Wirtschaft

Import von Wasserstoff Nord-Chemieindustrie nimmt Häfen in Pflicht

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Im größten deutschen Hafen, in Hamburg, soll die bislang größte Anlage zur Gewinnung von Wasserstoff entstehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wasserstoff soll das Erdöl des 21. Jahrhunderts werden - so steht es im neuen Strategiepapier der Bundesregierung. Da große Mengen importiert werden müssen, kommt den Häfen dabei eine wichtige Rolle zu. Doch genau da gibt es ein Problem.

Angesichts des zu erwartenden Bedarfs an Wasserstoff sollen sich die deutschen Häfen fit für den Import des Gases machen. Das fordert die norddeutsche Chemieindustrie, die nun auf einen schnellen Ausbau der Hafeninfrastruktur zur Einfuhr von Wasserstoff dringt. "Aufgrund der riesengroßen Bedarfe an grünem Wasserstoff brauchen wir neben der forcierten Weiterentwicklung unseres Heimatmarktes dringend deutsche Importterminals", sagte der Landesvorsitzende des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Detlev Wösten, in Laatzen bei Hannover.

Die norddeutschen Häfen seien dafür wegen ihrer Erfahrung bei der Entladung von Gasen und vorhandener Pipelines ideale Standorte. Sowohl im niederländischen Rotterdam als auch im belgischen Antwerpen seien entsprechende Projekte schon angeschoben worden, der Handlungsdruck sei daher enorm, sagte Wösten. Der Rotterdamer Hafen ist der größte Europas und ist schon jetzt ein Drehkreuz für Energieimporte, etwa von Erdöl. Dort ist bereits eine Wasserstoff-Pipeline nach Nordrhein-Westfalen in Planung, die die dortige Industrie mit dem Gas versorgen könnte. Davon hätte aber die Industrie in Norddeutschland nichts.

Es ist zu erwarten, dass Wasserstoff aufgrund des hohen Bedarfs künftig importiert werden muss. Denn bis 2030 sollen in Deutschland zwar Anlagen zur Produktion von bis zu 14 Terawattstunden grünen Wasserstoffs aus erneuerbaren Energien in Deutschland entstehen. Der nationale Bedarf wird allerdings auf 90 bis 110 Terawattstunden geschätzt. Stahlwerke und Raffinerien auch in Norddeutschland bräuchten Wasserstoff "in Riesenmengen, nicht in Apothekenmengen", betonte der Geschäftsführer des VCI Nord, Jochen Wilkens.

Bereits mehrere Projekte in deutschen Häfen

Die Bundesregierung hat bereits damit begonnen, mit Ländern in Nordafrika Patenschaften zur Wasserstofferzeugung abzuschließen. Die Abkommen sehen vor, dass Deutschland Solar- und Elektrolyse-Anlagen liefert und in den jeweiligen sonnenreichen Ländern Wasserstoff produziert würde. Dieser könnte per Tanker nach Deutschland gebracht werden - wobei sich dann eben die Frage stellt, ob diese in Rotterdam oder an einem deutschen Hafen anlanden.

Auch die Häfen an Nord- und Ostsee haben Wasserstoff als Zukunftsthema erkannt. So soll in Hamburg die bundesweit größte Elektrolyse-Anlage zur Gewinnung des Gases entstehen. In Rostock soll es eine Versuchsanlage für die Wasserstofferzeugung geben. Die Salzgitter AG will nahe dem Jade-Weser-Port von Wilhelmshaven eine Anlage bauen und unter Einsatz von Erdgas und Wasserstoff sogenannten Eisenschwamm herstellen, der dann später zu Stahl weiterverarbeitet werden kann. Den erforderlichen Wasserstoff will man direkt vor Ort gewinnen. In Emden läuft ein Projekt zur Umwandlung überschüssiger Windenergie in Wasserstoff. Allerdings geht es bei diesen Projekten weniger um den Import von Wasserstoff als vielmehr die Produktion oder die Nutzung vor Ort.

Die Bundesregierung hatte sich vor knapp drei Wochen auf eine nationale Wasserstoffstrategie verständigt. Diese sieht zusätzlich zu laufenden Förderprogrammen sieben Milliarden Euro dafür vor, dass sich die Technologie am Markt durchsetzt, und weitere zwei Milliarden Euro für internationale Partnerschaften. Wasserstoff soll es ermöglichen, Industrie, aber auch Verkehr und andere Sektoren klimafreundlicher zu machen. Man gewinnt Wasserstoff, indem man Wasser (H2O) in Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H) aufspaltet. Das erforderliche Verfahren ist die Elektrolyse. Verwendet man dafür Strom aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, ist der Wasserstoff klimaneutral.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa