Wirtschaft

Reisekonzern schafft die Wende Tui überrascht mit Gewinn

TUI verdient wieder Geld.

TUI verdient wieder Geld.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei Europas größtem Reiseveranstalter trägt das Sparprogramm erste Früchte. Zwar belastet es das Ergebnis. Doch das Unternehmen übertrifft die Erwartungen. Zum Erfolg tragen zudem höhere Reisepreise und die Containersparte Hapag-Lloyd bei. Dagegen leidet der Umsatz unter dem starken Euro. Und die Unruhen in Nordafrika verderben das Geschäft in Frankreich

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Der Reiseveranstalter Tui hat im dritten Quartal überraschend wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dabei profitierte der Konzern von höheren Preisen, der Erholung der Container-Reederei Hapag-Lloyd  sowie vom Wegfall von Einmalbelastungen bei der britischen Touristiktochter. Unter dem Strich entfiel auf für das Jahresviertel bis Ende Juni auf die Aktionäre ein Gewinn von 15 Millionen Euro, wie Europas größter Urlaubsanbieter mitteilte. Experten hatten ein Minus in Höhe von 13 Millionen Euro erwartet. Im Vorjahr war noch ein Defizit von drei Millionen Euro angefallen.

Gerechnet auf alle Gesellschafter verdreifachte sich der Quartalsgewinn fast und stieg von 9 Millionen auf 25 Millionen Euro. "Das laufende Geschäftsjahr ist ein Übergangsjahr auf dem Weg zurück zur Dividendenfähigkeit", sagte Tui-Vorstandschef Friedrich Joussen.

Gästezahl gesunken

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012/2013 sank das Ergebnis unter dem Strich um fast ein Fünftel auf minus 467 Millionen Euro. Eine Erklärung sind die saisonalen Bedingungen  - die Branche verdient vor allem mit dem Sommerurlaub. Tui verweist zudem auf die Kosten des Sparprogramms. Joussen hatte Mitte Mai angekündigt, dass Europas größter Reisekonzern die Mitarbeiterzahl in der Zentrale von rund 200 auf etwa 90 reduzieren wird. Im Zuge der Rosskur verkaufte Joussen inzwischen auch den Firmenjet. Zudem beendet der Konzern seine Sponsoringaktivitäten.

Im dritten Quartal musste der Konzern wegen ungünstiger Währungseffekte trotz Gewinns Einbußen beim Umsatz hinnehmen. Während die britische Touristiktochter Tui Travel ein Erlösplus von fünf Prozent verzeichnete, musste die deutsche Mutter wegen des starken Euro ein Minus von einem Prozent auf rund 4,7 Milliarden Euro hinnehmen. Die Briten tragen den Löwenanteil zu Konzernumsatz und -gewinn bei Tui bei.

Auf Neunmonatssicht stehen Einnahmen von 11,5 Milliarden Euro - 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Für die laufende Sommersaison meldet das Unternehmen vier Prozent mehr Umsatz bei einem um sechs Prozent höheren Durchschnittsreisepreis. Die Gästezahl sank indes um minus zwei Prozent.

Hapag-Lloyd liefert Gewinn-Beitrag

Wesentlich besser sieht es im dritten Quartal beim operativen Ergebnis (EBITA) aus, das sich wegen ausbleibender Belastungen der britischen Tochter fast verdoppelte. Im Vorjahresquartal litten die Briten unter diversen Sondereffekten- etwa eine Abschreibung auf die Beteiligung an der schwächelnden Fluggesellschaft Air Berlin.

Das um Einmalaufwendungen bereinigte operative Ergebnis verschlechterte sich aber, unter anderem wegen einer neuen Bilanzierungsvorschrift für Leerflüge und fiel um 15,4 Prozent auf 86,5 Millionen Euro.

Zu den schwarzen Zahlen unter dem Strich trug auch die Beteiligung an der Containerreederei Hapag-Lloyd bei: Nach einem Verlust von 3 Millionen Euro im Vorjahr, trug der 22-prozentige Anteil nun einen Gewinn von 3,9 Millionen Euro bei. Trotz des harten Wettbewerbs konnte Hapag-Lloyd die Kosten senken und zudem von einem leichten Rückgang der Brennstoffkosten profitieren.

Vorstandschef Joussen zeigte sich trotz der Aufwendungen für die geplanten Restrukturierungen weiterhin zuversichtlich, im Gesamtjahr Umsatz und operatives Ergebnis leicht zu verbessern und einen Konzerngewinn vor Abzug von Minderheiten zu erreichen.

Touristikunternehmen wie Tui und Thomas Cook verdienen das meiste Geld in der Hochreisezeit von Juli und Ende September. Alle anderen Quartale sind von den Vorauszahlungen belastet, die Reiseveranstalter für die Buchung von Flug- und Hotelkapazitäten leisten müssen.

Wettbewerber Thomas Cook steht gegenwärtig nicht so gut wie Tui da. Er hat vor geraumer Zeit den Trend zu Buchungen im Internet verschlafen und muss nun viel Geld investieren, um an diesem Geschäft stärker teilhaben zu können. Außerdem setzt das Unternehmen nun verstärkt auf Reiseangebote, die kein Wettbewerber im Programm hat. Mit dieser Strategie hat Marktführerin Tui den Abstand zur Nummer zwei in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert.

Tui denkt über drittes Schiff nach

Mit Blick auf die Reiseziele sagte Joussen, dass sich vor allem Mittelmeer-Ziele in Spanien oder Griechenland wieder größter Beliebtheit erfreuten. "Griechenland hat eine Renaissance durch die Schwierigkeiten in Ägypten." Die politischen Wirren dort führen dazu, dass Tui die Kapazitäten im Land überdenkt. Die politisch instabile Lage in Nordafrika macht die historisch in diese Region orientierten Franzosen zum Sorgenkind im Tui-Reiseimperium: Joussen kündigt für das Frankreich-Geschäft weitere Umstrukturierungen an.

"Bärenstark" entwickelt sich dagegen im reisestarken Sommerhalbjahr nach Angaben des Managements das Luxusgeschäft mit den Kreuzfahrten und Fernreisen. Die Auslastung der beiden Kreuzfahrtschiffe von Tui Cruises liegt mittlerweile bei 100 Prozent. "Mehr geht nicht; wir brauchen ein drittes Schiff!", sagte Joussen.

Das einstige Problemkind Hapag-Lloyd Kreuzfahrten befinde sich unter neuem Management auf Kurs in besseres Wetter. Zudem buchten Skandinavier und Briten wie kaum zuvor bei Europas größtem Reisekonzern. Dagegen sank die Zahl der deutschen Tui-Kunden im vergangenen Quartal um fünf Prozent unter den Vorjahreswert. Dafür gaben sie mehr aus - die höheren Preise kompensierten bei den Umsatzzahlen den Rückgang der Gästezahl. Der Tui-Chef sieht Luft nach oben: "Deutschland ist noch nicht an dem Ziel, an dem die nordischen Ländern sind."

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa

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