Wirtschaft

Bitcoin-Millionär im Interview "Über Geld reden ist langweilig"

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In den ersten Jahren entwickelt sich der Bitcoin abseits der Augen der Öffentlichkeit.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Der sagenhafte Kursanstieg der Digitalwährung Bitcoin hat einige vom ganz großen Geld träumen lassen. Doch in Bitcoin zu investieren, ist Zocken auf hohem Niveau, sagt Bitcoin-Pionier Robert Küfner n-tv.de. Viel interessanter sei sowieso: die revolutionäre Technologie dahinter.

n-tv.de: Wer in Bitcoin investiert, muss bereit sein, alles zu verlieren. Sie haben viel riskiert und gewonnen. Mit 30 Jahren gehören Sie zu den Bitcoin-Pionieren und sind Millionär. Was haben Sie richtig gemacht?

Robert A. Küfner: In Bitcoin zu investieren, ist Zocken auf hohem Niveau. Eine sichere Kapitalanlage ist es nicht. Ich hatte vor zehn Jahren gar keine Kohle, die ich hätte investieren können. Stattdessen habe ich damals Bitcoins geschürft. Gar nicht unbedingt aus ideologischen Gründen, sondern aus reiner Neugier an der Technik. Als ich festgestellt habe, wie sehr sich die Investition gelohnt hat, habe ich alles reinvestiert. 2010 hat niemand damit gerechnet, dass in so kurzer Zeit solche Preissteigerungsraten für die damals nahezu wertlosen Coins überhaupt möglich sind.

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Robert Küfner

Wie viel Geld Sie verdient haben, wollen Sie nicht verraten. Wieso wird in der Krypto-Szene nicht über Geld geredet?

Über Geld reden ist langweilig. Die Transparenz bei Krypto-Währungen geht mit Anonymität und Privatsphäre einher. Das Krypto-Universum ist im anarchischen Untergrund als Gegenstück zum gläsernen Bürger entstanden. Privatsphäre wird gerade heute viel zu wenig geschätzt. Im Krypto-Universum haben wir die Möglichkeit, solche Zahlen nicht offenlegen zu müssen.

Der Kursverlauf spricht gegen den Bitcoin. Wo sehen Sie noch Potenzial?

Selbst wenn sich in der Krypto-Szene viele über einbrechende Kurse beschweren, gibt es eine massive Preissteigerung gegenüber dem Euro oder dem Dollar. Ein Bitcoin ist immer noch ein Bitcoin. Viele andere Währungen sind abgewertet worden. Euro und Dollar haben rund um den Erdball an Stückzahl zugenommen. Alle großen Notenbanken haben Geld bis zum Gehtnichtmehr gedruckt. Die Schwankungen beim Bitcoin sind in der aktuellen Marktsituation dabei im Vergleich immer noch niedriger als an den Börsen.

Sollten Anleger noch einsteigen?

Generell würde ich jedem empfehlen, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Ich halte es für fatal, wenn Leute blind investieren, ohne das Geschäft zu verstehen. Ich persönlich konzentriere mich nicht nur auf die Spekulationen mit Krypto-Token, sondern auch auf die zugrundeliegende Technologie. Unabhängig davon, wie sich Bitcoin und Co. entwickeln, die revolutionäre Technologie wird bleiben. Sie hat das Potenzial, Märkte aufzurütteln, neue Geschäftsfelder zu erfinden und alte zu ersetzen. Wie sich der Bitcoin in den nächsten Jahren entwickeln wird, weiß ich nicht. Aber ich glaube an ihn - insbesondere in einem schwierigen Marktumfeld. Einen Rentenfonds aufzulösen und in Krypto zu investieren, davon würde ich aber abraten.

Wie kann die Wirtschaft von der Blockchain profitieren?

Die Blockchain-Technologie wird in Zukunft in jeder größeren Industrie eine Rolle spielen. Gerade Deutschland ist eigentlich dafür prädestiniert, sie zu adaptieren. Berlin ist ein Hotspot der internationalen Szene. Besonders der Automobilsektor kann von ihr profitieren. Die Manipulation von Tachoständen könnte mit ihr ein Relikt der Vergangenheit sein. Sobald eine Fahrzeugidentifikationsnummer, die aktuelle Uhrzeit und ein Kilometerstand in einer dezentralen Datenbank gelistet sind, erhält man valide und unkompromittierbare Informationen, die sich in einer Blockchain speichern lassen. Die Technologie kann auch Mittelsmänner ersetzen. Banken, Börsen und Versicherungen werden in der Zukunft zunehmend automatisiert. Überall wo Vertrauen oder der Transfer von Werten beziehungsweise die Absicherung von Informationen gefragt ist, können wir von ihr profitieren.

Glauben Sie noch, dass Krypto-Währungen ein Garant für ein gerechteres Finanzsystem sein können?

Ich bin kein linker Anarchist. Aber wenn wir darüber sprechen, dass Hacker Coins abgezogen haben und Menschen geprellt worden sind, sollten wir nicht vergessen, was jeden Tag in unserem Weltwirtschaftssystem passiert. Unser aktuelles System beutet eine breite Masse der Bevölkerung aus. Unser kapitalistisches System ist nicht darauf ausgelegt, dem Bürger zu dienen, sondern sich selbst. Und das auf Kosten der Allgemeinheit. Ich gehe davon aus, dass wir durch Dezentralisierung, die mit offenen Netzen und Blockchain erreicht wird, zu einem gerechteren Finanzsystem kommen werden. Das heißt nicht, dass der Bitcoin alle Währungen ersetzen wird. Aber die Marschrichtung ist klar.

Vielleicht befreit uns die Blockchain von der Geißel der Zentralisierung. Die Europäische Zentralbank warnt aber vor einem Schneeballsystem. Ist die Kritik gerechtfertigt?

Der Bitcoin ist nicht der heilige Gral. Die Technologie dahinter ist aber definitiv schneller, sicherer, effizienter, nachvollziehbarer und dem herkömmlichen System überlegen. Sie ist ein Wendepunkt in der menschlichen Evolution. Die Kritik wird schon bald abflauen. Wir brauchen keine Mittelsmänner und keine Rahmenstrukturen mehr. Vertrauen ist ein riesiges Gut. Es wurde von Regierungen und Banken institutionalisiert. Mit der Blockchain haben wir für dieses Problem jetzt eine Lösung.

Allerdings gibt es immer noch eine große legale Grauzone. Wird diese technologische Innovation deswegen möglicherweise verpuffen?

Die letzte digitale Revolution haben wir in Deutschland überhaupt nicht mitgestaltet. Die moderne Technologie, die wir heute verwenden, kommt aus dem Silicon Valley. Wir haben nur versucht, Schritt zu halten. Jetzt findet direkt vor unseren Augen die nächste digitale Revolution statt. Wir können die Zukunft mitgestalten. Die Regierung macht gerade einiges richtig, indem sie die Zügel locker lässt.

Mit Robert A. Küfner sprach Juliane Kipper

Quelle: n-tv.de

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