Wirtschaft

Werke brauchen neue Aufgaben VW steht Jobabbau bevor

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Auslaufmodell? Bislang produziert VW in Salzgitter Verbrennungsmotoren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Volkswagen will bald deutlich mehr Elektroautos produzieren. Die Folge: Viele Mitarbeiter, die derzeit Getriebe und Verbrennungsmotoren herstellen, werden nicht mehr gebraucht. Der Konzern steht vor einem Umbau.

Der Wandel in der Automobilbranche in Richtung Elektrifizierung und Digitalisierung soll bei Volkswagen nicht zu Lasten der Mitarbeiter und Standorte gehen. "Es wird neue Aufgaben geben, aber andere werden schrittweise wegfallen", sagte VW-Personalchef Karlheinz Blessing dem "Handelsblatt". Er versprach: "Wir wollen bei der Transformation ein Maximum an Arbeitsplätzen und alle Standorte erhalten."

"Wo es möglich ist, werden wir frei werdende Arbeitsplätze nicht wiederbesetzen", wenn etwa die ersten Mitarbeiter aus der Babyboomer-Generation ab 2019 in Rente gingen, sagte Blessing. "Sollten darüber hinaus Stellenreduzierungen nötig werden, haben wir gute Erfahrungen mit zurückhaltenden Einstellungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Altersteilzeitangeboten gemacht." Betriebsbedingten Kündigungen gebe es bei Volkswagen nicht. Eine Zahl der betroffenen Arbeitsplätze zu nennen, "wäre spekulativ", so Blessing.

Der VW-Konzern rechnet damit, dass 2025 jedes vierte Auto mit reinem Elektroantrieb vom Band rollt. Diese Wagen haben weder einen klassischen Verbrennungsmotor noch entsprechende Getriebe. Für die sogenannten Komponentenwerke wie Kassel (Getriebe) und eben Salzgitter (Motoren) bedeutet das große Umwälzungen. Sie stehen schon heute im konzerninternen Wettbewerb, etwa aus Osteuropa. "Das lassen wir natürlich nicht einfach geschehen. Wir arbeiten intensiv an einem Konzept, das auch diese Standorte zukunftsfest macht." Standortschließungen stünden weder in Deutschland noch im Ausland zur Debatte.

Zu Salzgitter mit seinen rund 7000 Beschäftigten sagte Blessing: "Der Verbrennungsmotor wird auf lange Sicht an Bedeutung verlieren. Damit würden dem Werk Produkt und Arbeit verloren gehen. Deshalb braucht Salzgitter langfristig betrachtet neue Aufgaben." Man prüfe daher Aktivitäten bei Batterien.

Weltweit steigt Mitarbeiterzahl weiter

Bekannt ist bereits, dass VW über eine eigene Produktion von Batterien nachdenkt, die das neue Herz der E-Mobilität bilden. Dabei will der Autobauer jedoch die Zellen, die die Batterie bilden, offensichtlich nicht selber machen. "Das wäre ein Witz", sagte Konzernchef Matthias Müller kürzlich mit Blick auf die Kosten.

Der VW-Betriebsrat und die Arbeitgeberseite verhandeln derzeit einen "Zukunftspakt", der bei kritischen Punkten wie dem Motorenwerk in Salzgitter Sicherheiten für die Belegschaft regeln soll - also etwa Zusagen für künftige Produkte, Investitionen und Personalbedarf. Dieser Pakt soll weitgehend bis zur Etatrunde im November stehen.

Blessing betonte aber auch den Handlungsdruck für einen Wandel: "Wir können uns das gar nicht aussuchen, wir müssen den Umbau vorantreiben, wenn wir Konzern und Marke zukunftsfest aufstellen wollen. Um Mitarbeiter für neue Aufgaben fit zu machen, solle unter anderem lebenslanges Lernen im Beruf helfen. "Es gibt aber auch Beschäftigte, denen wir nicht mehr mit IT-Qualifizierung kommen können, zum Beispiel, weil sie nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben. In diesen Fällen haben wir Instrumente wie Altersteilzeit", so der Personalvorstand.

Zuletzt hinkte der von der Abgaskrise gebeutelte Konzern seinem Beschäftigungsrekord im Inland hinterher. Im ersten Halbjahr sank die Zahl der Mitarbeiter hierzulande um 600 auf 278.100. Zum Ende des ersten Quartals war der Schwund mit rund 800 noch größer ausgefallen. Weltweit ist der VW-Konzern dagegen weiter auf Wachstumskurs.

Quelle: ntv.de, mbo/DJ/dpa

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