Wirtschaft

Dividendenrenditen sollen locken Ölmultis strecken sich für Aktionäre

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Die Ölmultis haben bereits auf das schwierige Umfeld reagiert.

(Foto: imago stock&people)

Die Aktien von BP, Total oder Royal Dutch Shell sind bei Investoren vor allem wegen der hohen Dividendenrendite beliebt. Die Papiere brauchen aber einen steigenden Ölpreis, um attraktiv zu bleiben.

Der Ölpreis gibt weiter Rätsel auf. Die Notierung schoss trotz eines weltweiten Überangebots seit dem Februartief um zwei Drittel nach oben. Aktuell stagniert der Ölpreis und könnte wieder nachgeben, denn das enorme Überangebot ist immer noch vorhanden. Während das weltweite Angebot wegen der Rekordproduktion in Saudi-Arabien, Russland und des starken Anstiegs der Förderung im Iran in der Nähe des Rekordwertes liegt, dämpft die schwache Weltwirtschaft die Nachfrage nach dem Rohstoff. Sollte die Notierung daher erneut nach unten drehen, würde das gleichzeitig kräftigen Gegenwind für die Unternehmen der Ölbranche bedeuten.

Die Ölmultis haben aber nicht tatenlos zugesehen, sondern auf das schwierige Umfeld reagiert. Kosten und Investitionen wurden kräftig gesenkt, daher waren die Zahlen der Konzerne für das erste Quartal nicht so schlecht wie befürchtet. Allerdings konnten zahlreiche Unternehmen keine roten Zahlen verhindern. Vorteile haben Firmen mit einem starken Raffinerie- und Chemiegeschäft, da sie von den stark gesunkenen Rohstoffkosten profitieren, etwa Royal Dutch Shell. Daher lag der bereinigte Gewinn des britisch-niederländischen Öl-Riesen trotz eines Einbruchs um 58 Prozent mit 1,6 Milliarden Dollar über den Schätzungen der Analysten von 1,2 Milliarden.

Vorstandschef Ben Van Beurden, der im Februar die 52 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Gasfirma BG Group abgeschlossen hatte, drückt dennoch noch stärker als bislang auf die Investitionsbremse. Ihm geht es auch darum, die attraktiven Dividenden weiter zahlen zu können, um so keine Investoren zu verprellen. Er wandelt dabei auf einem schmalen Grat, da die Schulden nicht deutlich steigen sollen. Daher werden Investitionen weiter gekürzt wie Van Beurden sagt: "Die Investitionen für 2016 tendieren in Richtung 30 Milliarden Dollar". Ursprünglich war eine Investitionssumme von 33 Milliarden USD geplant.

Cashflow reicht für Investitionen und Dividende nicht aus

Mit attraktiven Dividendenrenditen die Anleger in einem schwierigen Umfeld bei der Stange zu halten, das ist auch das Ziel der europäischen Konkurrenten BP und Total. So will BP-Vorstandschef Bob Dudley die Kosten weiter drücken, damit der Cashflow im Jahr 2017 ausreicht, um bei Ölpreisen von 50 bis 55 Dollar die Dividendenzahlungen und die Investitionen zu finanzieren. Bislang hatte Dudley einen Ölpreis von 60 Dollar angepeilt. Dagegen hofft der französische Wettbewerber Total 2017 mit einem Ölpreis von 60 Dollar durch den Cashflow die Dividendenzahlungen an die Aktionäre zu finanzieren, ohne neue Schulden machen zu müssen.

Trotz des jüngsten Kursanstiegs liegt die Dividendenrendite für 2016 immer noch bei satten 7,3 Prozent für BP und 5,5 Prozent für Total. Eine Verlockung, aber Anleger sollten nicht nur die hohe Dividendenrendite, sondern auch den Aktienkurs im Auge behalten. Falls der Ölpreis wieder nach unten drehen sollte, dürfte das auch die Aktien der Öl-Multis mit nach unten ziehen. In diesem Fall könnten die Kursverluste prozentual größer sein als die Dividendenrendite. Vor dem Hintergrund wären die Aktien trotz der hohen Dividendenrendite kein gutes Investment.

Quelle: ntv.de

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