Wirtschaft
Will das Nachrichten-Geschäft retten: Jimmy Wales.
Will das Nachrichten-Geschäft retten: Jimmy Wales.(Foto: imago/Mauersberger)
Dienstag, 25. April 2017

Die Antwort auf "Fake News": Wikipedia widmet sich jetzt Nachrichten

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales steigt ins Nachrichtengeschäft ein. Seine neue Plattform soll transparent sein und nach Wikipedia-Vorbild die Konsumenten miteinbeziehen. Damit möchte er eine Alternative zu herkömmlichen Medien schaffen.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales will mit einer neuen Nachrichtenplattform gegen gefälschte Nachrichten im Netz vorgehen. Nach dem Prinzip des Online-Lexikons Wikipedia sollen die Nachrichten auf "WikiTribune" dabei von einer Gemeinschaft aus Mitarbeitern und Freiwilligen auf Fakten geprüft werden.

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Das Nachrichten-Geschäft sei zerstört, aber man könne es reparieren, sagte Wales in einer Videoaufzeichnung. Angesichts eines "Präsidenten, der jeden Tag lügt", möchte er in Anspielung auf US-Präsident Donald Trump deshalb eine Alternative zu herkömmlichen Medien schaffen. Das Team von Trump ist überhaupt Anstoß für die konkrete Planung von "WikiTribune", verrät der Wikipedia-Gründer. Nachdem Trump-Beraterin Kellyanne Conway nachweislich falsche Angaben zu den Besucherzahlen bei Trumps Amtsantritt als "alternative Fakten" bezeichnet hatte, habe er die Notwendigkeit einer solchen Plattform noch deutlicher gesehen.  

Der Fokus von "WikiTribune" wird also ganz auf der Wiedergabe von Fakten und Transparenz liegen. In diesem Rahmen sollen Leser den Nachrichten zugrundeliegende Quellen, wie zum Beispiel Protokolle oder Interviewaufzeichnungen,  einsehen können. "Nachrichten von den Menschen für die Menschen", nennt Wales das.

Nutzer dürfen mitschreiben

Zum Start der Nachrichtenplattform werden dafür mindestens zehn hauptberufliche Journalisten eingestellt. Diese sollen dann nach dem Motto "Was wir nicht wissen, aber was wir wissen sollten" Nachrichten recherchieren und aufschreiben, die wiederum von Nutzern redigiert werden können. Anders als beim Vorbild Wikipedia müssen diese Änderungen aber vor Veröffentlichung von "WikiTribune"-Mitarbeitern genehmigt werden. Das inhaltliche und organisatorische Ausmaß der Website ist dabei laut Wales noch ungewiss. In welcher Regelmäßigkeit tatsächlich Artikel auf der Seite erscheinen werden, macht er von der Spendenbereitschaft und der öffentlichen Reaktion auf die Idee insgesamt abhängig.

Viele Experten hat Wales mit seiner Idee jedenfalls schon einmal grundsätzlich auf seiner Seite.  "Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die das als eine vertrauenswürdige Plattform ansehen würden, sollte es richtig gemacht werden", sagte Joshua Benton von der Harvard University der BBC. "Aber zehn bis 20 Leute werden es nicht schaffen, "die Nachrichten zu reparieren". "Ich glaube, wir befinden uns heute in einer Welt, in der die Menschen sich darum sorgen, dass wir qualitativ hochwertige und faktenbasierte Informationen bekommen", sagte Wales der BBC. "Deshalb glaube ich, dass es eine Nachfrage für so etwas gibt."

Zu den ersten Unterstützern gehören laut WikiTribune der Autor und Unternehmer Guy Kawasaki, das britische Model Lily Cole sowie der amerikanische Journalist und Netzaktivist Jeff Jarvis.

Quelle: n-tv.de