Wirtschaft

Inflation über der EZB-Schwelle Verbraucherpreise ziehen kräftig an

Die Teuerungsrate ist im vergangenen Monat so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Vor allem für Strom, Gas und Benzin müssen Verbraucher tiefer in die Tasche greifen als noch vor einem Jahr. Wann wird die Zentralbank reagieren?

Die Verbraucherpreise sind erneut spürbar gestiegen: Die Inflationsrate lag im Februar verglichen mit dem Vorjahresmonat bei 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ein so hoher Wert wurde demnach zuletzt im August 2012 gemessen. Gegenüber dem Vormonat Januar gingen die Preise nach Angaben des Bundesamts um 0,6 Prozent hoch.

Den Statistikern zufolge stiegen die Kosten für Energie im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,2 Prozent, Nahrungsmittel waren 4,4 Prozent teurer. Für die Miete mussten Verbraucher 1,6 Prozent mehr auf den Tisch legen.

Anstieg über die 2-Prozent-Schwelle

Bereits im Januar hatten steigende Kosten für Energie und Lebensmittel die Inflationsrate kräftig in die Höhe getrieben. Sie lag damals im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 1,9 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent als ideal an. Mit den im Februar erreichten 2,2 Prozent liegt sie in Deutschland erstmals seit Langem über dieser Schwelle.

Für die EZB stellt der Preisanstieg in der stärksten Volkswirtschaft des gemeinsamen Währungsgebiets ein ernstes Problem dar. Nach Einschätzung der Bundesbank könnte die Inflation in der gesamten Eurozone unter dem Druck des Ölpreisanstiegs noch in diesem Jahr weit über die bisherigen Prognosen schnellen.

Risikofaktor Ölpreis

Für Deutschland werde eine Revision um etwa einen halben Prozentpunkt nach oben erwartet, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf einer Veranstaltung in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. "Und dies könnte auch für die Eurozone als Ganzes der Fall sein."

Das gelte unter der Annahme, dass die Ölpreise nicht noch weiter anzögen. Zum Jahresende hin rechnet Weidmann dann mit einer Rückkehr zu etwas geringeren Teuerungsraten. Die EZB geht für den Währungsraum bislang von 1,3 Prozent Preissteigerung in diesem Jahr aus, die Bundesbank für Deutschland von 1,4 Prozent. Im Januar war die Inflation in der Eurozone mit 1,8 Prozent bereits nahe an die EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent herangerückt, die als optimaler Wert für die Wirtschaft anstrebt wird.

Das hatte der Diskussion über einen Ausstieg aus der seit Jahren ultra-lockeren Geldpolitik neue Nahrung geliefert. Schließlich zählt die Wahrung der Preisstabilität zu den Kernaufgaben der Währungshüter. Bundesbank-Chef Weidmann ist in vielen Punkten ein Kritiker des laxen Kurses von EZB-Chef Mario Draghi.

Zinsanstieg im Euroraum?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird auf ihrer Ratssitzung am 9. März neue Inflations- und Konjunkturprognosen vorlegen. Für Februar erwarten Ökonomen eine Inflationsrate von 2,0 Prozent in der Eurozone.

"Der robuste wirtschaftliche Aufschwung und eine steigende Kapazitätsauslastung im Euro-Raum werden ebenfalls den Preisdruck allmählich hochtreiben", sagte Weidmann weiter. Er sieht die Wirtschaft insgesamt in recht guter Verfassung. Damit wäre der Weg für eine Anhebung der Euro-Leitzinsen frei. "Der Aufschwung hat sich stabilisiert", sagte der Bundesbanker wörtlich. Weidmann bekräftigte zudem, die EZB dürfe nicht davor zurückschrecken, ihre Geldpolitik zu straffen, sobald die Zeit dafür gekommen sei.

Quelle: ntv.de, shu/AFP/rts

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