Wirtschaft

Privatisierungswelle erfasst Europa Portugal lädt die Lufthansa ein

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Bald Teil der Fraport-Familie? "El Prat" in Barcelona.

(Foto: REUTERS)

Die Privatisierungspläne in finanzschwachen Euro-Staaten eröffnen deutschen Unternehmen unverhoffte Einstiegschancen: Der Airport-Spezialist Fraport sieht sich angeblich bereits in Madrid und Barcelona um. Die Lufthansa schweigt zu einer Einladung aus Portugal zur Übernahme der Staatsfluglinie TAP. In Griechenland stehen Anteile an einem Raffinerie-Betreiber zum Verkauf.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will einem Medienbericht zufolge mit einem einheimischen Partner in das milliardenschwere Rennen um die beiden größten spanischen Flughäfen ziehen.

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Herzliche Einladung an die Deutsche Lufthansa: Pedro Passos Coelho.

(Foto: dpa)

Fraport wolle gemeinsam mit dem spanischen Baukonzern Acciona für die Betreiber-Konzessionen der wichtigsten Flughäfen in Madrid und Barcelona bieten, schrieb die Zeitung "Cinco Dias" unter Berufung auf Informationen aus Branchenkreisen. Fraport hatte bereits Interesse an den beiden Flughäfen angemeldet. Auch die spanischen Infrastrukturkonzerne FCC und Ferrovial sowie der Autobahnbetreiber Abertis bereiten laut der Zeitung Angebote vor.

Unter dem Druck steigender Refinanzierungskosten an den Kapitalmärkten hat die spanische Regierung Spanien installiert die Bremse aufgelegt. Mit dem Verkauf des Madrider Flughafens "Barajas" und des Airports "El Prat" in Barcelona will der Staat 5,3 Mrd. Euro einnehmen.

Der Sparzwang in den hoch verschuldeten Euro-Ländern könnte durch die Privatisierungsbemühungen der Regierungen in Madrid, Lissabon und Athen weiter Bewegung in die europäische Unternehmenslandschaft bringen. Auf Anregung des portugiesischen Regierungschefs Portugal zieht mit sollte sich zum Beispiel die Deutsche Lufthansa die portugiesische Staatsfluglinie TAP genauer anschauen.

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Exzellente Verbindungen nach Afrika und Südamerika.

(Foto: dapd)

"Ich könnte mir vorstellen, dass Lufthansa aufmerksam unser Privatisierungsprogramm verfolgt, in dem auch TAP privatisiert wird", sagte Coelho dem "Handelsblatt". Dies wäre eine gute Investition, da die Lufthansa zusammen mit TAP in die Wachstumsmärkte in Südamerika und Afrika vordringen könne.

Wunschpartner der Portugiesen

Die Lufthansa reagierte zunächst reserviert auf das ungewöhnliche Angebot. Eine Sprecherin wollte sich nicht zu den Avancen aus Portugal äußern. Zuletzt hat der Konzern jedoch mehrfach deutlich gemacht, dass er aus eigener Kraft wachsen will. Lufthansa-Chef Christoph Franz betonte erst Anfang der Woche wieder, dass die Kranich-Airline vorerst keine Konkurrenten schlucken will.

TAP ist für andere Airlines vor allem wegen ihrer zahlreichen Verbindung nach Brasilien interessant. Die Nachfrage nach Flügen in das boomende Schwellenland ist groß. Die aus der Fusion von British Airways und der spanischen Iberia entstandene Fluggesellschaft IAG hatte an TAP bereits Interesse signalisiert - ebenso die brasilianische TAM. Ein Einstieg der Lufthansa bei TAP wäre dagegen eine Überraschung.

Die größte Fluggesellschaft Deutschlands stockt ihre Kapazitäten Richtung Brasilien in diesem Jahr aus eigener Kraft um 60 Prozent auf, wie Lufthansa-Manager Antonio Cuoco erst Ende Juni bekräftigt hatte. "Das Land ist wichtigster Markt für die Lufthansa in Südamerika, Venezuela zweitwichtigster."

Aufstieg zum Südamerika-Flieger Nr. 1?

Statt um Zukäufe muss sich Lufthansa-Chef Franz derzeit zudem um andere Baustellen im eigenen Haus kümmern. Die Lufthansa-Töchter Austrian Airlines (AUA), Germanwings und British Midland (BMI) stecken teilweise tief in den roten Zahlen.

Lufthansa will BMI loswerden für den ganzen Konzern und hat bei 396 Mio. Euro Umsatz 120 Mio. Euro Verlust im ersten Halbjahr eingeflogen. Nachdem die bisherigen Sanierungsversuche im Sande verliefen, sucht die Lufthansa nun Schützenhilfe bei anderen Airlines. Einen Partner für BMI zu finden sei eine der Optionen, die derzeit geprüft, sagte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer. Wer das sein könnte, wollte er nicht verraten. Eine Bank werde Lufthansa bei der Suche unterstützen, führte er aus.

Die Zeit drängt, da die Lufthansa kürzlich eingestehen musste, dass die Sanierung von AUA länger dauern wird als gedacht. Konzernchef Franz schreckt das nicht - er gilt als ausgewiesener Experte für Problemfälle. Vor einigen Jahren hat er bereits die Lufthansa-Tochter Swiss auf Vordermann gebracht, was sich nun auszahlt: In den ersten sechs Monaten war sie unter den fünf Konzern-Airlines die einzige, die Gewinn einflog.

Lissabon braucht Geld

Um die Schuldenkrise zu bewältigen, will Portugal sich von Anteile an Staatsunternehmen trennen. Bis 2013 sollen dadurch 5,5 Mrd. Euro zusammenkommen. Neben TAP denkt das Euro-Land darüber nach, den 20-prozentigen Staatsanteil an dem Energiekonzern EDP und die 51 Prozent an der Netzgesellschaft REN zu verkaufen. Eon denkt an Portugal : Der größte deutsche Energiekonzern Eon prüft Berichten zufolge bereits einen Einstieg auf dem portugiesischen Markt.

Griechen müssen nachsitzen stehen auch in Griechenland einige größere Beteiligungen zum Verkauf. Im Kampf gegen die Schuldenkrise drängt die griechische Regierung unter anderem auch auf einen beschleunigten Verkauf der Staatsanteile am Erdöl-Veredler Hellenic Petroleum.

Athen plant 50 Mrd. Euro ein

Es sei möglich, dass der Verkauf früher als wie bislang geplant im ersten Quartal 2012 über die Bühne gehe, sagte der griechische Umweltminister und frühere Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Hellenic Petroleum betreibt Raffinerien in Griechenland und Mazedonien und verfügt über eine Marktkapitalisierung von 1,8 Mrd. Euro. Der Staat hält einen Anteil von 35,5 Prozent.

Im Gegenzug für Finanzhilfen der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss sich Griechenland im großen Stil von Unternehmensanteilen trennen. Insgesamt sollen die Verkäufe 50 Mrd. Euro in die Staatskasse spülen. Die Beteiligungen am Gaskonzern Depa und am Netzbetreiber Desfa sollen noch vor Jahresende veräußert werden.

Das hoch verschuldete Griechenland droht wegen der anhaltenden Rezession seine Sparziele zu verfehlen. Dies erschwert die Verhandlungen mit den Geldgebern von EU und IWF. Eine Delegation der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Zentralbank verließ am Freitag überraschend Athen und kommt wohl erst Mitte September wieder, wenn die Regierung ihren Haushalt 2012 fertig ausgearbeitet haben soll.

Quelle: n-tv.de, rts

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