Wirtschaft

"Neuen kalten Krieg" verhindern Xi warnt eindrücklich vor Alleingängen

15de9a8d6da04d2e9622b029633ab69f.jpg

Meint die USA, ohne sie zu nennen: Chinas Staatschef Xi.

(Foto: dpa)

In einer Videorunde zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums fordert Chinas Präsident Xi mehr internationale Kooperationen und gibt sich als Verfechter der Globalisierung aus. Die Probleme der Welt könne kein Land alleine lösen - und er wird noch deutlicher: Ein Alleingang könnte fatale Folgen haben.

Chinas Präsident Xi Jinping hat Spitzen von Politik und Wirtschaft vor einem "neuen Kalten Krieg" gewarnt. Eine solche Konfrontation werde "in einer Sackgasse" enden, sagte Xi in einer digital übertragenen Ansprache an die Teilnehmer des diesjährigen Weltwirtschaftsforums (WEF).

Ohne die USA direkt beim Namen zu nennen, gab sich Xi als Verteidiger des Multilateralismus und der Globalisierung aus. Das Herausbilden kleiner Cliquen, ein in Gang gesetzter "neuer Kalter Krieg" sowie Bedrohungen und Einschüchterungen anderer würden die Welt nur in die Teilung treiben, mahnte Xi. Er nannte als Beispiele die Störung von Versorgungsketten sowie Sanktionen, die eine Isolation zum Ziel hätten.

Angesichts der Corona-Pandemie forderte Xi in seiner 25-minütigen Rede den Abbau von Barrieren für Handel, Investitionen und technologischen Austausch. Es bedürfe einer verbesserten Zusammenarbeit, sagte der Staatschef. Die globale Erholung von der Corona-Pandemie sei noch "ziemlich wackelig", die Aussichten unsicher. "Wir sollten eine offene Weltwirtschaft aufbauen, diskriminierende und ausschließende Standards, Regeln und Systeme verwerfen", forderte Xi.

Eine Schlüsselrolle sieht der Präsident dabei in der G20, dem internationalen Forum der größten Industrie- und Schwellenländer. Die Gruppierung solle sich für eine "enge makroökonomische Koordinierung der Politik" einsetzen. Sie solle als "Hauptforum" für die globale wirtschaftspolitische Steuerung genutzt werden.

Erstmals fließen mehr Direktinvestitionen nach China als in die USA

China ist vergleichsweise gut durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 2,3 Prozent zu. Das ist das schlechteste Abschneiden seit 1976, doch hat kein anderes großes Land ein Wachstum geschafft. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft ist einer ersten Schätzung zufolge um 5,0 Prozent eingebrochen. China löste zudem die USA erstmals als größter Empfänger ausländischer Direktinvestitionen ab. In die Volksrepublik flossen im vergangenen Jahr 163 Milliarden Dollar, wie aus dem Bericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung hervorgeht. Die USA verzeichneten demnach nur noch Zuflüsse von 134 Milliarden Dollar.

Das WEF im schweizerischen Davos findet diesmal komplett digital statt. Bei dem Austausch, bei dem sich sonst üblicherweise hunderte Vertreter der globalen Politik- und Wirtschaftselite treffen, soll es bis zum Freitag dennoch wichtige Debatten über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Erholung nach der Coronavirus-Pandemie geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält am Dienstag eine Rede.

Quelle: ntv.de, jki/AFP/rts