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Skandal-Doku um Michael Jackson Wie stark leidet die Marke "King of Pop"?

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HBO gräbt mit seiner Doku ein Thema aus, dass zumindest aus Sicht von Jacksons Familie besser der Vergangenheit angehören sollte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit der zweiteiligen Fernseh-Doku "Leaving Neverland" entbrennt ein Streit über das Vermächtnis von Michael Jackson. Einen Hinweis darauf, dass der Marktwert des "King of Pop" schon erheblich gelitten haben könnte, gibt nicht nur der Verkaufspreis seines Anwesens.

Auch zehn Jahre nach seinem Tod verdienen die Erben von Michael Jackson mit seiner Musik Millionen. Laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" führte der "King of Pop" im letzten Jahr zum sechsten Mal in Folge die Liste verstorbener Großverdiener an - mit Einnahmen von 400 Millionen Dollar. Allerdings könnten neue Missbrauchsvorwürfe das schon bald ändern.

Zu seinen erfolgreichsten Zeiten verdiente der "King of Pop" 50 Millionen Dollar im Jahr. Doch als Jackson 2009 im Alter von 50 Jahren an einer Betäubungsmittel-Überdosis starb, hinterließ er einen horrenden Schuldenberg in Höhe von 400 Millionen Dollar. Zum Zeitpunkt seines Todes schätzten die Testamentsvollstrecker sein Vermögen unter dem Strich nur noch auf sieben Millionen Dollar. Jackson überließ den Großteil seines Nachlasses seiner Mutter Katherine und seinen drei Kindern Prince, Paris und Blanket. Sein Vater Joseph, der im letzten Jahr verstorben ist, und seine Geschwister gingen leer aus.

Filmverträge und Werbedeals bescherten Jacksons Hinterbliebenen allerdings noch im Jahr seines Todes einen posthumen Geldsegen von geschätzten 100 Millionen Dollar und ließen die Schulden schnell schmelzen. Auch zehn Jahre später läuft die Vermarktungs-Maschinerie wie geschmiert: Das Broadway-Spektakel "Don't Stop 'Til You Get Enough", das 2020 in Chicago an den Start gehen soll, die Circque du Soleil Show in Las Vegas und der Verkauf von Jacksons Anteilen an EMI Publishing Music spülen viel Geld in die Kassen.

Das Geschäft mit seinem Vermächtnis

Doch die Marke des "King of Pop" könnte jetzt mit der Ausstrahlung der zweiteiligen Doku "Leaving Neverland" des US-Fernsehsenders HBO erheblichen Schaden nehmen. Darin erzählen zwei heute über 30 Jahre alte Männer, dass Jackson sie im Kindesalter missbraucht habe. Die damit verbundene Welle der Empörung gefährdet nicht nur seinen Ruf, sondern hat auch unmittelbare Konsequenzen auf das Geschäft mit seinem Vermächtnis.

Die Jackson-Familie wehrt sich und weist die Vorwürfe zurück. In einem zehnseitigen Brief warfen Jacksons Nachlassverwalter dem TV-Sender HBO fragwürdige Methoden bei der Produktion vor. Das Ergebnis sei eine "einseitige, sensationssüchtige Sendung", die gegen journalistische Grundsätze verstoße. Die Ausstrahlung am 3. und 4. März konnten sie damit zwar nicht verhindern. Doch in einer Klage fordern die Nachlassverwalter nun ein Schlichtungsverfahren und 100 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Verunglimpfung des Popstars.

Inzwischen hat eine Reihe großer kanadischer Radiosender die Musik von Jackson aus dem Programm genommen, wie das Medienunternehmen Cogeco bekannt gab. Eine Unternehmenssprecherin sagte, man habe sich nach der Ausstrahlung der Dokumentation "Leaving Neverland" zu dem Schritt entschlossen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Marke Michael Jackson bereits gelitten hat, zeigt die vergebliche Suche nach einem Käufer für das in "Syncamore Valley Ranch" umbenannte Neverland-Gelände. Im Vergleich zum Verkaufspreis von 2015 ist die Gelegenheit für Interessenten mit 70 Prozent Rabatt gerade günstig. Die Villa steht für nur noch 31 Millionen Dollar zum Verkauf.

Der Circque du Soleil lehnte laut "Washington Post" eine Stellungnahme über die Zukunft der Show "Michael Jackson One", die 2013 im Mandalay Bay Resort und Casino debütierte, ab. Das Broadway-Musical hingegen solle wie geplant 2020 starten, beruft sich die Zeitung auf einen Sprecher.

Name des "King of Pop" nahezu wertlos?

HBO gräbt mit seiner Doku ein Thema wieder aus, dass zumindest aus Sicht von Jacksons Familie besser der Vergangenheit angehören sollte. Bereits 1993 hatte ein 13-jähriger Junge erklärt, im Jackson-Schlafzimmer Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein. Der Star bestritt das konsequent und einigte sich mit der Familie des Jungen auf eine Abfindung in Millionenhöhe. Ähnliche Beschuldigungen eines Teenagers führten 2005 zu einem "Jahrhundertprozess", der mit einem für Jackson triumphalen Freispruch in allen Anklagepunkten endete. Seine Karriere und sein Ruf nahmen trotzdem dauerhaft Schaden.

Inwiefern das aber der Marke wirklich geschadet hat, ist bisher noch unklar. Die Familie behauptet, dass die Anschuldigungen das Image von Jackson so schwer beschädigt haben, dass der Name des "King of Pop" damals nahezu wertlos geworden sei. Die US-Steuerbehörde International Revenue Service sah das vollkommen anders und bewertete die Marke mit 160 Millionen Dollar.

Wie vorübergehend solche Einschätzungen sind, zeigt sich in gerade in Norwegen. Zuerst wollte der norwegische Rundfunk NRK angesichts der neuen Missbrauchsvorwürfe zwei Wochen keine Lieder von Jackson spielen. Wenig später machte der Sender aber einen Rückzieher. Man müsse zwischen Kunst und Künstler unterscheiden, heißt es in der Begründung. Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass man eine Position dazu beziehe, ob Jackson schuldig sei oder nicht.

Quelle: n-tv.de, mit dpa/AFP

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