Wirtschaft

Viertel des Wertes verloren Rückschlag überschattet neue Bitcoin-Ära

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Herz der Finanzmärkte: Die Cboe gilt als einer der wichtigsten Terminmärkte der Welt.

(Foto: imago stock&people)

Mit Termingeschäften soll die Digitalwährung Bitcoin erstmals in den regulären Finanzmarkt integriert werden. Enthusiasten erwarten einen weiteren Schub für die ohnehin sagenhafte Kursentwicklung. Der jüngste Kurseinbruch scheint eher den Skeptikern recht zu geben.

In der kommenden Nacht soll der Bitcoin als bekannteste Digitalwährung eine neue Entwicklungsstufe erklimmen: Als erste offizielle und staatlich regulierte Börse starte die Chicagoer Derivatebörse Cboe mit dem Handel von Bitcoin-Futures, weitere Handelsplätze wollen in Kürze folgen. Doch der Schritt, der die Kryptowährung unter anderem auch für professionelle Anleger indirekt zugänglich machen sollte, wird von einem deutlichen Kursrückgang überschattet.

Seit seinem jüngsten Allzeithoch vom Freitagmorgen verlor Bitcoin fast ein Viertel seines Wertes. Laut Daten der Website "Coindesk" hatte Bitcoin in der Spitze einen Wert von 17.117 US-Dollar erreicht. Auf einigen Plattformen wurden sogar bis zu 20.000 gezahlt. Am Sonntagmorgen lag der Kurs jedoch zeitweise unter 13.500 Dollar.

Herftige Kurseinbrüche waren während des rasanten Aufstiegs von Bitcoin in den vergangenen Monaten keine Seltenheit. Der massive, mehrere Tage anhaltende Kursverlust ist jedoch Nahrung für die Skeptiker, die in der Einführung von Futures und dem damit verbundenen Eintritt von Bitcoin in den offiziellen Finanzmarkt eher ein Risiko als eine Chance auf eine geregelte Entwicklung der Kryptowährung sehen.

Laut den Befürwortern sollen die Futures eigentlich dafür sorgen, dass die Kursentwicklung des Bitcoin weniger sprunghaft und die Währung damit für Anleger weniger riskant wird. Diese Funktion erfüllen Futures - auch Termingeschäfte genannt - etwa bei Rohstoffen wie Öl oder herkömmlichen Währungen. Mit solchen Geschäften sichern sich Investoren und vor allem diejenigen, die das Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchen, gegen Kursschwankungen ab. Fluggesellschaften können so den Preis für Kerosin schon Monate im Voraus festlegen, und ein deutscher Händler, der weiß, dass er einen größeren Dollarbetrag in einigen Monaten erhalten oder zahlen wird, kann sich gegen Währungsschwankungen absichern.

Durch solche Termingeschäfte wird der Markt insgesamt etwas transparenter, was gerade Bitcoin dringend nötig hätten. Das macht Bitcoin-Enthusiasten ebenso Hoffnung wie die Möglichkeit, dass über Futures auch institutionelle Anleger in die Digitalwährung investieren könnten. Dass ist Fonds bislang verboten, da Bitcoin & Co. bislang keine offiziell regulierten Finanzprodukte sind. Den sagenhaften Kurssprung von Bitcoin von gut 11.000 auf mehr als 17.000 führten viele Beobachter auf diese positiven Erwartungen an den bevorstehenden Future-Handel zurück.

Skeptiker machen dagegen darauf aufmerksam, dass die Erfahrungen von Rohstoff- und anderen Devisenmärkten nicht auf Bitcoin übertragbar seien, denn zum einen stünden hinter Bitcoin keine Endkunden, die die Digitalwährung zu einem bestimmten Zeitpunkt wirklich brauchen. Zum anderen sei völlig unklar, wie die Terminoptionen beim Bitcoin dessen Kursausschläge beeinflussen würden. Denn diese sind mit bis zu 20 Prozent an nur einem Tag ungleich stärker als bei allen herkömmlichen Rohstoffen.

Kurzfristig dürfte die Auswirkung der neuen Bitcoin-Derivate in jedem Fall begrenzt bleiben. Zahlreiche Großbanken und Broker, die solche Terminkontrakte im Normalfall Endkunden zugänglich machen, erklärten bereits, keine Bitcoingeschäfte anbieten zu wollen. Eines der bekannten Brokerhäuser, das Bitcoin-Futures abwickeln will, kündigte an, seine Kunden jedoch nicht auf fallende Bitcoin-Kurse wetten zu lassen.

Quelle: n-tv.de, mbo

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