Wirtschaft

Milliardenschwere Kredit-Aktionen Post nutzt Niedrigzinsen

RTR3ELCC.jpg

Kümmert sich für die Post um Geld und Schulden: Lawrence "Larry" Rosen.

(Foto: REUTERS)

Die Ausnahmebedingungen am Kapitalmarkt verändern zunehmend auch die Denkweise in der deutschen Unternehmenslandschaft: Der Finanzchef der Deutschen Post leitet zu Wochenbeginn großvolumige Umschichtungen ein. Die Bundesbank wartet unterdessen auf ihre Fragebögen.

Deutsche Post
Deutsche Post 33,97

Die Konditionen sind günstig: Die Deutsche Post will die geldpolitische Niedrigzinsphase ausnutzen, um die eigenen Finanzen auf neue Füße zu stellen. Im großen Stil will sich der Logistikkonzern verbesserte Finanzierungsbedingungen sichern und bietet dazu zwei großvolumige Unternehmensanleihen im Umfang von insgesamt rund einer Milliarde Euro an.

Parallel zu den Anleihenplänen sei eine Kreditlinie in Höhe von zwei Milliarden Euro frühzeitig und zu verbesserten Konditionen bis 2018 verlängert worden, teilte der Dax-Konzern mit. Die "solide Finanzposition" der Deutschen Post werde so "weiter gestärkt", unterstrich Finanzchef Larry Rosen. Geplant sei, die beiden Anleihen mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren und einem Volumen von zusammen einer Milliarde Euro noch im Lauf des Tages zu platzieren.

Mit dem Vorstoß am Markt für Unternehmensanleihen bleibt die Deutsche Post nicht alleine: Zahlreiche Konzerne nützen die derzeit Zinsbedingungen, um ihre Refinanzierung auf langfristig günstige Konditionen umzustellen.

Bundesbank befragt Banken

Die aktuelle Niedrigzinsphase geht auf die Bemühungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück, das europäische Finanzsystem im Nachgang der Lehman-Pleite zu stabilisieren und die konjunkturelle Entwicklung anzukurbeln. Die Risiken und Nebenwirkungen dieser Krisenpolitik treten mittlerweile an verschiedenen Stellen offen zu Tage. Unter anderem leiden Lebensversicherer und Sparer unter negativen Realzinsen.

Der Druck der nach Aussage von EZB-Chef Mario Draghi bis auf weiteres dauerhaft niedrigen Leitzinsen im Euroraum beunruhigt mittlerweile selbst die Bankenaufsicht in Deutschland. Die Bundesbank forderte jetzt mit Ausnahme einiger Spezialinstitute sämtliche deutsche Banken auf, Daten zu den Auswirkungen auf deren Ertragskraft zu liefern.

Was passiert nach der Zinswende?

Einen entsprechenden Bericht der "Börsen-Zeitung" hatte eine Bundesbank-Sprecherin vor dem Wochenende bestätigt. In Tabellen müssen die Institute nun ihre Prognosen bis 2017 eintragen. Gefordert sind auch Angaben für den Fall eines plötzlichen Zinsanstiegs. So will die Bundesbank erfahren, welche Probleme dem Bankensystem wegen der Zinssituation drohen. Das soll in die Analyse der einzelnen Banken einfließen.

Das Auskunftsersuchen an die Banken datiert vom 11. September. Darin setzte die Bundesbank den Instituten eine Frist zur Beantwortung bis zum 30. September. In einem Schreiben vom Dienstag vergangener Woche bat die Deutsche Kreditwirtschaft als Zentralorgan sämtlicher Bankenverbände nun um eine Verlängerung der Frist bis Ende Oktober. Der enge Zeitrahmen überfordere die Institute, hieß es. Ob die Frist wie von den Banken gewünscht verlängert wird, blieb zunächst offen.

Die Niedrigzinsphase setzt besonders Instituten zu, die über hohe Bestände an Spareinlagen verfügen wie Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken. Bei den Sparkassen ging der Zinsüberschuss im vergangenen Jahr beispielsweise um 2,6 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück. Im laufenden Jahr rechnet Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon mit einem weiteren Rückgang um rund 500 Millionen Euro. "Mit zunehmender Dauer und dem Auflaufen hochverzinslicher Anlagen und Kredite verschärft sich die betriebswirtschaftliche Herausforderung, der nur auf der Kostenseite begegnet werden kann", sagte er kürzlich auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts