Wirtschaft

Akteure für Manipulation VW wirft vier Topmanager raus

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Ulrich Hackenberg konnte sich Hoffnung auf den Audi-Chefposten machen. Nun muss er den Konzern verlassen.

(Foto: REUTERS)

Der Volkswagen-Aufsichtsrat macht Ernst. Übereinstimmenden Berichten zufolge stehen nach dem Rücktritt von Konzernchef Winterkorn weitere Vorstände vor der Entlassung.

Der Skandal um Software-Manipulationen bei der Abgasmessung zieht im Volkswagen-Konzern eine ganze Welle von personellen Konsequenzen nach sich: Wegen der Affäre werden die Entwicklungsvorstände von Audi und Porsche, Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz, voraussichtlich den Konzern verlassen.

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Hackenberg ist seit dem Jahr 2013 Audi-Vorstand. Zuvor leitete der heute 65-Jährige die Entwicklung der Marke Volkswagen. Hatz ist seit dem Jahr 2011 Porsche-Entwicklungsvorstand. Im Volkswagen-Konzern war er zuvor für die Motoren- und Getriebeentwicklung verantwortlich.

Die "Autobild" berichtete zudem, der bisherige Volkswagen-USA-Chef Michael Horn werde durch Winfried Vahland ersetzt. Vahland leitet bislang die Konzerntochter Skoda. Nach dem Bericht des "Spiegel" soll auch Heinz-Jakob Neußer, der Entwicklungsvorstand der Marke Volkswagen, seinen Posten verlassen.

Die Personalentscheidungen kommen mit Ansage. Das Präsidium des Volkswagen-Konzernaufsichtsrats hatte schon gestern "weitere personelle Konsequenzen" vorausgesagt. Zuvor hatte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn seinen Rücktritt angekündigt. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell", ließ sich der 68-Jährige in einer Erklärung zitieren.

Volkswagen hatte nach einer Veröffentlichung amerikanischer Behörden am Wochenende zugegeben, die Steuerungssoftware bestimmter Dieselmotoren so konzipiert zu haben, dass sie bei Abgastests den wahren Schadstoffausstoß verschleiert. Im normalen Verkehr stoßen die betroffenen Autos nach den Behördenangaben viel mehr Stickoxid aus als in Testsituationen.

Aktie bricht ein

Der Skandal löste am Montag und Dienstag Einbrüche des Volkswagen-Aktienkurses aus. Die Papiere verloren innerhalb der zwei Tage fast 40 Prozent ihres Werts. Dazu trug die Ankündigung von Volkswagen bei, noch im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden Euro zurückzustellen, um die zunächst erwarteten finanziellen Auswirkungen des Skandals abzudecken. Im Jahr 2015 kosten die Abgasmanipulationen Volkswagen demnach rund die Hälfte des eigentlich vorausgesagten operativen Jahresgewinns.

Unklar ist bislang, inwieweit Winterkorn und andere Vorstände selbst eine Schuld an den Manipulationen und ihren Auswirkungen trifft. Das Aufsichtsratspräsidium nahm Winterkorn mit Blick darauf in Schutz. Es teilte mit, dass Winterkorn "keine Kenntnis hatte von der Manipulation von Abgaswerten".

Feststellungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA werfen aber die Frage auf, ob Winterkorn und andere nicht lange vor der Veröffentlichung am Freitag Anlass hatten, sich über die Gründe für auffällige Abgaswerte zu informieren: Die amerikanischen Beamten sind nach eigenen Angaben schon seit Mai 2014 mit Volkswagen-Verantwortlichen wegen der Schadstoffwerte von Diesel-Fahrzeugen in Kontakt. Zudem stellt die EU-Kommission schon seit einiger Zeit Überlegungen an, den Schadstoffausstoß künftig unter realeren Bedingungen zu testen.

Quelle: ntv.de, ppo/rts