Wirtschaft

Ex-Mitarbeiterin erhebt Vorwürfe Sexuelle Belästigung bei Uber?

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Sexuelle Diskriminierung sei bei Uber systematisch gewesen, sagt eine Ex-Angestellte.

(Foto: REUTERS)

Eine Software-Entwicklerin stellt Uber bloß: Nach Sex-Nachrichten ihres Chefs sei dieser nicht bestraft worden. Bei dem Start-up herrsche eine Kultur sexueller Diskriminierung - und tobten Machtkämpfe wie bei "Game of Thrones".

Über ein Jahr lang hat Susan Fowler bei Uber gearbeitet. Als die Softwareingenieurin im Januar kündigte und zum Bezahldienst Stripe wechselte, hatte sie dafür offenbar gute Gründe: Auf ihrem Blog hat Fowler dem Fahrdienst vorgeworfen, nicht reagiert zu haben, als sie sich über sexuelle Belästigung durch ihren Chef beschwerte. Sie sei kein Einzelfall gewesen: "Die Frauen versuchten die Abteilung zu wechseln. Und wer das nicht konnte, hat gekündigt".

Uber-Chef Travis Kalanick hat die Personalabteilung bereits eine Untersuchung der Vorwürfe eingeleitet. "Was hier beschrieben wurde, ist abscheulich und widerspricht allem, woran wir glauben. Jeder, der sich so verhält oder glaubt, dass es okay ist, wird gefeuert", twitterte Kalanick. Kein Wunder: Sollte Fowlers Geschichte stimmen, hat Uber ein juristisches Problem. Sie zeigt auch, welche Machtkämpfe bei dem Start-up toben und wie sie die Firma lähmen. Und sie wirft ein schlechtes Licht auf die von Männern dominierte Technologie-Branche insgesamt.

Gleich an ihrem ersten Tag bei Uber habe ihr Chef sie im Firmenchat bedrängt, um sie zum Sex zu überreden. Er sei in einer offenen Beziehung, habe aber Schwierigkeiten Partnerinnen zu finden. Fowler machte sofort Screenshots und beschwerte sich bei der Personalabteilung, aber nichts geschah. "Mir wurde vom Management gesagt, obwohl das klar sexuelle Belästigung war, sei es der erste Fehltritt dieses Mannes und dass man sich unwohl fühlen würde, ihm mehr als eine mündliche Verwarnung zu geben", schreibt Fowler in ihrem Blog. Er sei angeblich zu wertvoll gewesen, um ihn zu bestrafen.

Sie habe daraufhin auch andere Frauen im Unternehmen angesprochen. Dabei stellte sich heraus, dass ihre Geschichte nicht der einzige Fall sexueller Belästigung war. Manche Frauen hätten sich über genau denselben Manager beschwert, lange bevor sie zu Uber gekommen sei, schreibt Fowler. Auch ihnen habe man gesagt, der Mann habe sich vorher noch nichts zu Schulden kommen lassen.

"Komplettes, unerbittliches Chaos"

Laut Fowler war die Diskriminierung von Frauen bei Uber ein systematisches Problem. Auch eine andere Episode soll das verdeutlichen: Das Management bestellte für 120 Männer in ihrer Abteilung Lederjacken, aber nicht für die sechs Frauen, weil es wegen der geringen Zahl angeblich keinen Mengenrabatt gab. Als sie die Personalabteilung darauf hinwies, sei sie gefragt worden, ob sie vielleicht das Problem sei, schreibt Fowler. Ihr Vorgesetzter habe gedroht, sie zu feuern. Wieder habe sie sich darüber bei der Personalabteilung und sogar dem Technik-Direktor beschwert. Und wieder passierte nichts.

Nicht nur sexuelle Diskriminierung, sondern Grabenkämpfe zwischen rivalisierenden Managern seien bei Uber an der Tagesordnung: "Im Hintergrund tobte im oberen Management ein Game-of-Thrones-artiger Krieg", schreibt Fowler. Jeder habe gegen jeden um höhere Positionen gekämpft. In zahllosen Meetings hätten Manager mit dem Ausbooten ihrer Rivalen geprahlt. Die Konflikte hätten die Firma gelähmt: "Niemand wusste noch, was unsere Prioritäten waren und nur sehr wenig wurde überhaupt fertig." Als "komplettes, unerbittliches Chaos" beschreibt Fowler die Arbeit bei Uber.

Die Sex-Affäre könnte Uber-Chef Travis Kalanick und seine Firma weiter in Bedrängnis bringen. Weil er US-Präsident Donald Trump bis vor kurzem als Wirtschaftsberater diente, hatte es bereits einen Twitter-Shitstorm gegeben. Unter dem Hashtag #DeleteUber hatten Nutzer zum Boykott des Fahrdienstes aufgerufen. Kalanick musste seinen Posten für die Trump-Regierung räumen. Wegen der sexuellen Diskriminierung gehen ihm nun offenbar auch die Uber-Mitarbeiter von der Fahne. Als sie bei Uber anfing, habe die Frauenquote ihrer Abteilung bei 25 Prozent gelegen, schreibt Susan Fowler. Als sie ging, seien es nach ihren Berechnungen nur noch drei Prozent gewesen.

Quelle: ntv.de

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