Wirtschaft

US-Börsen unterschätzen Grexit Wall Street ignoriert Schuldenstreit

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Alexis Tsipras (li.) gegen Wolfgang Schäuble: Die US-Börsen lässt der Schuldenstreit in Europa kalt.

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In Athen stehen die Zeichen auf Staatspleite, doch die US-Börsen bleiben erstaunlich ruhig. Die Börsianer nehmen kaum Notiz vom Schuldenstreit. Dabei drohen auch den USA bei einem Grexit große Verluste.

Griechischer Wein und noch viel mehr Gutes kommen aus dem Land der Hellenen: Aristoteles und Sokrates, die Demokratie, der Olympische Gedanke und das beste Olivenöl. In Amerika kommt davon nicht viel an. Für Philosophie interessieren sich die wenigsten, die eigene Demokratie hält man für die erste auf der Welt. Sport zählt nur wenn Amerikaner gewinnen, und Öl kommt nicht von irgendeinem mediterranen Baum, sondern aus der Pipeline.

Der Durchschnittsamerikaner kann mit Griechenland nicht allzu viel anfangen, aber zumindest an der Wall Street beschäftigt man sich hin und wieder mit dem Land. Gezwungenermaßen. Denn Griechenland ist und bleibt das Sorgenkind der Eurozone, und wenn man sich auf der fernen Seite des Atlantiks um einen Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung sorgt, hat das durchaus Folgen für die USA. Immerhin ist Europa nicht nur politischer Verbündeter, sondern vor allem Handelspartner. Und der Wechselkurs zwischen Euro und Dollar ist ein mächtiger Wirtschaftsfaktor.

Umso erstaunlicher ist, wie gelassen die Experten zur Zeit mit dem Thema umgehen. Dass sich der griechische Premierminister Alexis Tsipras und sein Finanzminister Yanis Varoufakis stur gegen alle Forderungen ihrer europäischen Partner stellen, die sie retten sollen, hindert den Dow Jones nicht daran, seine Rallye fortzusetzen: Über 18.000 Punkte kletterte das amerikanische Börsenbarometer in den letzten Tagen - Rekord!

Auf dem Parkett der New Yorker Börse herrscht beste Stimmung - von Krise nichts zu spüren, nicht einmal von einer gewissen Angst. Alle sind cool. Man wird sich einigen, sagen die Trader. Dass in zehn Tagen eine Deadline ansteht und sich ein Näherkommen der Parteien zur Zeit überhaupt nicht abzeichnet, juckt die Finanzakteure nicht.

Hauptsache die Banken sind sicher

Dabei droht den USA durchaus Ärger, wenn etwa der Euro wegen der Krise in Griecheland weiter an Wert verliert. Die 500 größten amerikanischen Unternehmen machen etwa die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland und einen Großteil davon in Europa. Egal ob Caterpillar oder Coca-Cola, IBM oder Procter & Gamble, zahlreiche US-Riesen mussten zuletzt ihre Wachstumsprognosen zurückfahren, weil der teure Greenback auf die Nachfrage in Übersee drückt.

Warum also die Ruhe? Vielleicht weil man zwei Dinge sehr genau weiß. Im politischen Spiel gehört ein Ultimatum zu den regulären Mitteln und ist nicht unbedingt eine Bedrohung. Ein Ultimatum kann verlängert werden, und zwar so lange, bis man eine Einigung gefunden hat. In Amerika sieht man das ja immer wieder, etwa wenn die Republikaner dem Weißen Haus den Geldhahn zudrehen. Das ist ärgerlich, das kostet auch, aber untergegangen sind bisher weder die USA noch der Rest der Welt.

Viel wichtiger für die Wall Street: Einiges deutet darauf hin, dass trotz der Probleme in Griechenland zumindest die Banken einen Weg finden, sich zu befreien. Nicht zuletzt wirft Varoufakis den Europäern vor, bislang vor allem den Finanzsektor unterstützt zu haben. Und das stimmt auch: Satte 77 Prozent der Finanzhilfen flossen an die Banken, um deren Absturz abzuwenden und katastrophale Folgen für die griechische Infrastruktur zu verhindern. Und so lange die Banken keinen großen Schaden nehmen, macht sich die Wall Street keine Sorgen.

Quelle: n-tv.de

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