Wirtschaft

Nach beispiellosem Machtkampf VW einigt sich mit Zulieferern

Im Lieferstreit bei Volkswagen ist beigelegt. Vertreter des Konzerns und von zwei Zulieferern hatten seit gestern Mittag verhandelt. Nun soll VW in Kürze wieder mit Sitzbezügen und Getriebeteilen versorgt werden.

Im Lieferstreit zwischen dem Autokonzern Volkswagen und zwei wichtigen Zulieferern gibt es nach VW-Angaben eine Einigung. Die Lieferanten nehmen die Belieferung von Volkswagen kurzfristig wieder auf, wie ein VW-Sprecher mitteilte. Die vom Lieferstopp betroffenen Standorte bereiteten nun "schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor". Über Inhalte der Einigung sei Stillschweigen vereinbart worden.

Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobt seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen. Die Hintergründe sind unklar. Wegen eines Lieferstopps stehen bei dem Autobauer viele Bänder still: Der Konzern wartet auf Getriebeteile und Sitzbezüge von den Zulieferern ES Automobilguss und Car Trim, die zur Unternehmensgruppe Prevent gehören. Beide Zulieferer hatten ihr Vorgehen mit einer offenen Schadenersatzforderung nach der Kündigung eines Auftrags durch VW begründet.

Wegen des Streits können laut VW insgesamt 27.700 Mitarbeiter in mehreren Werken nicht so arbeiten wie geplant. Allen voran steht im Stammwerk Wolfsburg die Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf still. Der Autobauer sprach von "Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zu Kurzarbeit". Die Zulieferer-Branche befürchtet bereits Auswirkungen auch auf andere Lieferanten. Die Bundesregierung hatte am Montag eine Lösung angemahnt.

Bei der Firma ES Automobilguss in Schönheide im Erzgebirge war für den Nachmittag zudem eine Betriebsversammlung geplant. Daraus erhofften sich die Arbeitnehmervertreter Antworten auf die vielen Fragen zur Zukunft des Zulieferers. Volkswagen hatte neben der Verhandlungslösung auch immer betont, notfalls auf gerichtlichem Wege eine Herausgabe der Teile zu verlangen.

Niedersachsens Regierungschef kartet nach

Unmittelbar nach der Einigung kritisierte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil das Vorgehen der Zulieferer. "Es bleibt bei mir ein Unbehagen über das Vorgehen der Prevent Group, die nicht bereit war, den in unserem Rechtsstaat vorgesehenen Weg einer Klärung vor den Gerichten zu gehen", sagte der SPD-Politiker. Die Zulieferergruppe habe "stattdessen einen Großkonflikt mit beträchtlichen Schäden eröffnet". Gerichte hatten die Zulieferer in Einstweiligen Verfügungen zur Wiederaufnahme der Lieferungen verpflichtet. Die Unternehmen reagierten darauf zunächst aber nicht.

Weil gab sich zugleich aber erleichtert. "Es ist gut, dass jetzt eine Einigung erfolgt ist und damit die Klärung eines Streits, der für alle Beteiligten wirtschaftlich schädlich und belastend war", sagte er. Die Volkswagen-Beschäftigten könnten nun "rasch wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren". Sie seien "Opfer eines Konflikts geworden, der ohne Not auf ihrem Rücken ausgetragen worden ist". "Dieses Beispiel darf keine Schule machen", forderte Weil mit Blick auf das Vorgehen der Zulieferer.

Auch an der Börse sorgte die Einigung für Erleichterung. Der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktie lag am Vormittag rund 2,5 Prozent im Plus. Die Marktteilnehmer hätten "nach dem Dieselgate einfach keine weitere offene Flanke bei VW sehen" wollen, sagte dazu ein Händler.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/DJ

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