Kolumnen

Wechsel auf dem 20-Dollar-Schein Die Frau im Geldbeutel

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(Foto: imago stock&people)

In der Finanzwelt fallen die Männerdomänen, doch eine Frau auf einem Dollarschein gibt es noch nicht. Harriet Tubman könnte die erste werden.

Der Schuhputzer ist längst ausgezogen und auch der grummelige Friseur hat dicht gemacht. Viel hat sich geändert an der Wall Street in den letzten Jahren - aber nicht die Stimmung auf dem Parkett, wo immer noch der Charme des "Old Boys Club" von anno dazumal zu spüren ist. Boys, ja, denn Frauen gibt es immer noch wenige im Finanzviertel … aber immer mehr Männerdomänen fallen.

Harriet Tubman könnte bald die nächste Frau sein, die eine exklusive Männerdomäne erobert. Sie siegte in einer inoffiziellen Umfrage und wird nun mit einer Petition als neues Gesicht für den 20-Dollar-Schein vorgeschlagen. Auf dem Lappen prangt bisher das Gesicht von Andrew Jackson, der im frühen 19. Jahrhundert siebter Präsident der Vereinigten Staaten war.

Jackson, der früher schon Banknoten im Wert von fünf, zehn und fünfzig Dollar zierte und während der Inflation sogar einen 10.000-Dollar-Schein schmückte, soll in den Ruhestand geschickt werden - das fordert die Kampagne "Women on 20s", die den Personalwechsel bis 2020 vollzogen sehen will, denn dann feiert man den hundertsten Jahrestag des Frauenwahlrechts, mit dem historisch betrachtet die Frauenbewegung einen ersten Meilenstein erreichte.

Harriet Tubman setzte sich zuletzt gegen drei Konkurrentinnen durch: Die ehemalige First Lady Eleanor Roosevelt, die Bürgerrechtlerin Rosa Parks und die frühere Cherokee-Chefin Wilma Mankiller. Einen solchen Erfolg hätte sie sich wohl einst nicht träumen lassen. Tubman wurde irgendwann zwischen 1820 und 1825 als Tochter von Sklaven in Maryland geboren. Als junges Mädchen gelang ihr die Flucht in die Nordstaaten, wo sie bei der Hilfsorganisation Underground Railroad mitwirkte, die rund 100.000 Sklaven zur Flucht verhalf. Im Bürgerkrieg engagierte sie sich als Spion gegen den Süden, neben Susan B. Anthony arbeitete sie später an der Spitze der amerikanischen Frauenbewegung.

Weitere Vorreiterinnen der Emanzipation

In den USA ist die Kampagne für eine Frau auf dem Zwanziger zunächst positiv aufgenommen worden. Das heißt nicht, dass nun alles reibungslos ablaufen wird. Schon bei der Auswahl der richtigen Kandidatin wird es schwierig: Tubman hat ein erstes Referendum gewonnen, doch auch andere historisch bedeutende Frauen haben ihre Unterstützer. Nicht nur die drei offiziellen Gegenkandidatinnen, wohlgemerkt. Mit Blick auf den bisherigen Zwanziger und Andrew Jackson wünschen sich manche etwa die Indianerin Sacagawea auf dem Geldschein - immerhin hatte Andrew Jackson gegen die Ureinwohner Nordamerikas unbarmherzig Krieg geführt, da böte sich die Personalie als kleine Wiedergutmachung an. Was gegen Sacagawea spricht: Sie ziert schon die seltene Ein-Dollar-Münze, ist also eigentlich schon gut repräsentiert.

Zu weiteren beliebten Kandidaten zählen die Bürgerrechtlerin Sojourner Truth, die Frauenrechtlerinnen Elizabeth Stanton und Alice Paul und Rot-Kreuz-Gründerin Clara Barton.

Wer auch immer letztlich in den Geldbeutel der US-Amerikaner kommt, schließt sich gleich zwei erlesenen Clubs an: Da wären zum anderen die anderen Geldschein-Promis wie George Washington und Abraham Lincoln, und zum anderen die großen Frauen Amerikas, die ihrerseits Männerdomänen durchbrochen haben. Zu denen gehören Rebecca Felton als erste Senatorin der USA, Nellie Ross als erste Gouverneurin, oder näher am Finanzwesen: Georgia Clark als erste US-Finanzministerin, Katherine Graham als erste CEO eines Fortune-500-Unternehmens, Janet Yellen als erste Chefin der Fed, sowie Muriel Siebert, die als erste Frau an der New York Stock Exchange handeln durfte.

Quelle: n-tv.de

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