Wirtschaft

Tag der Entscheidung naht Thyssenkrupp schreibt Verluste

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Ehrliche Arbeit mit glühendem Stahl: Für Thyssenkrupp arbeiten weltweit mehr als 160.000 Menschen.

(Foto: REUTERS)

Deutschlands größter Stahlkonzern steckt tief in Schwierigkeiten. Zum Auftakt des laufenden Geschäftsjahrs muss das taumelnde Schwergewicht erneut Verluste hinnehmen. In wenigen Wochen soll die Entscheidung über die Zukunft von Thyssenkrupp fallen.

Der Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp hat auch im ersten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. Vor allem das Stahlgeschäft lief schwach. Dazu belasteten Kosten für den Konzernumbau, höhere Zinsaufwendungen für Finanzschulden sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit der geplanten Trennung vom Aufzugsgeschäft. Das Aufzugsgeschäft stach bei der Entwicklung der Thyssenkrupp-Geschäfte heraus und war in der Zwischenbilanz zum Auftaktquartal der einzige nennenswerte Gewinnbringer.

Unterm Strich belief sich der Nettoverlust in den drei Monaten bis Ende Dezember auf 372 Millionen Euro, wie das mittlerweile im MDax notierte Unternehmen in Essen mitteilte. Im Vorjahresquartal hatte Thyssenkrupp noch einen Gewinn von 60 Millionen Euro erzielt. An der Börse lösten die Zahlen enttäuschte Reaktionen aus: Analysten hatten mit einem wesentlich geringeren Verlust gerechnet.

Countdown zur Aufspaltung?

Wie es mit Thyssenkrupp insgesamt weiter geht, soll in wenigen Wochen feststehen: Ende Februar fällt früheren Ankündigungen zufolge die Entscheidung über einen Teil- oder Komplettverkauf beziehungsweise einen Börsengang.

Zuletzt machte Thyssenkrupp neben den verschiedenen hauseigenen Problemen vor allem auch die schwache Konjunktur zu schaffen, die sich für den Schwerindustriegiganten vor allem im Geschäft mit Stahl und der Nachfrage aus der Automobilindustrie bemerkbar macht. Der Umsatz sank leicht um ein Prozent auf knapp 9,7 Milliarden Euro.

Thyssenkrupp
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Operativ verdiente das Unternehmen - Sondereffekte herausgerechnet - deutlich weniger. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 77 Prozent auf 50 Millionen Euro ein. Den größten Ergebnisbatzen lieferte das Aufzugsgeschäft, das einen operativen Gewinn von 228 Millionen Euro beisteuerte. Dagegen lieferte das Stahlgeschäft einen Verlust von 164 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte Thyssenkrupp hier noch einen kleinen Gewinn von 38 Millionen Euro verbuchen können.

17 Milliarden Euro aus dem Verkauf?

Für viele Anleger problematisch ist, dass Thyssenkrupp sich erklärtermaßen vom Aufzugsgeschäft trennen will - und damit den aktuell wichtigsten Gewinnbringer verkaufen will. Dabei stehe die Transaktion unmittelbar "vor der Entscheidung", wie Vorstandschefin Martina Merz erläuterte. Mehrere Finanzinvestoren sowie Wettbewerber hatte zuletzt Angebote eingereicht, darunter der finnische Aufzughersteller Kone, der annähernd 17 Milliarden Euro in die Hand nehmen will. Theoretisch möglich ist auch immer noch ein separater Börsengang der Aufzugssparte.

Künftig will sich Thyssenkrupp wieder verstärkt auf den Stahl konzentrieren, die Erlöse aus der Trennung vom Aufzugsgeschäft sollen den Konzernumbau finanzieren. Zwei bis drei Jahre veranschlagt Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens mit seinen weltweit mehr als 160.000 Mitarbeitern. In der Stahlsparte gab es dazu zuletzt Unruhe - so tauscht Thyssenkrupp den Chef wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung aus. Premal Desai wird sein Amt Ende Februar niederlegen, übernehmen wird Bernhard Osburg.

Am Ausblick auf das Gesamtjahr hält Thyssenkrupp fest. Für den Umbau hat der Konzern einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag reserviert. Da auch der konjunkturelle Rückenwind fehlt, dürfte das Unternehmen im neuen Geschäftsjahr 2019/20 demnach noch tiefer in die Verlustzone rutschen als im Vorjahr, als Thyssenkrupp einen Jahresfehlbetrag von 260 Millionen Euro auswies. Das bereinigte Ebit sieht die Konzernführung in etwa stabil bei 802 Millionen Euro. Dabei dürfte sich das Stahlgeschäft schwächer entwickeln.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa