Wirtschaft

Thalia-Chef im Interview So will der Buchhandel aus der Krise kommen

Romane, Sachbücher und Kinderliteratur stehen in einem Buchladen. Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild

Gelesen wird immer - aber auch gekauft?

(Foto: Jens Büttner/dpa/Archivbild)

Seit einigen Tagen haben die Buchhändler wieder geöffnet - aber hat man wieder Lust, dort zu suchen, zu blättern und zu schmökern? Für die Händler war diese Krise zwiespältig: Zum einen hatten die Menschen natürlich mehr Zeit zum Lesen, andererseits müssen viele Buchhandlungen ohnehin kämpfen.

Trotz heftiger Einbußen durch den Shutdown sieht der Geschäftsführer der Buchhandelskette Thalia Mayersche, Michael Busch, auch neue Chancen für den Einzelhandel. Nachdem 90 Prozent seiner Filialen wieder geöffnet haben, setzt er auf ein neues Bewusstsein der Kunden. "Viele Menschen haben in dieser Zeit gemerkt, wie wichtig die Läden in ihrer Gegend sind", sagte Busch im Podcast "Die Stunde Null".

Viele, auch kleinere Buchhändler hätten die Zeit genutzt, um sich im E-Commerce besser aufzustellen oder einen Liefer- und Abholservice zu etablieren. "Das hat mich sehr beeindruckt", so Busch. Viele Kunden würden zwar online bestellen, aber die Bücher vor Ort abholen - auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. "Wir haben nun alle mit Blick auf unsere Mülltonnen gesehen, was für einen gewaltigen Müll das Thema E-Commerce verursacht", sagte Busch.

Als Beispiel führt er die Plattform Shopdaheim.de an, die Thalia mit dem Buchhändler Osiander in der Krise ins Leben gerufen hat. Innerhalb der ersten zwei Wochen hatten sich Tausende Buchhandlungen und andere Handelsunternehmen angeschlossen. "Wir hatten teilweise rund 600.000 Zugriffe pro Tag", sagte Busch.

Die Zuwächse im Onlinegeschäft konnten den Schaden durch die Schließung der Läden allerdings nicht ausgleichen. Es gab "keine Chance, den Ausfall aus dem stationären Geschäft auch nur annähernd zu kompensieren", sagt Busch. Durch den Shutdown habe die größte Buchhandelskette des Landes einen Schaden im zweistelligen Millionenbereich erlitten. Im April waren 90 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, Thalia hatte in Filialen zudem nur die Hälfte der Miete gezahlt. Seit der Öffnung von etwa 90 Prozent der 350 Filialen sind die Angestellten auf 50 Prozent Kurzarbeit - diese Woche soll auf 30 Prozent reduziert werden.

In den Filialen gibt es nun Einlasskontrollen, nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter - in manchen Bundesländern sind es 20 Quadratmeter - darf in den Filialen sein. Es gibt Mundschutzpflicht, Desinfektionsmittel und die Zahl der Tische mit Büchern wurde reduziert.

Damit der Einzelhandel wieder in Schwung kommt, regt Busch an, die Mehrwertsteuer für den Einzelhandel im Non-Food-Bereich temporär auszusetzen. Außerdem sollte es möglich sein, im Dialog mit den Kirchen an Sonntagen und Feiertagen bis Ende Januar zu öffnen. Arbeit an Sonntagen sollte für Mitarbeiter allerdings auf freiwilliger Basis erfolgen.

Busch lobte die Regierung für die schnellen und entschlossenen Maßnahmen. Die Kurzarbeit sei ein erfolgreiches Instrument gewesen, die Darlehen sieht er zwiespältig. "Darlehen sind wichtig, um die Überlebensfähigkeit zu sichern, haben allerdings den großen Nachteil, dass sie ein süßes Gift sind, denn man muss sie ja zurückzahlen."

Der Corona-Schock hat Deutschland und die ganze Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Wie verändert sie unser Leben? Und welche Auswege gibt es? Im Podcast "Die Stunde Null – Deutschlands Weg aus der Krise" stellt "Capital"-Chefredakteur Horst von Buttlar diese Fragen den Menschen, die durch die Krise steuern: Unternehmern, Wissenschaftlern, Managern, Philosophen und Ökonomen.

Quelle: ntv.de, jga

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