Wirtschaft

EDF übernimmt Reaktorsparte Paris treibt Areva-Aufspaltung voran

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"Grabräuberei zugunsten von EDF."

picture alliance / dpa

Der Fall Areva beschäftigt die politische Spitze Frankreichs. Der Atomkonzern steckt in massiven Schwierigkeiten. Nun übernimmt EDF das Atomreaktor-Geschäft. Seitens des Staates bekommt Areva einen Finanzspritze.

Der französische Atomkonzern Areva, der in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckt, wird aufgespalten. Der staatliche Stromkonzern EDF wird die Mehrheit des Atomreaktor-Geschäfts von Areva übernehmen, wie die Regierung in Paris ankündigte.

Der Staat will Areva zudem mit einer Finanzspritze helfen, deren Höhe noch unklar ist. Die Aufspaltung des Atomkonzerns bedeutet das Ende des bisher verfolgten Modells von Areva, das eine Geschäftstätigkeit vom Uranabbau über den Reaktorbau bis hin zur Wiederaufarbeitung von Brennstäben vorsah.

Die Entscheidung zur Aufspaltung von Areva fiel bei einem Spitzentreffen im Elysée-Palast mit Präsident François Hollande, Premierminister Manuel Valls und den vier betroffenen Ministern.

 "EDF ist befähigt, Mehrheitsaktionär zu werden" bei den Areva-Reaktoraktivitäten, teilte der Elysée mit. Areva behalte lediglich eine "strategische Beteiligung". In der Reaktorsparte von Areva sind rund 15.000 der weltweit etwa 44.000 Areva-Mitarbeiter beschäftigt.

Die Gewerkschaften, die einen massiven Stellenabbau befürchten, sprachen von "Grabräuberei" zugunsten von EDF. Sie brachten auch ihre Sorge über einen möglichen Einstieg chinesischer Investoren zum Ausdruck.

Probleme mit EPR

Areva und EDF, die zu jeweils rund 87 beziehungsweise 84,5 Prozent im Staatsbesitz sind, werden die Neuordnung "binnen eines Monats" zu Ende bringen, wie weiter mitgeteilt wurde. Der Staat wiederum will "in der nötigen Höhe" dem Atomkonzern, der für das vergangene Jahr einen Verlust von fast fünf Milliarden Euro melden musste, mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen. Nähere Angaben zur Höhe wurden nicht gemacht. Beim künftigen Areva-Konzern werden somit die Bereiche vom Uranabbau bis zur Atommüll-Verarbeitung bleiben.

Als Gründe für das finanzielle Fiasko bei Areva gelten neben dem international schwierigen Umfeld seit der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima unter anderem andauernde Probleme mit dem neuen Europäischen Druckwasserreaktors (EPR). Darüber hinaus war der Kauf der kanadischen Minengesellschaft Uramin durch Areva im Jahr 2007 ein Desaster und riss ein Milliardenloch. Die französische Justiz ermittelt in dem Zusammenhang wegen Korruptionsverdachts.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP

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