Wirtschaft

Nur ein Ablenkungsmanöver? Venezuela greift nach Guyanas Öl

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Venezuela beansprucht 160.000 Quadratkilometer von Guyana. Dort gibt es offenbar große Mengen Rohstoffe.

(Foto: REUTERS)

Venezuela hat zwar die größten Ölreserven der Welt, beansprucht jetzt aber noch mehr: Das Land lässt einen alten Grenzstreit mit Guyana wieder auflodern. Es geht um neue Rohstoff-Schätze im Meer. Oder will Venezuelas Präsident Maduro damit nur von innenpolitischen Problemen ablenken?

Seit Wochen verschärft sich ein alter Grenzstreit zwischen der Ölmacht Venezuela und dem kleinen Nachbarn Guyana. Es geht um die Oberhoheit über neue, lukrative Rohstoffreserven im Atlantik. Seinen ANfang nahm alles am 27. Mai mit dem Dekret Nr. 1787 des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Darin bekräftigte er den Anspruch auf ein 160.000 Quadratkilometer großes Gebiet westlich des Flusses Essequibo - und damit auch auf die Zone im Meer, die westlich des in den Atlantik mündenden Flusses liegt. Venezuela droht ferner damit, Pässe an die im Gebiet lebenden Bewohner auszugeben.

Guyana hat 760.000 Einwohner und gehört mit Surinam und Französisch-Guayana zu den oft vergessenen kleinen Exoten im Norden Südamerikas. Würde Präsident David Granger nachgeben, könnte Guyana 65 Prozent seines Territoriums verlieren.

Guyanas Außenministerium argumentiert, es gebe eine "ökonomische Aggression" Venezuelas, mit dem Ziel "Guyanas Willen zu brechen" und die Essequibo-Region aufzugeben.

Guyana könnte Plus machen

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Venezuelas Präsident Maduro rasselt kräftig mit den Säbeln.

(Foto: picture alliance / dpa)

Maduro pocht darauf, dass Guyana im strittigen Meeresgebiet vor der Küste keine Lizenzen zur Ölförderung verteilen darf. Doch genau das ist passiert. Der US-Konzern ExxonMobil darf im 26.800 Quadratkilometer großen Stabroek Block vor der Küste Probebohrungen vornehmen. Gerald Whyte vom Außenministerium sagt, noch könne das Ausmaß der Reserven nicht klar abgeschätzt werden - Exxon betont, sie seien signifikant. Somit könnte Guyana richtig gutes Geld mit einer Förderlizenz verdienen. Die Vereinten Nationen und Brasilien sind schon zur Suche nach einer friedlichen Lösung angerufen worden.

Venezuela sitzt zwar bereits auf den größten Ölreserven der Welt, ist aber in einer sehr schweren politischen Krise, das Land völlig polarisiert zwischen Anhängern des linken Maduro und seinen Gegnern. Der Absturz des Ölpreises, hohe Inflation und viel Gewalt stellen das Land vor eine Zerreißprobe.

Grenze nicht klar definiert

Ist das "Säbelrasseln" ein Ablenkungsmanöver von Maduros schweren Problemen daheim in Caracas? "Es ist auch Innenpolitik", meint der auf Sicherheitsfragen in Lateinamerika spezialisierte Wolf Grabendorff. Der Professor der Universität Andina Simón Bolivar in Ecuador betont aber zugleich: "Es gibt bis heute keine verbindliche Regelung zum Grenzverlauf." Maduro habe den Konflikt nicht erfunden, sondern lediglich wiederbelebt. "Es geht primär nicht um das Land, sondern um die ökonomisch interessanten Zonen im Meer." Da gebe es durchaus weitere Konfliktpotenziale in der Region - gerade wenn die Rohstoffausbeutung im Meer weiter an Bedeutung gewinnt.

Längst geht es nicht mehr nur um Öl, sondern auch um Kobalt oder Seltene Erden. Und glaubt Grabendorff, dass Maduro Truppen in Guyana einmarschieren lässt? "Ich glaube nicht, dass es einen Krieg geben wird", sagt er.

Und wie kann eine Lösung aussehen? "Ich könnte mir eine Vereinbarung vorstellen, dass es in dem umstrittenen Gebiet keine ökonomische Nutzung, also Ölförderung, geben darf." Aber unbeantwortet bliebe dann weiter die Frage, welche Grenze von beiden Staaten akzeptiert wird. Alle Schlichtungsversuche und Verträge zur Grenzfrage sind bisher gescheitert.

Quelle: ntv.de, kmi/dpa

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