Wirtschaft

Geldregen für Banken Visa packt Milliarden aus

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(Foto: REUTERS)

Der US-Kreditkartenkonzern Visa übernimmt seine ehemalige Tochter Visa Europe. Für Kunden soll damit das weltweite Bezahlen noch bequemer werden. Freuen dürften sich vor allem zunächst aber britische Banken.

Die US-Kreditkartenfirma Visa verleibt sich ihren Namensvetter in Europa ein. 21,2 Milliarden Euro legen die Amerikaner auf den Tisch, um die weltweiten Aktivitäten des Kreditkartenkonzerns künftig unter einem gemeinsamen Dach zu haben. Mit der Übernahme werde ein "einziges, globales Unternehmen geschaffen", teilten beide Unternehmen mit.

Visa will 11,5 Milliarden Euro in bar für den Europa-Ableger zahlen. Hinzu kommen Vorzugsaktien für 5 Milliarden Euro, die zu einem späteren Zeitpunkt in Stammaktien wandelbar sind. Ebenfalls später sind weitere Zahlungen von 4,7 Milliarden Euro geplant. Dieses Geld soll in Abhängigkeit von Umsatzzielen vier Jahre nach Abschluss der Transaktion fließen. Unabhängig von der Übernahme kündigte Visa ein Programm zum Rückkauf eigener Aktien für fünf Milliarden US-Dollar an.

Rückkauf erzwungen?

Die Visa Inc und Visa Europe hatten jahrelang unter derselben Holding gearbeitet - die Visa International Service Association. Das änderte sich 2007, als der US-Arm von einer Kooperativen zu einem börsennotierten Unternehmen wurde. Die weltweiten Aktivitäten wurden in der Visa Inc zusammengefasst, nur die Europa-Sparte blieb eigenständig. Die nun vereinbarte Transaktion ist die größte in der Unternehmensgeschichte.

Visa Europe befindet sich im Besitz von rund 4000 europäischen Banken. Aufgrund vertraglicher Regelungen könnten die Geldhäuser die Amerikaner unter bestimmten Bedingungen zu einem Rückkauf des europäischen Kreditkartengeschäfts zwingen. Die Erlöse beim Verkauf richten sich nach dem Umsatzanteil, den die einzelnen Institute beisteuern. Demnach dürften vor allem britische Geldhäuser profitieren, die auf einen Anteil von rund 40 Prozent kommen.

18 Milliarden Bezahlvorgänge

Früheren Informationen zufolge könnten Lloyds, HSBC und die Royal Bank of Scotland bis zu 7,3 Milliarden Euro zufließen. Alleine die britische Großbank Barclays könnte 2016 aus dem Verkauf 400 Millionen Pfund (560 Millionen Euro) erzielen, wie das britische Institut mitteilte. Bei den deutschen Instituten dürfte der Geldregen deutlich geringer ausfallen.

Das Unternehmen ist verantwortlich für jährliche Transaktionen im Umfang von 1,5 Billionen Euro. Insgesamt werden 18 Milliarden Transaktionen abgewickelt. In Europa hat Visa etwa 500 Millionen Kreditkarten ausgegeben. Der Zusammenschluss soll es Visa erleichtern, die Finanzstärke und die notwendige Größe zu haben, um die nächste Generation von Bezahllösungen in Europa auf den Weg zu bringen.

Unabhängig von der Übernahme legte Visa auch Quartalszahlen vor. Der Gewinn erreichte 1,5 Milliarden US-Dollar, ein deutlicher Anstieg von 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen legten um elf Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zu. Die abgewickelten Kreditkartenzahlungen stiegen trotz des wirtschaftlich teils schwierigen Umfelds wechselkursbereinigt um 12 Prozent auf 1,3 Billionen Dollar.

Quelle: n-tv.de, mmo/jwu/rts/dpa/DJ