Wirtschaft

Clinton oder Trump for President? Was mit der US-Wahl auf dem Spiel steht

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Das Oval Office im Weißen Haus.

(Foto: REUTERS)

Trump als US-Präsident gilt nicht nur als Risikofaktor für Amerika - auch Europa und Deutschland würden ihn bitter zu spüren bekommen. Ist Clinton deshalb die bessere Wahl? Was die Kandidaten für Freihandel, TTIP und Wirtschaftskraft bedeuten.

Was der größten Volkswirtschaft der Welt nach der Wahl von Hillary Clinton oder Donald Trump blüht, ist schwer vorherzusagen. Vieles hängt davon ab, was von deren Ankündigungen nach der Wahl politisch umsetzbar ist. Besonders mit einem Präsidenten Trump könnte sich allerdings einiges ändern - nicht nur für Amerika.

Trump hat seine Zukunftsvision für Amerika im Wahlkampf so beschrieben: "Amerikanische Autos auf amerikanischen Straßen, amerikanische Flugzeuge verbinden unsere Städte, amerikanische Schiffe fahren auf dem Meer!" Ausländische Konkurrenz raus aus Amerika und Riegel vor - diese protektionistische Haltung "America first" könnte teuer für die größte Wirtschaftsmacht der Welt werden. Sollte Trump seinen Plan als Präsident umsetzen, dürfte das den Außenhandel und die US-Wirtschaft bremsen. Die US-Verbraucher müssten verstärkt heimische, teurere Produkte kaufen.

Auch Deutschland würde die Abschottung zu spüren bekommen. Denn die USA sind seit vergangenem Jahr das wichtigste Exportland. "Trump ist ein Risiko nicht nur für die Außenpolitik, sondern auch den Außenhandel", sagt Holger Schmiedig, Chefvolkswirt der Berenberg Bank n-tv.de. Auch China müsse zittern. Niemand könne einschätzen, was er vorhabe. "Wird er China als Währungsmanipulator brandmarken und einen Handelskrieg mit China vom Zaum brechen, wie er es angekündigt hat?" Sicher sei, "Störungen im Welthandel würden Deutschland und Europa weit mehr treffen als die USA selbst", sagt Schmieding weiter.

Trump hat sich klar gegen Freihandel positioniert. Sollte er siegen, sei das Freihandelsabkommen TTIP tot, sagt der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, im Deutschlandfunk. Mit Clinton habe das Abkommen zumindest eine Chance. Clinton sei in der Lage, sich "in diese Rolle hineinzudenken", auch wenn Freihandel kein Thema der Demokraten sei. Schmieding ist da weniger optimisitsch. Ob Clinton "das wichtige und vorteilhafte Handelsabkommen TTIP" abschließen werde, sei "mehr als unsicher". In dem Punkt unterscheide sie sich "nur graduell" von Trump.

In einem sind sich die Ökonomen aber einig: Widerstand gegen Freihandel wirkt wachstumshemmend für die Wirtschaft. Auch Trumps rechtspopulistisches Gehabe gegenüber Immigranten ist wirtschaftsfeindlich. Eine der großmundigsten und medienwirksamsten Ankündigungen des Republikaners war, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu bauen. Vorrangiges Ziel soll es dabei sein, illegale Einwanderung zu verhindern. Tatsächlich will Trump aber viel mehr. Er will Zuwanderung von Ausländern grundsätzlich unterbinden, das heißt, auch den Zuzug von Fachkräften. Hüther warnt, dass dies insbesondere für Kalifornien problematisch werden könnte. Im Silicon Valley sei man bereits alarmiert.

Die Mitte der USA wird abgehängt

Sieben Millionen Menschen im bedeutendsten Standort der IT- und High-Tech-Industrie südlich von San Francisco sorgen dafür, dass "alle anderen 750 Dollar mehr BIP pro Kopf statisch haben", rechnet Hüther vor. Der boomende Staat sei auf Menschen, die zuwandern, angewiesen. Das gleiche gelte für den Großraum New York mit 18 Millionen Menschen, der noch mal "für weitere 1300 Dollar" sorge. Mit der Abschottung dieser Regionen vom Rest der Welt steht damit nicht weniger als der Reichtum aller Amerikaner zur Disposition.

Fraglich ist dann, was mit der abgehängten Mitte Amerikas passieren soll. Trump habe für diese Globalisierungsverlierer keine Lösungsvorschläge, so Hüther, der Gastprofessor an der kalifornischen Stanford University ist. Clinton versuche zumindest, diese Menschen mitzunehmen - leider wüssten diese nur nichts davon.

