Wirtschaft

120 Euro für eine Woche Rentner drängen sich vor den Banken

In der Hauptstadt Griechenlands herrscht vor den nur für Rentner geöffneten Bankfilialen großer Andrang. Während einige fassungslos reagieren, schimpfen andere - entweder auf die eigene Regierung oder auf die Gläubiger.

Vor einer Bank im Süden Athens warten Dutzende Rentner auf Einlass. Einige sind schon seit 5 Uhr morgens hier. Sie wollen 120 Euro abheben – diese Summe steht jedem Rentner als Wochenlimit zu. Einige Banken in Griechenland sind bis Freitag geöffnet, allerdings nur für Pensionäre. Denn viele von ihnen haben keine Geldkarte und können Bankautomaten deshalb nicht nutzen, hier gilt eine Obergrenze von 60 Euro am Tag. 

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Ein alter Mann verlässt die Filiale und blickt auf die drei Geldscheine, die er in seinen faltigen Händen hält. Nicht nur vor dem Eingang, auch in der Bank ist das Gedränge groß. Zwei Polizisten auf Motorrädern kommen mit Blaulicht angerast. Die Beamten postieren sich vor der Tür und versuchen, den Andrang in geordnete Bahnen zu lenken. Ein Mann fingert nervös sein blaues Sparbuch aus der Brusttasche und umklammert es fest.

Ältere Menschen blicken fassungslos durch die große Fensterscheibe in die Bank und scheinen nicht zu glauben, was sie sehen: Rentner ziehen eine Wartenummer, legen Personalausweis und Rentenbescheid vor - und bekommen dann 120 Euro ausgezahlt. Das Geld muss zunächst reichen.

Einige der Wartenden reden leidenschaftlich miteinander – über Politik. "Ministerpräsident Alexis Tsipras hat viel zu viel versprochen", sagt einer von ihnen. "Er hat nichts gemacht, was gut ist." Andere widersprechen: Es sei richtig, die Forderungen der Gläubiger zurückzuweisen.

Viele schweigen. Wer alleine vor der Filiale steht, hat ein sorgenvolles, nachdenkliches Gesicht. "Ich habe eine Rente von 700 Euro im Monat", sagt eine Frau. Davon müsse sie auch ihre Tochter und deren vier Kinder unterstützen. Denn die Tochter habe ihren Job verloren.

Auf der anderen Straßenseite ist das Gedränge vor einer Filiale der Piräus-Bank noch größer. Auch hier stehen Polizisten. Die Regierung hat für sie eine Urlaubssperre verhängt. Wer in den Ferien ist, muss sie abbrechen und in den Dienst zurückkehren.

Etwa ein Dutzend Rentner hat Platz auf Stühlen gefunden, die ein Bank-Angestellter herausgetragen hat. Vor dem Eingang reden zwei ältere Männer aufeinander ein. Es geht – wie so häufig in der Stadt – um das angekündigte Referendum. "Ich werde mit 'Ja' stimmen", sagt der eine. "Das kann ja wohl nicht wahr sein. 350.000 Betriebe haben dichtgemacht. 1,5 Millionen Griechen sind arbeitslos", sagt der andere. Deshalb müsse man sich gegen die Fortsetzung der Troika-Politik stemmen. "Du denkst nur an Dich", schimpft er.

Währenddessen redet ein Bank-Mitarbeiter vor der Tür auf die Wartenden ein und bittet um Geduld.  Ihre Zahl wird immer größer.

Quelle: n-tv.de

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