Wirtschaft

Ansturm auf Ofenbauer "Wir können nicht nur mit Holz heizen"

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Sofern die Ofenbesitzer sich rechtzeitig mit Holz eindecken können, werden in vielen deutschen Wohngebieten die Öfen im kommenden Winter mutmaßlich häufiger angezündet als bisher.

(Foto: picture alliance / BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com)

Aus Sorge vor dem Frieren im Winter sind Öfen im Zuge des Ukraine-Kriegs so gefragt wie nie zuvor. Ofenbauer können sich vor Anfragen kaum retten. Im Interview mit ntv.de erzählt Verbandschef Müller von den Herausforderungen seiner Branche und inwiefern sich ein Ofen lohnt, um Kosten zu sparen.

ntv.de: Der Ukraine-Krieg und die Bedenken um die Energieversorgung verunsichern die Bürger. Aus Angst, im Winter zu frieren, wollen sich immer mehr Menschen einen zusätzlichen Holzofen zulegen. Registrieren die Mitglieder Ihres Verbandes schon eine erhöhte Nachfrage?

Andreas Müller: Die 2000 Ofenbauer, die in unserem Verband organisiert sind, berichten von einer außerordentlichen Nachfrage. Der Hauptauslöser ist in der Tat die Energieknappheit und die damit verbundene Preisexplosion. Die Nachfrage nach Holzfeuerung war schon immer hoch, weil Behaglichkeit beliebt ist. Momentan dauert es im Schnitt allerdings drei Monate, bis auf einen Kundenwunsch eingegangen und überhaupt ein Angebot geschrieben werden kann.

Können Ofenbauer und Installateure der Nachfrage gerecht werden?

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Alexander Müller ist Technik-Chef beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima.

Die Bücher sind voll mit Aufträgen, die noch abgearbeitet werden müssen. Schuld sind nicht nur die hohe Nachfrage, sondern auch Lieferprobleme und Produktionsengpässe. In neuen Öfen sind inzwischen auch elektronische Teile verbaut, die zum Beispiel die Verbrennungsluft elektronisch steuern. Auch hier gibt es momentan Engpässe, genau wie bei feuerfesten Schamottsteinen, mit denen der Feuerraum eines Ofens ausgekleidet wird. Das entzieht sich dann allerdings unserer Verantwortung.

Von der allgemeinen Teuerung sind auch Brennstoffe wie Kaminholz und Holzpellets betroffen. Lohnt sich da der Einbau eines Ofens überhaupt, um Kosten zu sparen?

Noch vor der Ukraine-Krise haben Kunden 75 Euro für den Raummeter Holz bezahlt. Die Preise sind inzwischen auf 150 bis 170 Euro gestiegen. Die Preise haben sich also auch hier locker verdoppelt. Jeder der elf Millionen Ofenbesitzer in Deutschland ordert momentan mehr Holz als bisher. Wenn man einen Raummeter Holz mit Gas vergleicht, entspricht das in etwa rund 200 Kubikmeter Erdgas oder 200 Liter Heizöl. Wenn Sie heute diese Menge Erdgas einkaufen, zahlen Sie fast 300 Euro. Eine Einsparung beim Einsatz von Holz gibt es also schon.

Neue Studien zeigen: Zehn Prozent der Feinstaubbelastung entfallen auf die Nutzung durch Holzfeuerung. Wirft uns der Ofen-Boom bei der Energiewende zurück?

Lange vor der Krise hat das Bundesumweltministerium eine Verordnung verschärft. Im Zuge dessen gab es eine sogenannte Einstufungsmessung durch die Schornsteinfeger. Alle Holzöfen wurden eingestuft und überprüft, ob sie die neuen Feinstaubanforderungen erfüllen. Derzeit gibt es rund 4,5 Millionen Holzöfen, die diese Anforderungen nicht mehr erfüllen. Alte Öfen emittieren über 350 Milligramm Feinstaub pro Kilowattstunde. Die neuen gesetzlichen Anforderungen liegen bei unter 40 Milligramm. Man muss aber auch sagen: Holz ist nicht der Hauptemittent beim Thema Feinstaub. Da gibt es andere Bereiche, die weit mehr emittieren, wie etwa Mobilität, Landwirtschaft und Industrie.

Können Öfen dauerhaft eine Alternative zu anderen Heizungen sein?

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Die klassische Einzelfeuerstätte sicher nicht. Diese ist im Prinzip darauf ausgelegt, dass Öfen gelegentlich zum Beispiel am Abend oder am Wochenende betrieben werden. Sie sind nicht als Dauerbrandofen ausgelegt. Die gibt es zwar auch, sind aber anders konstruiert. Hier wird auch kaltes Wasser angeschlossen, sodass das Wasser erwärmt wird und dann auch in andere Räume verteilt werden kann. Dann gibt es noch die klassischen Pelletheizungen. Das sind aber Zentralheizungen. Die bieten ein enormes Potenzial und aufgrund der nachhaltigen Waldbewirtschaftung haben wir da noch Spielraum nach oben. Was man aber natürlich auch fairerweise sagen muss: Wir können in Deutschland nicht nur mit Holz heizen. Das geht natürlich nicht.

Mit Andreas Müller sprach Juliane Kipper

Quelle: ntv.de

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