucht zuerst in Frankreich auf. Aber die Affäre um die geheimen Monsanto-Listen ist größer als zunächst angenommen. Offenbar sind auch Deutsche betroffen.

Der US-Konzern Monsanto hat vor der Übernahme durch Bayer offenbar nicht nur in Frankreich umstrittene Listen mit Kritikern erstellen lassen. Nach aktuellem Stand gehe man von Listen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien aus, teilte Bayer mit. Die von Bayer beauftragte Anwaltskanzlei Sidley Austin soll nun untersuchen, ob es in weiteren Ländern derartige Listen gegeben hat. Wie viele Menschen auf den Listen stünden, werde noch geklärt. Betroffene sollten spätestens Ende kommender Woche informiert werden.

Anfang Mai war in Frankreich bekannt geworden, dass die PR-Agentur Fleishman Hillard im Auftrag Monsantos geheime Listen mit Kritikern führte. Laut einem Bericht des Senders France 2 wollte Monsanto die Kritiker "erziehen", besonders hartnäckige Gegner sogar "überwachen". Rund 200 Namen von Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern sollen auf den Listen stehen. Darunter befindet sich Medienberichten zufolge etwa die frühere Umweltministerin Segolene Royal. Die französische Staatsanwaltschaft eröffnete eine vorläufige Untersuchung.

Bayer hatte sich für die "komplett unangemessene" Praxis entschuldigt. "Es ist uns wichtig, die Aufklärung des Sachverhaltes voranzutreiben", schrieb Chef Werner Baumann vergangene Woche in einem offenen Brief an den Bundestag.

Der Umweltpolitiker Harald Ebner von den Grünen sagte, der Konzern müsse die Betroffenen in den sieben Ländern und in Brüssel sofort informieren. "Warum nicht heute oder morgen? Für weiteres Verschleppen habe ich kein Verständnis."

Unsicherheit lastet auf Bayer-Aktien

Bayer hatte Monsanto vergangenes Jahr für eine Rekordsumme von 63 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) gekauft. Seitdem steht der Konzern erheblich unter Druck. Wegen der glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto sieht sich Bayer in den USA mit etwa 13.400 Klägern konfrontiert. Erst in der vergangenen Woche wurde das Unternehmen in einem der Fälle zu mehr als zwei Milliarden Dollar Schadenersatz an ein Ehepaar verurteilt, das die jahrzehntelange Verwendung des Monsanto-Produkts Roundup für seine Krebserkrankungen verantwortlich macht.

Die Summe dürfte Experten zufolge zwar vom Richter reduziert werden und Bayer kündigte bereits an, in Berufung zu gehen. Die Unsicherheit wegen der Glyphosat-Prozesse lastet aber schwer auf den Aktien. Seit dem ersten Urteil gegen Monsanto im vergangenen August haben die Bayer-Papiere rund 40 Prozent an Wert verloren.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa/rts/AFP

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