Ganz oben auf Trumps Agenda steht das Schuldenmachen. Er hat ein riesiges Infrastrukturprogramm angekündigt - finanziert auf Pump. Erst im vergangenen Jahr ist die Verschuldung der USA wieder auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Mit derzeit rund 66 Billionen Dollar tragen die USA bereits mehr als ein Viertel der weltweiten Schuldenlast, die vom "Wall Street Journal" auf 223 Billionen Dollar beziffert wird. Diese enormen Schulden sind ein Problem, denn sie bremsen das Wirtschaftswachstum.

Der Immobilienmagnat hat sich im Wahlkampf gerne damit gebrüstet, etwas von Geschäften zu verstehen. Wirtschaftsexperten bezweifeln das und verweisen dabei auf Trumps Pleiten als Unternehmer.

An der Börse kam Trumps Investitionsprogramm trotzdem gut an: Aktien aus dem Bereich Baumaterialien profitierten als erstes. Auch bei Ökonomen traf er einen Nerv. Obwohl sich das Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal beschleunigt hat, sind die Rufe nach Konjunkturprogrammen zuletzt lauter geworden. Das ist offenbar auch Clinton nicht entgangen. Sie will als Präsidentin ebenfalls die Ausgaben erhöhen. Für die Binnenwirtschaft wäre das "wahrscheinlich nicht gut", sagt Berenberg-Volkswirt Schmieding.

Finanzbranche pro Clinton

Die Wall Street hat sich schon lange festgelegt, wen sie im Weißen Haus sehen will. Trump hasst die Wall Street - allen voran die Banken. Ihm wird zugetraut, sich dem Konzept des "Narrow Banking" zu verschreiben. Bei diesem werden Banken auf Kredit- und Einlagengeschäfte eingeschränkt sowie auf extreme Reservehaltung verpflichtet. Schlechte Aussichten für Unternehmer und Verbraucher, denn Kredite würden knapper werden.

Von Clinton versprechen sich die Börsen vor allem eins: Stabilität. Die US-Wirtschaft würden größere negative Veränderungen erspart bleiben, und die Notenbank Fed könnte ihre Zinspolitik wie geplant weiterführen, so die Hoffnungen.

Die Finanzlobby hat Clinton im Wahlkampf stark unterstützt. Unter anderem griffen Goldman Sachs, Citigroup, JP Morgan und Morgan Stanley für einen Vortrag von Clinton tief in die Tasche. Auszüge von Redemanuskripten, die Wikileaks veröffentlichte, liefern einen Eindruck vom Ausmaß ihrer Verbindungen in die höchsten Finanzkreise. Die meisten Amerikaner missbilligen diese Nähe zur Finanzlobby. Sie könnte für Clinton sogar zum Verhängnis werden.

Trotz der engen Verknüpfungen wird eine Clinton-Ära für die Finanzbranche aber auch kein Durchmarsch werden. "Die linken Anhänger der Demokraten um Bernie Sanders und Elizabeth Warren werden ihren Einfluss geltend machen, um den Finanzsektor schärfer zu regulieren", sagt Schmieding. Insgesamt neige Clinton zu mehr Regulierung, mehr Staatsausgaben und höheren Steuern. "Das wird die Wirtschaft auf Dauer eher etwas belasten."

Trotzdem ist Clinton für Schmieding die bessere Wahl, "vor allem in den Dingen, die für Europa wichtig sind". Trump biete ökonomisch gesehen keinen überzeugenden Ausblick, sagt auch Hüther. "Wenn Clinton gewinnt, heißt das für Deutschland und Europa vor allem, das wir das Risiko eines unberechenbaren und unzuverlässigen Trump vermeiden", so Schmieding weiter. Sie sei außenpolitisch erfahren, sie wisse den Wert der Nato zu schätzen. Und sie würde keinen Handelskrieg mit China anzetteln.

Einer Präsidentin Clinton würde allerdings auch ein weiterhin republikanisch beherrschtes Abgeordnetenhaus gegenüberstehen. "Damit hat sie kaum Spielraum, in der Innen- und Wirtschaftspolitik viel zu bewegen", sagt auch Schmieding. Das wahrscheinliche Ergebnis einer Präsidentin Clinton sei, "dass sehr wenig passiert abgesehen von einem Programm, die Ausgaben für Infrastruktur zu steigern".

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Quelle: n-tv.de

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