Kolumnen

Inside Wall Street Der Schwarz-Weiß-Graben

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Das Martin-Luther-King-Denkmal in Washington. Seit Mitte der 1980er-Jahre wird jeden dritten Januar-Montag des Bürgerrechtlers mit einem Feiertag gedacht.

(Foto: REUTERS)

Die USA erinnern jährlich im Januar an den Bürgerrechtler Martin Luther King. Doch auch mehr als 45 Jahre nach seiner Ermordung sind vor allem die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen weißen und schwarzen US-Amerikanern erheblich.

Viele US-Amerikaner stecken mitten in einer verkürzten Arbeitswoche: Am Montag war "Martin Luther King Day" und zumindest wer im Finanzsektor oder im öffentlichen Dienst arbeitet, hatte frei. Der "MLK-Day" ist ein arbeitsfreier Tag, aber streng genommen kein "Feiertag" - denn einen Grund zu Feiern haben vor allem die Schwarzen in den USA nur bedingt.

Sicher, seit Martin Luther King in den 1960er Jahren die Bürgerrechtsbewegung anführte, hat sich die Politik in diesem Bereich in den USA deutlich verbessert. So wurde vielen Schwarzen durch gezielte Unterstützung im Bildungssektor Zugang zu Universitäten ermöglicht. Etliche von ihnen haben Karriere gemacht und es in Politik und Wirtschaft bis an die Spitze geschafft. Die Wahl des auf väterlicher Seite afro-amerikanischen Barack Obama ins Weiße Haus lässt zumindest nach außen hin den Schein aufkommen, dass in den USA Chancengleichheit und Gleichberechtigung herrsche. Doch weit gefehlt!

Noch immer sind die Unterschiede groß

Pünktlich zum Geburtstag des großen Bürgerrechtlers hat das liberale "Economic Policy Institute" einige Statistiken veröffentlicht, die deutlich belegen, dass zwischen Schwarzen und Weißen auch in den USA der Gegenwart noch dramatische Unterschiede herrschen. So ist etwa unter Schwarzen die Arbeitslosigkeit mit rund zwölf Prozent doppelt so hoch wie unter Weißen. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen beträgt für Schwarze 40.797 Dollar pro Jahr - weiße Familien bringen es im Schnitt auf 65.880 Dollar. Immerhin: Der Abstand ist nicht mehr ganz so groß wie dereinst: 1947 verfügten Schwarze im Schnitt nur über halb so viel Einkommen wie Weiße, heute sind es mehr als 60 Prozent - von einer gerechten Verteilung ist man indes weit entfernt.

Von manchen Branchen werden Schwarze zudem besonders ins Visier genommen. Während der Immobilienblase bekamen afro-amerikanische Familien deutlich mehr Angebote von Banken im "Sub-Prime"-Segment. Diese Billighypotheken an Geringverdiener waren bewusst trügerisch strukturiert, um Kunden über ihre finanziellen Möglichkeiten hinaus anzulocken - Hunderttausende zunächst dankbarer Hausbesitzer stolperten später über steigende Zinsen und verloren Hab und Gut.

Weiße US-Amerikaner häufen größere Vermögen an

Einmal unter Wasser, ließ man sie nicht in Ruhe: Schwarze Schuldner wurden von den Gläubigern strenger verfolgt als Weiße mit vergleichbaren finanziellen Nöten. Vor allem bei professionellen Geldeintreibern standen afro-amerikanische Schuldner ganz oben auf den Anruflisten, obwohl sie ihre Außenstände statistisch gesehen ebenso zuverlässig oder unzuverlässig abzahlten wie weiße US-Amerikaner.

Unterm Strich, das zeigen die Veröffentlichungen des liberale "Economic Policy Institute", haben es schwarze US-Amerikaner ungleich schwerer als Weiße, Vermögen anzuhäufen. Das durchschnittliche Vermögen bei schwarzen Familien liegt aktuell bei rund 80.000 Dollar - verglichen mit rund 600.000 Dollar bei weißen Familien. Letztere haben vor allem zwischen 1995 und 2005 von einem steilen Anstieg profitiert.

Überdurchschnittlich oft Niedriglöhner

Martin Luther King kämpfte in seiner Zeit wohlgemerkt für soziale  Gerechtigkeit - doch finanzielle und wirtschaftliche Gerechtigkeit ist damit eng verbunden. Statistisch gesehen arbeiten überdurchschnittlich viele Schwarze in Niedriglohnjobs, und genau da hätte man die Möglichkeit, mit einer mutigen politischen Entscheidung neue Realitäten zu schaffen: Der Kongress diskutiert seit Jahren über eine Anhebung des Mindestlohns, die zur Zeit am Widerstand der Republikaner hakt. Diese fürchten die Mehrbelastung für Unternehmer, glauben an den Verlust von Arbeitsplätzen - obwohl zahlreiche renommierte Volkswirte der pessimistischen Theorie widersprechen.

Gerade erst haben 75 namhafte Wirtschaftsexperten - darunter sieben Nobelpreisträger und sieben ehemalige Regierungsberater - in einem offenen Brief dargelegt, wie eine Anhebung des Mindestlohns auf 10,10 Dollar pro Stunde bis zu 28 Millionen Geringverdiener soweit besser stellen könnte, dass die keine ergänzende Sozialhilfe mehr benötigten und sogar als Konsumenten aktiv am Wirtschaftskreislauf teilnehmen könnten.

Die Argumentation der Experten ist derart einleuchtend, dass sich sogar zahlreiche prominente Konservative der Idee nicht mehr verschließen. Selbst Bill O´Reilly, prominentes und lautes Sprachrohr der Republikaner beim Propaganda-Sender Fox News, unterstützt die Initiative, ebenso die prominente rechte Aktivistin Phyllis Schlafly, der besonders gefällt, dass der Staat letztlich weniger Sozialhilfe zusteuern muss. Umfragen zufolge haben sich auch zwei Drittel der mittelständischen Unternehmer für höhere Mindestlöhne ausgesprochen, dazu auch 58 Prozent der republikanischen Wähler. Gegen höhere Löhne ist allein die amerikanische Handelskammer, und die gehört zu den mächtigsten Einflüssen der Republikaner.

Quelle: ntv.de